Kampfgebiet Fussgängerzone
Freie Fahrt für Velos: St.Galler Stadtrat verzichtet auf das geforderte Fahrverbot in der Spiser- und Multergasse

Gute Nachrichten für Velofahrerinnen und Velofahrer: Der St.Galler Stadtrat erteilt einem Petitionär eine Absage, der Velofahrer aus den Flaniermeilen der Altstadt verbannen wollte.

Melissa Müller
Merken
Drucken
Teilen
In der Multergasse haben Velofahrerinnen rund um die Uhr und in beide Richtungen freie Fahrt. Das ist manchen Leuten ein Dorn im Auge.

In der Multergasse haben Velofahrerinnen rund um die Uhr und in beide Richtungen freie Fahrt. Das ist manchen Leuten ein Dorn im Auge.

Bild: Benjamin Manser

Ein St.Galler Psychotherapeut findet, dass manche E-Bike-Fahrer so zackig und rücksichtslos durch die Altstadt brausen, dass sie für Kinder eine Gefahr darstellen. Der Mann hat eine Petition lanciert, um Velofahrer und E-Trottinettes tagsüber aus der Multergasse und der Spisergasse zu verbannen. Von 9 und 18 Uhr sollen die beiden Hauptgassen der St.Galler Altstadt wieder für sie tabu sein. Der Petitionär hat 200 Unterschriften gesammelt.

Der St.Galler Stadtrat ist aber anderer Meinung: Er verzichtet vorläufig auf ein Fahrverbot für Velos, wie er in seiner Antwort auf die Petition mitteilt. Er setzt stattdessen auf eine kürzlich gestartete Kampagne, die Velofahrerinnen und Velofahrer zur Rücksicht gegenüber Fussgängern animiert. Erst einmal wolle man schauen, ob und wie die Kampagne mit dem Titel «Rücksicht» wirke. Man erhoffe sich davon eine positive Wirkung auf das Verhalten von Velofahrerinnen und Velofahrern.

Velofahrer mit Flyern und Gesprächen sensibilisieren

Die Aktion beinhaltet Bodenmarkierungen sowie eine präventive Präsenz der Stadtpolizei. Die Polizei will Velofahrerinnen und Velofahrer mit kurzen Gesprächen und Flyern für mehr Rücksicht auf Fussgängerinnen und Fussgänger sensibilisieren. Zusätzlich kommuniziert sie auf ihren Social-Media-Kanälen regelmässig Tipps und Regeln im Umgang mit Fussgängern.

Die Stadt hat im April eine Kampagne zur Rück­sicht­nah­me zwischen Velofahrern und Fussgängern in Begegnungszonen lanciert.

Die Stadt hat im April eine Kampagne zur Rück­sicht­nah­me zwischen Velofahrern und Fussgängern in Begegnungszonen lanciert.

Bild: Tobias Garcia

In einigen St.Galler Gassen gab es bis 2017 tatsächlich ein Fahrverbot für Velos. Wer auf seinem Velo beispielsweise in der Spisergasse erwischt wurde, wurde von der Polizei gebüsst. Das Verbot wurde aufgehoben, als vor vier Jahren die Begegnungszone in der Mittleren Altstadt eingeführt wurde. Und so wird es vorläufig auch bleiben.

In Begegnungszonen, zu denen auch die Multer- und Spisergasse zählen, sind Velos und E-Trottinettes erlaubt. In den Flaniermeilen gilt allerdings generell Tempo 20 und überall Vortritt für Fussgängerinnen und Fussgänger. «Deshalb ist speziell in Begegnungszonen Rücksicht und Respekt gefordert», schreibt der Stadtrat in seiner Petitionsantwort.