JUSTIZ
Pflegerin bestiehlt Gossauer Heimbewohnerin – Kreisgericht St.Gallen verurteilt sie zu einer Geldstrafe

Eine 60-jährige Angestellte eines Gossauer Altersheims entwendete Bargeld aus der Nachttischschublade einer Heimbewohnerin. Es war nicht das erste Mal, dass die Frau am Arbeitsplatz stahl. Nun wurde sie schuldig gesprochen.

Claudia Schmid
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Die Beschuldigte stahl Bargeld einer Bewohnerin in einem Gossauer Pflegeheim

Die Beschuldigte stahl Bargeld einer Bewohnerin in einem Gossauer Pflegeheim

Christian Beutler / KEYSTONE

Die 60-jährige Beschuldigte arbeitete in einem Alters- und Pflegeheim in Gossau. Dort fiel der Heimleitung im Jahre 2018 auf, dass aus den Zimmern Bargeld gestohlen wird. Um dem Diebstahl auf die Spur zu kommen, wurde in die Nachtischschublade eines Bewohners ein präpariertes Couvert mit rund 400 Franken gelegt. Nachdem das Geld verschwunden war, entdeckte man an den Händen der Beschuldigten Spuren des Präparats.

Portemonnaie im Keller gefunden

Bei einer Hausdurchsuchung fand man schliesslich im Keller der Frau das Portemonnaie und die Identitätskarte einer Heimbewohnerin, welche den Verlust im Juni 2018 gemeldet hatte. In der Brieftasche sollen sich rund 200 Franken befunden haben.

Die Beschuldigte bestritt beide Diebstähle und gab bei der Polizei an, eine Arbeitskollegin sei zu jener Zeit bei ihr zuhause gewesen. Es könne durchaus möglich sein, dass diese die Gegenstände unbemerkt in einem Karton versteckt habe. Die Staatsanwaltschaft klagte die Frau deshalb nicht nur wegen Diebstahls, sondern auch wegen falscher Anschuldigung an.

Medikamente aus Heimapotheke entwendet

Geständig war die Frau betreffend der Entwendung von verschreibungspflichtigen Medikamenten, welche verstorbenen Bewohnerinnen in einem Alters- und Pflegeheim in Zürich verschrieben wurden und teilweise dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt sind. Dort arbeitete die Beschuldigte im Zeitraum von 2015 bis 2017. Sie habe die Medikamente quasi als «Notfallset» für ihren kranken Sohn eingesteckt, erklärte die Beschuldigte.

Vorgeworfen wurde ihr auch, dass sie während eines Pfändungsvollzugs dem Betreibungsamt Wil Veränderungen beim Einkommen nicht meldete. Somit habe sie nach dem Abzug des Existenzminimums einen Nettomehrverdienst von rund 13‘500 Franken pflichtwidrig für sich behalten. Zudem unterliess sie es, dem Amt den Antritt einer neuen Arbeitsstelle mitzuteilen.

Entlastende Hinweise ignoriert

Die Verteidigerin verlangte, ihre Mandantin sei einzig wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und wegen Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung schuldig zu sprechen. Die Staatsanwaltschaft habe nur nach belastenden und keinen entlastenden Hinweisen gesucht. Diese aber gebe es zahlreich.

So habe ihre Mandantin beispielsweise die Heimleitung schriftlich und mündlich darauf aufmerksam gemacht, dass der Heimbewohner 400 Franken in seinem Nachttisch lagere. Das mache man sicher nicht, wenn man beabsichtige das Geld zu stehlen. Auch sei es durchaus möglich, dass ihr jemand das im Keller gefundene Portemonnaie mit ID untergejubelt habe.

Des Diebstahls schuldig erklärt

Das Kreisgericht St.Gallen sprach die Beschuldigte im Falle des präparierten Couverts vom Vorwurf des Diebstahls frei. Die Schuld sei nicht einwandfrei erwiesen, begründete der Einzelrichter den Freispruch. Beim Diebstahl vom Juni 2018 sehe er aber keine ernsthaften Zweifel an der Schuld. Dementsprechend erfolge auch eine Verurteilung wegen falscher Anschuldigung. Im Weiteren wurde die Beschuldigte vom Vorwurf der Verfügung über mit Beschlag belegter Vermögenswerten freigesprochen, hingegen wegen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen schuldig erklärt. Als Sanktion erhielt sie eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 100 Franken und eine Busse von 500 Franken. Die Probezeit einer früher bedingt ausgesprochenen Geldstrafe wird verlängert.

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