Kafitreff in Abtwil kommt bei den Eltern an

Die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Gaiserwald will in Abtwil ein Familienzentrum aufbauen.

Michel Burtscher
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Dieses Jahr findet der Kafitreff in Abtwil jeden Dienstag statt.

Dieses Jahr findet der Kafitreff in Abtwil jeden Dienstag statt.

Bild: Getty

Martin Heimbucher wusste zwar, dass es in Gaiserwald ein Bedürfnis nach einem niederschwelligen Angebot für Mütter und Väter gab, um sich über verschiedene Erziehungsthemen auszutauschen. Doch wie gross dieses Bedürfnis war, das überraschte den Pfarrer selber, als die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde im vergangenen Oktober mit dem Kafitreff startete. Heimbucher:

«Wir sind überrannt worden!»

Schon zum ersten Anlass seien zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer gekommen, danach waren es jeweils bis zu 27, meistens Mütter. Weil das Interesse so gross ist, wird das Angebot nun bereits ausgebaut: Bisher fand der Kafitreff zwei Mal im Monat statt. Neu wird er jeden Dienstagmorgen durchgeführt, immer im evangelisch-reformierten Kirchgemeindehaus in Abtwil, mit Ausnahme der Schulferien.

Jeweils am ersten Dienstag des Monats ist Erziehungsberaterin Tanja Espinoza anwesend, um Fragen der Eltern zu beantworten. Am zweiten und dritten Dienstag steht Basteln beziehungsweise Singen auf dem Programm. Zum Team gehören zudem Sandra Brühlmann als Gastgeberin und Sabrina Schmid, verantwortlich für die Familienarbeit der evangelischen Kirchgemeinde.

Die Gemeinde unterstützt das Angebot finanziell

Doch damit nicht genug. Der Kafitreff soll nur ein erster Schritt sein beim Aufbau eines Familienzentrums in Abtwil, wie Heimbucher sagt.

«Wir wollen wachsen – und zwar in die Richtung, welche die Eltern wollen.»

Der Pfarrer nennt ein Beispiel: Wenn man sehe, dass in der Gemeinde der Bedarf an Babysittern gross sei, könne er sich vorstellen, dass man als Familienzentrum einen Babysitterkurs anbiete. Doch erst einmal findet zusätzlich zum Kafitreff an einem Abend im Februar ein Referat mit dem Titel «Kinder in der Trotzphase – wie angemessen reagieren?» statt. Das sei ein Thema, das die Eltern bewege, sagt Heimbucher.

In seiner jetzigen Form kostet das Angebot etwa 6000 Franken pro Jahr, schätzt er. Doch diese muss die Kirchgemeinde nicht selber tragen. Die Gemeinde hat ihr zugesichert, die Kosten für die Erziehungsberaterin bis im Sommer zu übernehmen. Sie unterstütze das Projekt, weil es zur Vernetzung von Familien in Gaiserwald beitrage, so Heimbucher. «Die Gemeindevertreter waren sehr unkompliziert, dafür sind wir dankbar», sagt er. Zudem will der Pfarrer noch diese Woche beim Kanton ein Gesuch um finanzielle Hilfe einreichen. Denn dieser unterstützt den Aufbau von Familienzentren. Dieses Geld wolle man verwenden, um noch mehr Erziehungsberatung und Vorträge anzubieten.

Pfarrer Martin Heimbucher

Pfarrer Martin Heimbucher

Bild: PD

Für die Eltern selbst ist das alles kostenlos, unabhängig von Religion und Konfession. Auch anmelden müssen sie sich nicht. Das sei wichtig, sagt Heimbucher, denn man wolle den Müttern und Vätern keine Hürden in den Weg legen. Die bisherige Entwicklung zeigt, dass die Kirchgemeinde bei den Eltern in Gaiserwald einen Nerv getroffen hat.

«Eigentlich ist es verrückt, dass in der digitalisierten Welt ein klassisches Angebot wie der Kafitreff so gut läuft.»

Lokale Familienzentren

Diese Hilfe bietet der Kanton an

(mbu) Der Kanton St.Gallen begleitet und unterstützt Initiativen zum Aufbau und zur Weiterentwicklung lokaler Familienzentren. In seiner Strategie «Frühe Förderung», die 2015 verabschiedet wurde, betont er die «herausragende Bedeutung der Familie für eine gesunde Entwicklung des kleinen Kindes». Familien brauchen familien- und kindergerechte Bedingungen, um ihre Aufgaben gut zu meistern, wie es in einer Übersicht des Kantons zum Thema heisst.
Dabei erfüllten Familienzentren eine wichtige Funktion – und seien darum ein zentrales Anliegen der Strategie. Sie sollen Eltern in Erziehungs-, Gesundheits- und Betreuungsfragen unterstützen und sie über alle lokalen und regionalen Angebote für Kinder und Familien informieren. Zudem sollen sie Raum bieten für ungezwungenen Austausch und die Integration neu zugezogener Familien erleichtern.
Seit 2016 und noch bis Ende Jahr bietet der Kanton St. Gallen einerseits einen finanziellen Zustupf von bis zu 15000 Franken pro Jahr und Projekt, andererseits fachliche Unterstützung und Beratung für die Verantwortlichen in den Gemeinden. Zuständig dafür ist das Amt für Soziales. Neben Gaiserwald gibt es in der Region noch andere Gemeinden, in denen ein Familienzentrum in Planung oder im Aufbau ist, nämlich Gossau, Wittenbach und Mörschwil . St.Gallen und Rorschach haben bereits eines.