4655 Unterschriften und zwei Anträge

ST.GALLEN. Eine Gruppe von Lehrern und Kantischülerinnen protestierte gestern vor dem Regierungsgebäude mit einer Demontage respektive dem Neuaufbau des Bündels im St.Galler Wappen gegen «unbezahlbare» Schulgebühren für das gestalterische Propädeutikum an der Schule für Gestaltung.

Marcel Elsener
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Kräfte bündeln statt «Kleinholz machen» für den Vorkurs: Performance zur Petitionsübergabe gestern auf dem St. Galler Klosterplatz. (Bild: Ralph Ribi)

Kräfte bündeln statt «Kleinholz machen» für den Vorkurs: Performance zur Petitionsübergabe gestern auf dem St. Galler Klosterplatz. (Bild: Ralph Ribi)

St.Gallen. Eine Gruppe von Lehrern und Kantischülerinnen protestierte gestern vor dem Regierungsgebäude mit einer Demontage respektive dem Neuaufbau des Bündels im St.Galler Wappen gegen «unbezahlbare» Schulgebühren für das gestalterische Propädeutikum an der Schule für Gestaltung. «Machen Sie nicht Kleinholz aus dem Vorkurs für Erwachsene», appellierte Kurt Schwendener, Präsident des Dachverbands der Lehrenden Bildnerische Gestaltung, an den Kantonsrat. «Zwei oder drei volle Monatslöhne für ein einzelnes Kind sind unbezahlbar.» Sogar als Kantilehrer könne er diese Ausbildung für seine Tochter nicht finanzieren, «oder wir müssten drei Jahre auf unsere Familienferien verzichten».

Petition eingereicht

«Die Kreativsten sollen eine Chance erhalten, nicht die Reichsten», forderte Schwendener im Namen mehrerer St.Gallischer und schweizerischer Berufsverbände. Deren vor zehn Tagen lancierte Petition wurde sodann mit 4655 Unterschriften in der Staatskanzlei eingereicht.

Nun ist die Politik gefordert: Nächste Woche entscheidet der Kantonsrat, was ihm der Gestalterische Vorkurs für Erwachsene – buchstäblich – wert ist. Zum II. Nachtrag zum Einführungsgesetz über die Berufsbildung, wie das Geschäft heisst, haben sich erst zwei Fraktionen geäussert – beide mit Anträgen auf niedere Schulgebühren statt der von der Regierung beantragten Vollkosten-Übernahme. SP und Grüne fordern wie von Antragsteller Felix Gemperle angekündigt ein Schulgeld von 20 bis 30 Prozent. Der Vorkurs sei «ein Eintrittsbillett für unzählige gestalterische Berufe», so die Fraktion. Der Zugang dürfe deshalb «nicht künstlich erschwert werden».

Neue Mitte mit Kompromiss

Auch die GLP/BDP-Fraktion ist laut Mitteilung «einstimmig der Auffassung, dass für Absolventen, die sich in der Erstausbildung befinden, nicht ein kostendeckendes Schulgeld gefordert werden darf». Vielmehr solle es «nicht enorm höher sein» als für vergleichbare Schnittstellenangebote (Passarelle, BM2) und höchstens 6500 Franken betragen, beantragt die neue bürgerliche Mitte. Mit diesem «vertretbaren» Kostenbeitrag rechne man sich «eine gewisse Chance für eine Mehrheit im Rat» aus, sagt Richard Ammann (BDP). 6500 Franken entspreche dem stipendienrechtlich maximal anrechenbaren Schulgeld gemäss Stipendienkonkordat. «Mehr als diesen Höchstansatz sollte St.Gallen für die Erstausbildung an einer kantonalen Institution nicht belasten», meint Ammann. Damit läge der Kanton im Vergleich zu den unterschiedlichen Schulgeldern der umliegenden Kantone «etwa im Mittelfeld».