Kantonsspital
Schwarzer Block oder Teil des Stadtbilds: Das Haus 04 des Kantonsspitals St.Gallen polarisiert

Das Haus 04 des Kantonsspitals St.Gallen sorgt derzeit für eine Kontroverse. Die Pläne, das 78 Meter hohe Hochhaus zurückzubauen, konkurrieren mit Stimmen, die den Bau für denkmalschutzwürdig halten. Das sagen Passantinnen und Passanten in St.Gallen dazu.

Lilli Schreiber
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Das Haus 04 des St.Galler Kantonsspitals ist derzeit im Gespräch, weil es unter Denkmalschutz gestellt werden könnte.

Das Haus 04 des St.Galler Kantonsspitals ist derzeit im Gespräch, weil es unter Denkmalschutz gestellt werden könnte.

Bild: Ralph Ribi

Das Kantonsspital wird gegenwärtig bis 2028 erneuert und erweitert. Die Infrastrukturfachleute des Spitals befassen sich bereits mit weiteren Sanierungs- und Ausbauplänen, betroffen ist auch das höchste Haus der Stadt, das Haus 04 mit seinen 78 Metern Höhe. Ein möglicher Rückbau könnte am schutzwürdigen Charakter des 47 Jahre alten Hauses scheitern.

Niklaus Ledergerber, Leiter der Denkmalpflege der Stadt St. Gallen, sagte gegenüber dem «St.Galler Tagblatt», ein beauftragter Gutachter sei zum Schluss gekommen, das Spitalhochhaus sei architekturhistorisch bedeutsam und schützenswert.

Fünf Personen, mit ganz unterschiedlichem Bezug zum Kantonsspital, teilen ihre Meinung zur Schutzwürdigkeit des Spitalhochhauses mit:

«Man soll zuerst den Silberturm unter Denkmalschutz stellen»

Sonja van As

Sonja van As

Bild: Lilli Schreiber

Sonja van As hat von ihrer Wohnung in St.Gallen Blick auf das Spitalhochhaus. Die 75-jährige Pensionärin kann die Ergebnisse des Gutachtens nicht nachvollziehen. Für sie ist das Haus 04 nur ein Block. «Zwar kein schöner, aber ein sinnvoller», sagt sie. Und weiter: «Dann soll man zuerst den Silberturm unter Denkmalschutz stellen, das ist wenigstens Architektur.»

«Wenn ich an St.Gallen denke, habe ich auch das Spitalhochhaus im Kopf»

Silvano Maselli

Silvano Maselli

Bild: Lilli Schreiber

Silvano Maselli befürchtet, dass die Modernisierung des Spitals durch die Einstufung als schutzwürdiges Gebäude schleppender vorangeht. Der 20-jährige Berufsmaturitätsschüler aus St.Gallen stuft das höchste Haus der Stadt allerdings auch als prägend für das Stadtbild ein. Er sagt: «Wenn ich an St.Gallen denke, habe ich auch das Spitalhochhaus im Kopf.»

«Wir brauchen ein modernes und funktionstüchtiges Spital»

John Pinzon

John Pinzon

Bild: Lilli Schreiber

John Pinzon spricht sich für den Umbau und Abbau des Spitalhochhauses aus. Der 30-jährige Bartender aus St.Gallen sagt: «Jetzt, wo wir an der HSG auch einen Master in Medizin anbieten, brauchen wir ein modernes und vor allem funktionstüchtiges Spital.» Für schutzwürdig befindet Pinzon lediglich altehrwürdige Gebäude. Beim Spitalhochhaus falle ihm das schwer.

«Der Denkmalschutz könnte die Nutzung einschränken»

Tatiana Legrottaglie

Tatiana Legrottaglie

Bild: Lilli Schreiber

Tatiana Legrottaglie ist Architekturstudentin an der Ostschweizer Fachhochschule in St.Gallen. Sie sagt: «Ich habe Bedenken, dass der Denkmalschutz in Zukunft eine moderne Nutzung des Spitalhochhauses einschränken würde.»Dennoch mahnt die 21-Jährige, dass anhand eines subjektiven Ästhetikempfindens eines Gebäudes nicht über dessen Schutzwürdigkeit geurteilt werden dürfe.

«Nichts anderes als ein schwarzer Block»

Beat Keller

Beat Keller

Bild: Lilli Schreiber

Beat Keller wirkt, angesprochen auf das Kantonsspitals, sichtlich aufgebracht. Der 65-jährige Pensionär sagt: «Ich habe mich schon sehr gewundert, woher der schutzwürdige Charakter des Spitalhochhauses rührt.» Für ihn stelle das Haus 04 alles andere als ein architektonisches Meisterwerk dar. In seinen Augen sei es einfach nur ein schwarzer Block.