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Kahlschlag bei der Tonhalle in St.Gallen: Sechs über hundertjährige Bäume werden gefällt

In diesem Winter muss Stadtgrün einige mächtige Exemplare zu Fall bringen: Auf der Ostseite der Tonhalle ist eine ganze Baumreihe mit sechs Silberlinden fällig, auf Drei Weieren die Linde am Mannenweier.
Fredi Kurth
Die Linden sind so alt wie die Tonhalle. Nun müssen sie weg. (Bild: Urs Bucher/ 10. November 2018)

Die Linden sind so alt wie die Tonhalle. Nun müssen sie weg. (Bild: Urs Bucher/ 10. November 2018)

Der Klimawandel war in diesem Jahr auch beim städtischen Gartenbauamt, das sich seit einiger Zeit Stadtgrün nennt, ein Thema. «Durch die grosse anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen sind viele Bäume im Stadtraum stark geschwächt und machen den Baumbestand anfällig auf Schadorganismen», sagt Dienststellenleiter Christoph Bücheler. Wie bei den Menschen leiden kranke Baumveteranen dann eher als gesunde.

Pilzbefall macht zum Beispiel dem halben Dutzend Linden vor der Tonhalle seit Jahren schwer zu schaffen. «Ganze Kronenpartien starben ab», sagt Colin Hoare, der Baumpflegespezialist bei Stadtgrün.

«Immer wieder mussten aus Sicherheitsgründen starke Totäste entfernt werden.»

In Zukunft ist das Risiko zu hoch. Die ganze Reihe wird demnächst gefällt. Das hinterlässt bei Baumumfängen von bis zu 270 Zentimetern eine grosse Lücke, auch wenn sechs klimafestere Silberlinden der Sorte Brabant die nun fälligen Exemplare ablösen. Diese waren bereits beim Bau der Tonhalle im Jahre 1909 eingepflanzt worden.

Eschen setzen sich zur Wehr

Nicht mehr zu retten ist auch die gigantische Linde auf dem Damm beim Mannenweier in St. Georgen. Während Jahrzehnten hatte das Gewächs mit vier Metern Umfang, dank ausreichender Wasserversorgung und intensiver Baumpflege, am Leben erhalten werden können.

Doch nicht allein das veränderte Klima setzt den Bäumen zu. Mindestens so stark wirken sich enge Platzverhältnisse aus. Hinzu kommen Salz, verdichtete Böden, die Rückstrahlung von Gebäuden, Schadstoffe und unsorgfältige Bauarbeiten. Anfällig werden die Bäume auf einheimische und eingewanderte oder eingeschleppte Schädlinge sowie durch verschiedene Pilz- und bakterielle Erkrankungen.

«Vergleichsweise wenige Bäume fallen dem weitaus bekannteren Eschentriebsterben zum Opfer», sagt Colin Hoare.

Einige städtische Eschen hätten es sogar geschafft, die Krankheit einzudämmen.

Die sechs Linden auf der Westseite der Tonhalle in St. Gallen werden gefällt. (Bild: Urs Bucher/ 10. November 2018)

Die sechs Linden auf der Westseite der Tonhalle in St. Gallen werden gefällt. (Bild: Urs Bucher/ 10. November 2018)

40 Baumfällungen sind nicht aussergewöhnlich

Dennoch sind ein paar Bäume dieser Art ebenfalls auf der Fällliste der Stadt zu finden. So zum Beispiel eine Esche beim Schwimmbad Rotmonten und vier auf Drei Weieren. Einen schweren Verlust bildet auch die Hängebuche auf dem Ostfriedhof, die sich über den Weg erstreckte und bei heftigen Niederschlägen im Sommer krachend in die Brüche ging. Dort sind weiter zwei Rotbuchen mit Pilzbefall nicht mehr lebensfähig. An der Hochwachtstrasse fallen drei ebenfalls von Pilzen befallene Spitzahorne der Fällung zum Opfer. Aus Sicherheitsgründen trifft es am Kirchhofergut und am St. Leonhardpark nochmals zwei Spitzahorne beziehungsweise eine Ungarische Eiche. Aus demselben Grund sind es die Buche bei der Buchwald-Spielanlage und ein Spitzahorn im Lerchenfeld. Insgesamt verschwinden 40 Bäume – eine Zahl, die im Rahmen früherer Jahre liegt, bei allerdings grossen Schwankungen. Die höchste seit 1999 ergab sich 2005 mit 238 Fällungen, als das Ulmensterben grassierte.

Erst bei Gefahr werden die Bäume gefällt

Die Verantwortlichen von Stadtgrün machen es sich nicht einfach. Angeschlagene Bäume werden so lange stehen gelassen, als sie die Sicherheit nicht gefährden. Das bekannteste Exemplar befindet sich seit über hundert Jahren im Stadtpark, eine Buche mit riesigem Wulst an ihrem Fuss.

«Aber sie steht auf der Kippe», sagt Christoph Bücheler.

Colin Hoare ist verantwortlich für die Kontrolle der städtischen Bäume. Bei Bedarf werden durch ihn Pflegearbeiten wie Kronenentlastungen, Schnittarbeiten oder Verankerungen angeordnet. Im Zweifelsfall holt Stadtgrün noch eine «Drittmeinung» ein wie beim Fällentscheid für die Silberlinden vor der Tonhalle, als aus Zürich die Expertin Antje Lichtenauer beigezogen wurde.

Neue Arten kommen

Klima  St. Gallen gehört zu den Städten mit einem dichten Baumbestand. «Man hat bei genauer Betrachtung das Gefühl, sie sei in einen Wald hineingebaut worden», sagt Baumpflegespezialist Colin Hoare. Dieser Anblick könnte sich allerdings verändern, da viele klassische Baumarten dem Klimawandel buchstäblich nicht mehr gewachsen sind und vielerorts unsorgfältig mit den Bäumen umgegangen wird. Wobei weniger die Namen neu sind als die Herkunft.

Einzug halten unter anderem aus Mittel-Südeuropa der Französische Ahorn, der Schneeballblättrige Ahorn, aus Nordamerika der Lederhülsenbaum, der Amberbaum, aus Japan der Japanische Schnurbaum, aus Südeuropa die Flaumeiche, die Zerreiche, die Mannaesche und die Hopfenbuche, wobei diese im Südtessin zu den einheimischen Gewächsen zählen. An geeigneten Standorten werden sich allerdings immer noch die traditionell hier heimischen Arten behaupten. So ersetzen auf der Drei-Weieren-Allee acht Sommerlinden die drei kranken Eschen. Leer bleibt hingegen die Stelle auf dem Damm des Mannenweiers. Der Bund erlaubt aus Sicherheitsgründen keine Baumpflanzung mehr, sehr zum Bedauern der Stadt. (th)

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