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Kabinen-Kunst soll die Stadt St.Gallen beleben

Aus der alten Telefonkabine an der St.Leonhardbrücke ist eine «Wechselkabine» geworden. Darin lösen sich Kunstinstallationen ab, die den Alltag verändern werden.
Marlen Hämmerli
Denise Hofer (vorne links), Rahel Flückiger (hinten links) und Brigitte Müller betrachten die aktuelle Installation. (Bild: Hanspeter Schiess)

Denise Hofer (vorne links), Rahel Flückiger (hinten links) und Brigitte Müller betrachten die aktuelle Installation. (Bild: Hanspeter Schiess)

Manch ein Autofahrer schaut verwundert, eine Fussgängerin dreht sich um und starrt. Da veranstalten drei Frauen doch tatsächlich einen Apéro an der St.Leonhardbrücke. «Warum nicht?», dachten die Künstlerinnen Denise Hofer, Brigitte Müller und Rahel Flückiger. Nun stehen sie um eine Bank, darauf angerichtet unter anderem Cracker mit Käse und Kresse. Kresse aus der alten Telefonkabine, die Rahel Flückiger Ende 2018 von der Swisscom übernommen hat. Die Telekombetreiberin baut derzeit Telefonzellen zurück. Interessierte können Kabinen übernehmen.

Märlistation auf Blumenmarkt

Die Telefonkabine an der St.-Leonhard-Brücke ist eine von mehreren, die die Swisscom zurückgebaut hat. Seit Anfang 2018 gehören sogenannte Publifone nicht mehr zur Grundversorgung. Interessenten konnten die Kabine übernehmen und den Boden, auf dem sie steht von der Gemeinde oder dem Standortgeber pachten. In der Stadt sind so drei Minibibliotheken entstanden: in Winkeln, im Linsebühlquartier und im Krontal.


Aus der Telefonkabine auf dem Blumenmarkt soll zudem eine Märlistation werden. Es ist eines der Projekte zur Belebung der Innenstadt. In der Kabine sollen Kinder künftig Märchen und Kurzgeschichten hören können. Die Stadt unterstützt das Vorhaben, für das nun Sponsoren gesucht werden.
Die Märlistation koste 20'000 Franken, heisst es auf der Website von Wirtschaft Region St.Gallen. Gesucht seien Haupt- und Co-Sponsoren, die sich mit 2000 oder 5000 Franken beteiligen. Interessierte wenden sich an Katy Rohner, rohner@theswisslabel.ch.

Aus jener an der Kreuzung St.-Leonhard- und Geltenwilenstrasse ist eine «Wechselkabine» geworden. So genannt, weil die Kabine erst zu den Künstlerinnen wechselte, sich darin nun Installationen abwechseln und diese «Kabinenwechsel» nun für Abwechslung im Alltag sorgen. Derzeit hängt in der Telefonzelle ein «Frühlingskleid», designt von Brigitte Müller. Schmetterlinge lösen sich quasi vom Stoff und flattern durch die Kabine, darunter steht ein Hochbeet, in dem eben auch Kresse wächst.

Hier steht die Wechselkabine

Alle paar Wochen findet ein «Kabinenwechsel» statt

Etwa alle sechs Wochen soll ein Wechsel stattfinden. «So bleibt Zeit, sich mit der Installation auseinanderzusetzen», sagt Rahel Flückiger. Ausserdem könne sich das Gezeigte eher weiterentwickeln, wie bei der aktuellen Installation geschehen: Langsam wuchsen Gräser und Kräuter.

Viele Leute kommen fast täglich an der Kabine vorbei. «Das hier ist ein lebendiger, extrem öffentlicher Ort und für viele ist er Teil des Alltags», sagt Hofer. Ein Potenzial, das Flückiger sofort erkannte. Zufällig erfuhr sie, dass die Kabine abgerissen werden soll: Ihre fünfjährige Tochter führte darin regelmässig fiktive Gespräche. Eines Tages war das Telefon weg. «Mir war augenblicklich klar, dass ich die Kabine übernehmen will», sagt sie. Die Telefonzelle soll zu einem Begegnungsort werden und der «Kabinenwechsel» einen niederschwelligen Zugang zu Kunst ermöglichen. «Auch für jene, die sich sonst weniger damit auseinandersetzen.»

Jeder und jede kann die alte Telefonkabine für Kunst- und Kulturprojekte nutzen. «Es wäre sehr schön, wenn das Ganze ein Stück weit zu einem Selbstläufer würde. Wir wünschen uns eine vielfältige Bespielung», sagt Denise Hofer. Einschränkungen gibt es nur wenige: «Die Installation darf nicht vom Verkehr ablenken. Stroboskoplicht ginge zum Beispiel nicht», sagt Flückiger.

Den Künstlerinnen ist es zudem wichtig, einen öffentlichen Ort für Kunst zu schaffen. «Das freie, kreative Schaffen ist auch Ausdruck des Menschseins. Es tut uns gut und bereichert das Leben vieler», sagt Hofer. Die Wechselkabine solle die funktionale Kreuzung, an der viele Leute vorbeikommen, aufwerten und beleben. So ist laut Müller auch angedacht, dass Organisationen oder kleine Läden aus dem Quartier mit Installationen auf sich hinweisen können. «Wir leben hier, schätzen es, wenn die Stadt lebt, und können dadurch etwas dazu beitragen.»

Erste Installation erregte Aufsehen

Die Drei haben schon etliche positive Rückmeldungen erhalten. «Ich hätte nie erwartet, dass sich die Leute so interessieren. Ich bin echt baff», sagt Flückiger. Vor allem die erste Installation, ein eng umschlungenes Tanzpaar, erregte Aufsehen. Von weitem wirkten die Puppen wie ein Paar, dass sich in einer leeren Kabine küsst. «Einige erschraken und wunderten sich, warum da plötzlich Leute stehen», sagt Flückiger. So ist nicht nur der Apéro der drei Künstlerinnen ein Blickfang, sondern auch die Kabine.

Die erste Installation «en las nubes» (in den Wolken) zeigte ein Tanzpaar. (Bild: PD/Kabinenwechsel)Die erste Installation «en las nubes» (in den Wolken) zeigte ein Tanzpaar. (Bild: PD/Kabinenwechsel)
Danach folgte «en la ducha»: Eine Gestalt duscht sich in der Telefonkabine. (Bild: PD/Kabinenwechsel) Danach folgte «en la ducha»: Eine Gestalt duscht sich in der Telefonkabine. (Bild: PD/Kabinenwechsel)
Im März wurde «Wohnungspferde» gezeigt. (Bild: PD/Kabinenwechsel)Im März wurde «Wohnungspferde» gezeigt. (Bild: PD/Kabinenwechsel)
Spielzeugpferde richteten sich in der Telefonzelle ein. (Bild: PD/Kabinenwechsel)Spielzeugpferde richteten sich in der Telefonzelle ein. (Bild: PD/Kabinenwechsel)
Bis und mit 1. Mai folgte schliesslich «Kabine im Frühlingskleid». Unter anderem wuchsen in einem Hochbeet Hahnenfuss, Katzenminze und Kresse. An Ostern versteckte sich zudem ein Hase in der Kabine. (Bild: PD/Kabinenwechsel)Bis und mit 1. Mai folgte schliesslich «Kabine im Frühlingskleid». Unter anderem wuchsen in einem Hochbeet Hahnenfuss, Katzenminze und Kresse. An Ostern versteckte sich zudem ein Hase in der Kabine. (Bild: PD/Kabinenwechsel)
5 Bilder

Das wurde bisher in der St.Galler «Wechselkabine» gezeigt

Hinweis

Nächster Kabinenwechsel am Donnerstag 2. Mai.
Wer ausstellen will, schreibt an: mail@kabinenwechsel.ch

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