Aus Industriebrache wird neuer Stadtkern von Rorschach: Nun prüft der Kanton die Feldmühle-Pläne

Der Sondernutzungsplan für das Areal soll bald aufliegen, schon 2025 könnte die Überbauung fertig sein. Für die Bauherren gibt es aber noch einige Hürden zu nehmen.

Jolanda Riedener
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Miet- und Eigentumswohnungen sowie Gewerbeflächen sind auf dem Areal geplant.

Miet- und Eigentumswohnungen sowie Gewerbeflächen sind auf dem Areal geplant.

Bild: Hanspeter Schiess (September 2017)

Nicht weniger als ein neuer Stadtkern soll auf dem Areal der Feldmühle in Rorschach entstehen. Anfang dieses Jahres hat die Eigentümerin, die Steiner Investment Foundation, erstmals das Siegerprojekt vorgestellt. Es ist aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangen. Die Variante von Baumberger&Stegmeier hatte sich bei der Fachjury unter Beteiligung der Stadt Rorschach einstimmig durchgesetzt. Entstehen sollen auf dem Areal der ehemaligen Stickereifabrik je rund 40 Prozent Miet- und Eigentumswohnungen sowie 20 Prozent Gewerbeflächen.

Inzwischen steht der Sondernutzungsplan für die 27500 Quadratmeter grosse Liegenschaft. Dieser soll die vorgängig definierten Absichten konkretisieren und für die Eigentümerin verbindlich festlegen, heisst es in einer Mitteilung der Steiner AG. Die für den Sondernutzungsplan notwendigen Planunterlagen wurden zur Vorprüfung bei den kantonalen Stellen eingegeben. Insbesondere die Umnutzung des Areals vom Wohn- zum Arbeitsort, die Entwicklung eines neuen, lebendigen Stadtteils beim Rorschacher Stadtbahnhof sowie die Festlegung des Gewässerraums im Bereich des kleinen Feldmühlebachs sind Zweck des Sondernutzungsplans.

Früh das Gespräch mit den Nachbarn suchen

Ausserdem sichert der Sondernutzungsplan «die städtebaulichen, architektonischen und freiräumlichen Qualitäten des Feldmühle-Areals», heisst es in der Mitteilung weiter. Ebenfalls festgehalten sind die Erschliessung durch den Langsam- und Individualverkehr, die Umsetzung der Unterführung beim Stadtbahnhof sowie der Umgang mit schützenswerten Objekten.

Nach der Vorprüfung beim Kanton wollen die Verantwortlichen den Sondernutzungsplan im Sommer 2020 im Rahmen eines Stadtapéros präsentieren. Dabei geht es laut Stadtpräsident Thomas Müller auch darum, allfällige Einwände von Nachbarn aufzunehmen, noch vor der öffentlichen Auflage der Pläne. Schliesslich bestehe auf diesem Weg immer die Chance, dass weniger Einsprachen eingingen. Aufgelegt werden soll dann voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2020. «Mit der kantonalen Vorprüfung, der öffentlichen Auflage und mehreren Informationsveranstaltungen sollen möglichst viele Anliegen der Bevölkerung abgeholt und einer Interessensabwägung unterzogen werden», teilt die Steiner AG ausserdem mit. Frühestens realisiert wird das Projekt 2025.

Fabrikhalle wird zu Wohnraum umgebaut

Für die Eigentümerin sei «die Arealentwicklung Feldmühle eines der bedeutendsten und innovativsten Leuchtturmprojekte im Portfolio», wird Ralf Labrenz, CEO der Steiner Investment Foundation, zitiert.

Mit der Überbauung der Feldmühle entstehen acht verschiedene Haustypen. Die Architekten arbeiten auch mit bestehenden Gebäuden: Die Fabrikhalle an der Feldmühlestrasse etwa bleibt erhalten, dort entstehen auch zweigeschossige Wohnungen mit Dachaufbauten. Dadurch soll der Charakter der früheren Industrieanlage erhalten bleiben. Insbesondere Grünflächen und Innenhöfe werden eine bedeutende Rolle spielen, zwei Querstrassen sowie Treppen machen die Überbauung für Fussgänger auch hin zum Stadtbahnhof durchlässig.

Die ehemalige Stickereifabrik ist stark mit der Geschichte der Hafenstadt verflochten und hat das Leben in Rorschach geprägt. Zuletzt produzierte die Scapa bis zur Schliessung des Standorts 2016. Erste Untersuchungen zu den Altlasten, die sich auf dem Fabrikareal befinden, habe es bereits gegeben. Welche Kosten oder Verzögerungen dadurch entstehen, ist noch nicht bekannt.

Feldmühle: Ein Areal mit bewegter Geschichte

Einst war die Feldmühle AG in Rorschach die weltweit grösste Stickereifabrik. Heute soll das Areal überbaut werden und einen neuen Stadtkern bilden. Eine Übersicht der wichtigsten Ereignisse und Eckdaten.
Jolanda Riedener