Goldach will mit Frauencafé Integration und Deutschkenntnisse verbessern

In Goldach betreibt die Gemeinde seit kurzem ein Frauencafé. Ziel ist es, dass Migrantinnen Routine in der deutschen Sprache erhalten. Auch Integration und sozialer Austausch sollen vorangetrieben werden.

Jolanda Riedener
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Kaffee, Kuchen, Konversation: Alle versuchen sich am Gespräch in der Gruppe zu beteiligen. (Bild: Jolanda Riedener)

Kaffee, Kuchen, Konversation: Alle versuchen sich am Gespräch in der Gruppe zu beteiligen. (Bild: Jolanda Riedener)

Kuchen und Obst stehen auf dem Tisch, die Frauen reichen Kaffee und Wasser, für die Kinder gibt es Sirup. An diesem Morgen treffen sich zehn Frauen im Pavillon beim Schulhaus Wartegg in Goldach. Jeden Mittwoch zwischen 9 und 11 Uhr kommen Frauen mit unterschiedlicher Herkunft und Religion am interkulturellen Frauencafé zusammen. Ziel ist es, ihr Deutsch im lockeren Gespräch zu verbessern. Lanciert wurde das Angebot von der Gemeinde, Anfang Juni fand das erste Treffen statt.

Die Frauen unterschiedlichen Alters stammen aus Syrien, Mazedonien, Serbien oder der Türkei. Das noch junge Café leitet seit kurzem Hülya Kilic. Sie hat die Aufgabe von ihrer Vorgängerin Marianne Gnädinger übernommen. Kilic ist in der Region aufgewachsen, verfügt aber selber über einen Migrationshintergrund. «Wir sind hier unter uns und können ohne Hemmungen reden», sagt sie. «Wenn wir unter Frauen sind, können wir offener und lockerer sprechen», sind sich die Anwesenden einig. Hülya Kilics Herkunft helfe ihr im Umgang mit den Besucherinnen, sie kenne sowohl die Schweizerperspektive als auch jene der Ausländer. «Ich bin gerne mit Leuten zusammen», sagt sie.

Kinderbetreuung ist gewährleistet

Weiter beteiligen sich vier Helferinnen am Interkulturellen Frauencafé: Viele von ihnen engagieren sich als sogenannte Gottis, in dem sie neuzugezogenen Goldachern in ihrer Muttersprache helfen, sich in der Gemeinde zurechtzufinden.

Hülya Kilic hat selber auch Kinder und einen Buben, den sie gelegentlich ins Café mitnimmt. «Die Kinder verstehen sich sowieso ohne weiteres.» Falls bald mehr Sprösslinge ihre Mütter zum Treff begleiten, gebe es auch eine Betreuung, damit sich die Frauen ungestört miteinander unterhalten können. Oft geht es in den Gesprächen auch um Tipps und Ratschläge für Mütter oder um Angebote und Möglichkeiten in der Gemeinde. Künftig wollen die Veranstalterinnen auch Gäste zu verschiedenen Themen einladen. Weiter sei ein Besuch in der Dorfbibliothek vorgesehen.

Die meisten Frauen besuchen nebenbei einen Deutschkurs. «Wichtig ist aber die Routine beim Sprechen», sagt Hülya Kilic. Dafür will das Café einen Rahmen bieten. Auch, damit Mütter, die nicht berufstätig sind, Leute in der Gemeinde kennen lernen und nicht alleine bleiben. «Noch fehlen etwas die Schweizerinnen, die den Austausch in deutscher Sprache unterstützen», sagt Kilic.

«Der Schweizer Dialekt macht mir schon zu schaffen», sagt eine ältere Frau. Sie lebt schon rund dreissig Jahre in der Schweiz, davon seit über zehn Jahren in Goldach. Damals habe es solche Angebote nicht gegeben. Das Interkulturelle Frauencafé schätze sie deshalb sehr.

Ausbau des Angebots ist denkbar

«Das Interkulturelle Frauencafé ist ein Versuch», sagt Projektleiter und Gemeinderat Reto Kuratli (SP). Bis Ende 2020 bewilligte der Gemeinderat den Betrieb mit 28100 Franken, verteilt auf zweieinhalb Jahre. Das Ziel sei ganz klar, dass Migranten Deutsch lernen. Angesprochen sind Frauen und Kinder, da diese weniger oft berufstätig sind und somit weniger soziale Kontakte haben. «Wir warten ab, ob das Bedürfnis da ist», sagt Kuratli. Allenfalls könne man sich auch vorstellen, den Treffpunkt auszubauen. Ein Familienzentrum wäre gemäss Kuratli denkbar. Auch sei wichtig, dass dieses Angebot konfessionslos sei. Es sollen sich Angehörige aller Religionen wohlfühlen.

Die evangelisch-reformierte Kirche bietet in Goldach und Rorschach schon seit einiger Zeit das Café International an. «Es sind alle willkommen, auch Männer», sagt Pfarrer Pius Helfenstein. Vor allem würden Migranten den Treff besuchen, die kaum Deutsch sprechen. Deshalb sei man auf ein deutschsprachiges Team angewiesen, das sich für sie Zeit nehme. In der Regel würden die Gespräche in Zweiergruppen geführt. Um weitere freiwillige Helferinnen und Helfer wäre man froh. Für die Kirche ist klar, dass das Café International einem Bedürfnis entspreche.

In Rorschach gibt es im Quartiertreff ebenfalls ein Sprachencafé für Frauen mit und ohne Migrationshintergrund.