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Was tun mit ausgedienten Telefonzellen in St.Gallen? Junge Grüne wollen bunte Kabinen

Die Swisscom bricht Telefonkabinen ab, weil sie nicht mehr verpflichtet ist, diese zu betreiben. Einer Umnutzung steht allerdings nichts im Weg – nur müsste die Stadt das Angebot fördern, finden drei Parlamentarier.
Seraina Hess
Kreative Umnutzung: Der Quartierverein St. Fiden-Neudorf sähe in dieser Telefonkabine an der Rehetobel­strasse 30 gern eine kleine Bücherei. (Bild: Michel Canonica)

Kreative Umnutzung: Der Quartierverein St. Fiden-Neudorf sähe in dieser Telefonkabine an der Rehetobel­strasse 30 gern eine kleine Bücherei. (Bild: Michel Canonica)

Mini-Museen, Installationsplattformen, Bücher-Tauschbörsen oder gar ein kleines Treibhaus: Der Kreativität sind offenbar keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, Telefonkabinen einem neuen Zweck zuzuführen. Wie Swisscom-Mediensprecherin Esther Hüsler auf Anfrage mitteilt, werde vor allem im Tessin vermehrt Gebrauch vom Angebot der Umnutzung gemacht: Neben Bibliotheken hätten die Gemeinden sogar Defibrillatoren in den Glaskästen stationiert. Weil seit Anfang Jahr der Betrieb von sogenannten Publifonen nicht mehr zur öffentlichen Grundversorgung gehört, werden die Kabinen schweizweit sukzessive abgebrochen – wenn sie denn nicht vor dem Untergang bewahrt werden.

Swisscom bei Interesse rechtzeitig informieren

Auch in St. Gallen gibt es kreative Rettungsaktionen, allerdings wenige. Während in der Stadt im Februar noch 23 Kabinen in Betrieb waren, sind es inzwischen nur noch 19, heisst es bei der Swisscom. Vor acht Jahren konnten die St. Galler noch in 80 Zellen telefonieren. Weitere Abbrüche sind bereits geplant.

«Wenn eine Gemeinde oder ein anderer Standortgeber die Kabine übernehmen will, muss das der Swisscom rechtzeitig mitgeteilt werden. Interessenten aus der Bevölkerung müssen sich deshalb an den Standortvermieter wenden», sagt Hüsler. In St. Gallen steht die Mehrheit der Kabinen auf städtischem Boden.

Die Swisscom hat Städten und Gemeinden schon vor ein paar Wochen mitgeteilt, dass sie Kabinen an bestehenden Standorten kostenlos übernehmen können und danach für die Kabine selbst verantwortlich seien, ebenso für eine eventuelle Demontage in der Zukunft. Ein Wiederaufbau an einem anderen Standort sei aufgrund der Logistik und den damit verbundenen Kosten kaum möglich – eine Kabine wiegt über eine halbe Tonne.

Bisher haben nur Quartiervereine die Initiative ergriffen. So ist etwa bei der ehemaligen Post Linsenbühl die «Lesebiene» in Betrieb. Vor etwas mehr als einem Jahr hat sich auch die Kabine bei der Bushaltestelle Scheidweg in Winkeln in eine Mini-Bücherei verwandelt. Selbst der Quartierverein St. Fiden-Neudorf spielt mit dem Gedanken, eine kleine Bibliothek in der Telefonkabine «48» an der Rehetobelstrasse 30 zu eröffnen, heisst es in der letzten Ausgabe der Quartier-Zeitung.

An der Bushaltestelle Scheidweg in Winkeln ist eine kleine Bücherei entstanden. (Bild: Michel Canonica)

An der Bushaltestelle Scheidweg in Winkeln ist eine kleine Bücherei entstanden. (Bild: Michel Canonica)

Die drei Stadtparlamentarier Christian Huber, Anja Signer-Bürkler und Franziska Ryser von den Jungen Grünen haben dem Stadtrat kürzlich eine Einfache Anfrage eingereicht. Sie möchten in ihrem Vorstoss im Wesentlichen wissen, ob der Rat bereit sei, «Telefonkabinen für soziokulturelle Projekte für die Bevölkerung zur Verfügung zu stellen» und «selber Projekte zu initiieren» – beispielsweise im Rahmen des Gartenprojekts «clever geniessen» oder in Form einzelner durch die Stadtbibliothek betreute Bücherschränke.

«Uns ist aufgefallen, dass es anderen Gemeinden eher gelingt, kreative Projekte auf die Beine stellen», begründet Franziska Ryser den Vorstoss. Zwar sei es durchaus sinnvoll, wenn Quartiervereine die Umnutzung der Kabinen selbst an die Hand nehmen, da sie am besten über ihre Bedürfnisse Bescheid wüssten. Doch es sei Auftrag der Stadt, das Angebot besser zu kommunizieren und allenfalls mit eigenen Projekten zu kombinieren.

Auskunft gibt’s erst nach den Ferien

Dem «St. Galler Tagblatt» sagte Marianne Meier von der städtischen Kommunikationsstelle im Winter, die Stadt sei der Umnutzung gegenüber aufgeschlossen. Sie unternehme aber keine Anstrengungen aus eigenem Antrieb, die Kabinen vor dem Abbruch zu verschonen.

Weil der Vorstoss der Jungen Grünen hängig ist, gibt es von Seite der Verwaltung derzeit keine Auskunft zum Thema – die Antwort des Stadtrates dürfte aber nach den Sommerferien eintreffen.

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