KAMPAGNE
«Ich wohne auf einem Quadratmeter – und du?» Pinguine erklären im St.Galler Stadtzentrum den Klimawandel

Mit der Aktion «Klima Verrückt Stadt» sollen Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner auf die Auswirkungen des Klimawandels aufmerksam gemacht werden. In den kommenden drei Wochen gastiert die Wanderausstellung mit hölzernen Pinguinen in St.Gallen. Begleitet wird sie von einem reichhaltigen Rahmenprogramm.

Luca Ghiselli
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«Ich wohne auf einem Quadratmeter – und du?»: Mit diesen Fragen aus Pinguin-Perspektive sollen Passantinnen und Passanten auf den Klimawandel aufmerksam gemacht werden.

«Ich wohne auf einem Quadratmeter – und du?»: Mit diesen Fragen aus Pinguin-Perspektive sollen Passantinnen und Passanten auf den Klimawandel aufmerksam gemacht werden.

Bild: PD

Kurz vor Mittag sind die Schattenplätze im Leonhardspärkli rar. Fast alle Sitzbänke unter Bäumen sind besetzt. Berufsschülerinnen, Büroangestellte, Bauarbeiter: Sie alle haben es sich zum Zmittag unter den Bäumen bequem gemacht. Die Szene zeigt, wie wichtig Bäume und Schatten für das Stadtklima sind. Denn: In den Städten sind die Folgen des Klimawandels heute schon spürbar. Es gibt viele versiegelte Flächen, wenig Wasser, wenig Grün. Dunkle Hausfassaden heizen in dicht besiedeltem Raum die ganze Umgebung auf. Kurz: Die Städte sind beim Kampf gegen den Klimawandel besonders gefordert.

Das gab auch den Anlass für die Kampagne «Klima Verrückt Stadt», an der die Stadt St.Gallen gemeinsam mit sieben weiteren Städten rund um den Bodensee beteiligt ist. In einer Art Wanderausstellung zirkuliert das Herzstück der Kampagne, vier Holzbänke mit Infotafeln und zwei Pinguinen darauf, um das «schwäbische Meer»: In Bregenz, Feldkirch, Konstanz, Lindau, Radolfzell und Winterthur waren die Pinguin-Inseln bereits ausgestellt, nun kommen sie für drei Wochen nach Singen – und eben bis 10. Juli nach St.Gallen.

«Das Problem lässt sich nicht wegstimmen»

An der Medienorientierung zum Start der Kampagne in St.Gallen gab aber nicht nur die Aktion im engeren Sinn zu reden. Auch das Volksnein zum CO2-Gesetz bot Gesprächsstoff. Stadtrat Peter Jans sagte, er hätte heute gerne seine Freude über ein Ja kundgetan. «Da es anders gekommen ist, schöpfe ich Hoffnung aus den 62,6 Prozent Ja-Anteil in der Stadt.»

Noch im September 2020 hatten fast 80 Prozent der städtischen Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Verankerung des Netto-Null-Ziels in der St.Galler Gemeindeordnung zugestimmt. «Daran erkennt man, dass die Zustimmung tendenziell sinkt, je konkreter die Massnahmen und höher die Kosten sind.» Gratis könne man den Klimawandel aber weder stoppen noch dessen Folgen abfedern, gab Jans zu bedenken. Und: «Das Problem lässt sich nicht wegstimmen.»

Karin Hungerbühler, Leiterin der Dienststelle Umwelt und Energie, und Stadtrat Peter Jans im Leonhardspärkli an einer der vier Pinguin-Stationen.

Karin Hungerbühler, Leiterin der Dienststelle Umwelt und Energie, und Stadtrat Peter Jans im Leonhardspärkli an einer der vier Pinguin-Stationen.

Bild: Luca Ghiselli (21. Juni 2021)

Karin Hungerbühler, Leiterin der städtischen Dienststelle Umwelt und Energie, erklärte das Ziel der Kampagne: «Sie soll zeigen, dass auch einfache Massnahmen ausreichen, um etwas für das Stadtklima zu tun.» Zwar sei die Stadt ebenfalls in der Pflicht, etwa bei der Begrünung des öffentlichen Raums. Aber gerade bei Dachbegrünungen oder der Mobilität könnten alle Stadtbewohnerinnen und -bewohner etwas zu einem guten Stadtklima beitragen, sagte Hungerbühler.

Vorträge, Führungen, Kochkurse

In den kommenden drei Wochen geht es aber weniger um konkrete Massnahmen als um Aufklärungsarbeit und Denkanstösse. Dazu sind nicht nur die vier Pinguin-Inseln in der Innenstadt da. Im Rahmen der Kampagne findet eine ganze Reihe von Begleitveranstaltungen statt. Zur Eröffnung hält Naturmuseumsdirektor Toni Bürgin am Dienstag, 22. Juni, 19 Uhr, einen Onlinevortrag über das Leben von Pinguinen.

Am Freitag, 25. Juni, 21 Uhr, findet eine Nachtführung durch den Botanischen Garten statt. Der Naturschutzverein St.Gallen lädt am Samstag, 26. Juni, 10 bis 16 Uhr, zum Tag der offenen Tür im Naturgarten. Und Martina Rocco veranstaltet kommenden Montag, 28. Juni, um 18 Uhr einen Wildkräuter-Kochkurs. Ausserdem stehen Führungen und Vorträge zu Dachbegrünungen, den Wäldern im Klimawandel und zu Stadtbäumen auf dem Programm.

Weitere Infos, das komplette Programm und Anmeldung auf www.stadtsg.ch/klimaverrueckt.