"Diffamierend und herabmindernd"

GOMMISWALD. Eklat in Gommiswald: Die für die Betreuung von Asylsuchenden zuständige ABS Betreuungsservice AG beendet die Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Nach öffentlichen Vorwürfen spricht das Unternehmen von einem fehlenden Vertrauensverhältnis.

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Die Betreuung von Asylsuchenden ist eine wichtige Aufgabe - die Gemeinde Gommiswald muss sich nun eine neue Partnerfirma dafür suchen. (Bild: Keystone (Symbolbild))

Die Betreuung von Asylsuchenden ist eine wichtige Aufgabe - die Gemeinde Gommiswald muss sich nun eine neue Partnerfirma dafür suchen. (Bild: Keystone (Symbolbild))

Das Tischtuch zwischen der Gemeinde Gommiswald und der ABS Betreuungsservice AG ist zerschnitten. Nach diversen Vorkommnissen hat die ABS Betreuungsservice AG, welche die Asylsuchenden in Gommiswald betreut, die Zusammenarbeit mit der Gemeinde gekündigt, wie das Unternehmen in einem Communiqué mitteilt. Eine qualitativ hochstehende und verantwortungsvolle Betreuungsarbeit könne nur auf der Basis eines unbeschadeten Vertrauensverhältnisses erfolgen, schreibt das Unternehmen. Die Kooperation müsse klar geregelt und von beiden Vertragspartnern praktiziert werden. "Dies gewährleisten die Behörden von Gommiswald heute nicht."

"Nachweislich falsch"
Der Streit zwischen der Gemeinde Gommiswald und der ABS zieht sich seit Monaten hin. "Einzelne Medienberichte zitierten in den letzten Wochen Behördenvertreter von Gommiswald, welche die Betreuung der Asylsuchenden in kommunalen Liegenschaften ihrer Gemeinde kritisierten", blickt die Firma in ihrem Communiqué zurück. Dabei sei die ABS "teilweise in diffamierender und herabmindernder Art und Weise" dargestellt worden, schreibt das Unternehmen. Einer der geäusserten Vorwürfe war, dass die ABS Asylsuchende auf dem Boden schlafen lasse. "Das ist nachweislich falsch", so das Unternehmen.

"In tatsachenwidriger Art und Weise"
Einer vorsorglichen Vertragskündigung seitens der Gemeinde folgten gemäss der Mitteilung Gespräche zur Klärung vorhandener Missverständnisse und zur Verbesserung der Kooperation zwischen den Behörden von Gommiswald und der ABS als zuständigem Betreuungsunternehmen. Noch Anfang Dezember war geplant, die Zusammenarbeit fortzuführen. "In der Zwischenzeit entwickelte sich das Vertrauens- und Zusammenarbeitsverhältnis jedoch nicht wie gemeinsam geplant: Die Gemeinde agierte beim Umzug einer Asylsuchenden, ohne die für die Betreuung in der Verantwortung stehende ABS mit einzubeziehen. Dies unterläuft die zuvor getroffenen Abmachungen", schreibt die ABS Betreuungsservice AG.

Unverständlich sei ferner, dass die Gemeindeverantwortlichen sich trotz des eben erneuerten Übereinkommens für die Zusammenarbeit in den Medien in tatsachenwidriger Art und Weise über die ABS geäussert hätten. "So ist die Gemeinde Mieterin der Liegenschaften und nicht die ABS. Selbstverständlich steht es den Gemeindevertretern als Mietern der Liegenschaft frei, die Zustände je nachdem als zumutbar oder unzumutbar zu beurteilen, nicht jedoch mit falschen Tatsachen, die Verantwortung von sich zu schieben beziehungsweise die ABS dadurch in ihrem Ansehen zu schädigen", schreibt die Firma.

"Das ist leider nicht der Fall"
"Bei der Betreuung von Asylsuchenden, welche auf kommunaler Ebene möglichst selbstbestimmt leben, müssen kommunale Behörden, Betreuer und kantonale Ämter reibungslos, vertrauensvoll und gerade im Falle anforderungsreicher Betreuungssituationen in grösstem gegenseitigen Respekt und in enger Kooperation agieren", sagt Maurizio Reppucci, Geschäftsleiter ABS, laut der Medienmitteilung. "Wir müssen uns darauf verlassen können, dass auch die Gemeindebehörden von Gommiswald willens sind, diese Grundregeln zu respektieren und zu verteidigen." Das sei heute leider nicht der Fall. "Deshalb beenden wir das Vertragsverhältnis mit der Gemeinde Gommiswald."

Asylkommission übernimmt
In einer schriftlichen Stellungnahme hält die Gemeinde Gommiswald auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda fest, sie habe am 30. September aufgrund diverser Vorkommnisse, über die auch in der "Rundschau" berichtet worden sei, "die Zusammenarbeit mit der ABS im Bereich Asylbetreuung per Ende 2015 gekündigt".

In der Zwischenzeit sei in der Gemeinde eine Asylkommission aufgebaut worden. Diese übernehme die Betreuung ab dem 1. Januar 2016. Die Administration werde das Sozialamt erledigen. (pd/red./sda)