Kantonsgericht St.Gallen
Kupferkabel von Baustelle gestohlen: Beschuldigter kommt in der Berufungsverhandlung milder davon

Ein Handwerker hat wiederholt Kupferkabel entwendet und verkauft. Der Deutsche hat sich erfolgreich gegen eine fakultative Landesverweisung gewehrt.

Claudia Schmid
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Ein deutscher Staatsangehöriger entwendete rund 900 Kilogramm Kupferkabel von einer Baustelle.

Ein deutscher Staatsangehöriger entwendete rund 900 Kilogramm Kupferkabel von einer Baustelle.

Symbolbild: Fotolia

Dem 34-jährigen Deutschen wurde vorgeworfen, dass er im Oktober 2018 mit dem Firmenwagen seines Arbeitgebers in die offene Tiefgarage einer Baustelle im Osten der Stadt St.Gallen gefahren ist und sich den Zutritt zum abgeschlossenen Elektromagazin verschafft hat. Er entwendete auf dem Boden liegende, aber auch bereits eingezogene Kupferkabel. Die installierten Kabel hatte er mit Hilfe einer Trennscheibe abgeschnitten.

In Deutschland verkauft

Der Beschuldigte transportierte die 900 Kilogramm schweren Kupferkabel im Wert von etwas über 9000 Franken an seinen Zweitwohnsitz in Deutschland. Dort verkaufte er sie für rund 800 Euro. Durch das Abschneiden der bereits installierten Kabel verursachte er hohen Sachschaden.

Das Kreisgericht St.Gallen hatte den Mann im September 2019 wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs schuldig erklärt und ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von einem halben Jahr verurteilt. Vom Vollzug einer früheren, bedingt ausgefällten Geldstrafe sah das Kreisgericht ab, verlängerte aber die Probezeit von drei auf vier Jahre. Ausserdem wurde der Beschuldigte für die Dauer von fünf Jahren des Landes verwiesen.

Diebstahl, Brandstiftung, Verkehrsdelikt

In der Berufungsverhandlung am Kantonsgericht wehrte sich der deutsche Staatsangehörige gegen das vorinstanzliche Urteil. Er verlangte mit seiner Berufung einen Freispruch vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs und einen Verzicht auf die Landesverweisung.

Der vorsitzende Richter sprach ihn auf seine Vorstrafen an. Bereits in den Jahren 2008 und 2009 hatte er wiederholt Kupferkabel gestohlen und wurde in Deutschland, aber auch vom Kreisgericht Rheintal verurteilt. Für sieben Diebstahldelikte und eine Brandstiftung in einer Tiefgarage erhielt er eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren.

Im Jahr 2017 verwarnte ihn das Migrationsamt, weil er bei seinem Gesuch um Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz seine Vorstrafen nicht erwähnt hatte. 2018 folgte eine Verurteilung, weil er ein Auto fuhr, für das keine Haftpflichtversicherung abgeschlossen war.

In finanzielle Schwierigkeiten geraten

Nach den früheren Strafverfahren habe er sich geschworen, nie wieder vor Gericht zu stehen, betonte der Beschuldigte. Er bereue zutiefst, dass er sich erneut dazu habe hinreissen lassen, Kupferkabel zu stehlen. Als Grund für die erneute Straftat gab er an, er habe über seine Verhältnisse gelebt. In Deutschland habe er mit seiner damaligen Freundin einen Haushalt geführt und auch in der Schweiz eine Wohnung unterhalten. Durch diese finanzielle Doppelbelastung sei ihm irgendwann das Geld ausgegangen.

Der Beschuldigte bat vor allem darum, ihn vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs freizusprechen und auf eine Landesverweisung zu verzichten. Sein Verteidiger hatte in diesem Zusammenhang dem Gericht den Rückzug eines entsprechenden Strafantrags durch die geschädigte Firma unterbreitet. Die Schweiz sei inzwischen zu seinem Lebensmittelpunkt geworden, erklärte der Deutsche. Müsse er das Land verlassen, breche für ihn vieles zusammen. Er verliere nicht nur seine Arbeit, sondern auch seine sozialen Kontakte.

Auf fakultative Landesverweisung verzichtet

Das Kantonsgericht St.Gallen entschied sich, das Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs einzustellen. Es erklärte den Beschuldigten des Diebstahls schuldig und verurteilte ihn wie die Vorinstanz zu einer bedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Von einer fakultativen Landesverweisung sah es ab.