Im Notfall schneller vor Ort

ST.GALLEN. Ab 2015 müssen Ambulanzen im Kanton St.Gallen in neun von zehn Fällen innert 15 Minuten am Unfallort sein. Seit Anfang Jahr sind daher die Rettungsdienste von drei der vier Spitalverbunde zusammengeschlossen.

Christoph Zweili
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Rettungssanitäter am Kantonsspital St.Gallen mit einem Einsatzfahrzeug der Rettung St.Gallen im neuen Kleid. (Bild: Olivia Hug)

Rettungssanitäter am Kantonsspital St.Gallen mit einem Einsatzfahrzeug der Rettung St.Gallen im neuen Kleid. (Bild: Olivia Hug)

Verkehrsunfall, Hirnschlag, Herzinfarkt: «In lebensbedrohlichen Situationen müssen wir ab dem Jahr 2015 in 90 Prozent der Fälle innert einer Viertelstunde vor Ort sein», sagt Günter Bildstein, Leiter der neuen Rettung St.Gallen. «Das fordert der Kanton St.Gallen in einem Leistungsauftrag.» Die Organisation unter seiner Leitung vereint seit Anfang Jahr die Rettungsdienste der Spitalverbunde Kantonsspital St.Gallen, Fürstenland Toggenburg (bereits seit 2013 zusammengeschlossen) und Rheintal Werdenberg Sarganserland unter einem Dach.

Linthgebiet nicht dabei

Mit 125 Rettungssanitätern, 15 Notärzten, 5 Transporthelfern und 30 Auszubildenden gehört der Rettungsdienst nun zu den grössten der Schweiz. Geographisch zuständig ist der neue Rettungsdienst für den ganzen Kanton St.Gallen – fast. Denn: Geht es im Linthgebiet um Leben und Tod, rückt seit 2007 die Regio 144 AG aus Rüti aus. Sie deckt das Linthgebiet und das Zürcher Oberland ab, nicht aber die drei Gastergemeinden Amden, Weesen und Schänis – diese werden seit Mitte 2012 vom Rettungsdienst des Kantonsspitals Glarus bedient.

Die St.Galler Gesundheitschefin antwortet auf Anfrage schriftlich, dass eine gesamtkantonale Rettungslösung zwar geprüft worden sei, «es hat sich aber schnell gezeigt, dass sich für das Linthgebiet gegenüber der Zusammenarbeit mit der Regio 144 AG verschiedene Nachteile ergeben würden». Durch die Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst Glarus könnten die drei Gastergemeinden nun schneller erreicht werden: «Die Einsätze der Notärzte für die drei Gemeinden erfolgen ab dem Spital Linth in Uznach.» Eine Pionierleistung sind die neuen Notfallzeiten nicht: Die Formel «90/15» – 90 Prozent Abdeckung, in 15 Minuten vor Ort – gibt der Interverband für Rettungswesen bereits seit 2010 vor.

Bisher galt 80-Prozent-Regel

«Im Kanton St.Gallen galt die 15-Minuten-Erreichbarkeit bisher in 80 Prozent der Fälle», sagt Bildstein. «Die höhere Abdeckung von 90 Prozent ist in städtischen Ballungsgebieten gut zu erreichen, in wenig bewohnten Landgebieten ist das weit schwieriger.» In den verbleibenden zehn Monaten werde daher auf jeden Fall noch «nachjustiert» werden müssen.

An der Notruf-Praxis ändert sich wenig: Ein unter der Nummer 144 eingehender Notruf wird in der Notrufzentrale in St.Gallen medizinisch gewichtet, bevor das richtige Einsatzfahrzeug ausgelöst wird. Die Qualitätssteigerung liege im Rettungsmittel – «es rückt jener Rettungswagen aus, der am nächsten beim Patienten ist», sagt Bildstein. «Das ist mit der Verbundslösung nun möglich.»

An neun Standorten

Die neue Vorgabe des Kantons erreicht der neue Verbunds-Rettungsdienst ohne neue Fahrzeuge und ohne neue Mitarbeiter. «Wir plazieren die Fahrzeuge in den Regionen Nord (St.Gallen, Flawil, Rorschach), Mitte (Wil, Lichtensteig, Alt St. Johann) und Süd (Altstätten, Grabs, Sargans) strategisch besser an Hauptstrassen und Autobahnen. In Wil etwa verlegen wir sie vom Spital an die A1», sagt Bildstein.

In der Theorie sind die neuen Rettungsfristen bereits umgesetzt, getestet mit einer zusammen mit der Fachhochschule St.Gallen entwickelten Simulations-Software. «Das ist eine Art Routenplaner zur Simulation der Einsätze», sagt Bildstein. «Wir haben sämtliche Einsatzdaten vom vergangenen Jahr eingespeist, dann die Rettungspunkte verändert und so den jeweils naheliegendsten Stützpunkt für die Fahrt zum Patienten berechnet.»

Günter Bildstein Leiter Rettung St. Gallen (Bild: pd)

Günter Bildstein Leiter Rettung St. Gallen (Bild: pd)