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Jung, kreativ und fern der Heimat: Warum es St.Galler Künstler oft in die Ferne zieht

St. Gallen verliert seine jungen Kreativen an andere Städte. Weil es hier keine höhere Kunstausbildung gibt, ziehen viele weg. Allerdings nicht alle: Zwei Beispiele von jungen Stadtbewohnern, die St. Gallen treu bleiben – oder es zumindest versuchen.
Roger Berhalter
212 Päckli für Palace-Besucher: Weihnächtliche Kunstinstallation von Felix Stöckle im Schaukasten des Kulturlokals. (Bild: Hanspeter Schiess)

212 Päckli für Palace-Besucher: Weihnächtliche Kunstinstallation von Felix Stöckle im Schaukasten des Kulturlokals. (Bild: Hanspeter Schiess)

Sie gehen nach Zürich, Luzern, Basel oder Berlin – und bleiben oft dort. Junge St. Gallerinnen und St. Galler verlassen die Stadt, um anderswo Kunst zu studieren. Haben sie ihre Ausbildung dann beendet, kehren sie nicht mehr in die alte Heimat zurück, weil sie sich in der neuen längst eingelebt und vernetzt haben.

Eine eigene Kunsthochschule könnte dies verhindern. Die Forderung nach einer solchen Institution ist nicht neu. Allerdings scheint der Zug für eine St. Galler Kunsthochschule abgefahren; andere Städte waren schneller und haben die entsprechenden Lehrgänge schon aufgebaut. Nach wie vor aktuell ist hingegen die Idee eines «Hauses der Künste». Auch vergangene Woche am zweiten Kulturforum in der Lokremise wurde der Wunsch nach einem solchen Atelierhaus wieder laut. Bis so ein Haus aber steht, dürfte es noch eine Weile dauern. Muss St. Gallen also vorerst damit leben, dass es seine jungen Kreativen an andere Städte verliert?

Fürs Fotografiestudium nach Berlin

Gespräche mit jungen Kunstschaffenden zeigen, dass es nach wie vor solche gibt, die ihre Heimat nicht aufgeben, sondern lieber in St. Gallen Spuren hinterlassen wollen. So wie Claudia Bühler. Die 27-Jährige pendelt derzeit ständig zwischen St. Gallen und Berlin und führt auch in ihrer Mail-Signatur beide Städte auf. Beim Telefoninterview sitzt die 27-Jährige gerade im Zug. Sie ist auf dem Rückweg von einem Workshop in Berlin, ihrem Wohnort. Ihr Atelier befindet sich in St. Gallen. «Ich brauche den Austausch», sagt die Fotografin. Auch wenn damit viele lange Zugfahrten verbunden seien. In der Deutschschweiz gebe es nicht viele Möglichkeiten, Fotografie zu studieren. Deshalb sei sie nach dem gestalterischen Vorkurs am gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum (GBS) fürs Studium nach Berlin gezogen.

Fotografin Claudia Bühler lebt in Berlin. (Bild:PD)

Fotografin Claudia Bühler lebt in Berlin. (Bild:PD)

Im Oktober hat Bühler ihre Ausbildung beendet, jetzt versucht sie wieder, in St. Gallen Fuss zu fassen. Mit ihren Arbeiten ist sie in der aktuellen Ausstellung «Heimspiel» im Kunstmuseum vertreten. Im Mai hat sie im Flon das erste «Ostschweizer Kunstfestival» organisiert, eine Ausstellungsplattform für junge St. Galler Künstler, die ausserhalb der Stadt wohnen oder arbeiten. Und gerade baut Bühler mit Gleichgesinnten das «Haus Famos» auf, eine Ateliergemeinschaft an der Davidstrasse. «Wir haben noch Platz!», sagt sie und lacht.

Für viele junge Künstler sei die Hürde hoch, nach St. Gallen zurückzukehren. «Man fängt wieder bei null an, was das Netzwerk betrifft. Und das Netzwerk ist für Künstler nun einmal immens wichtig. Man kann sich nicht an zwei verschiedenen Orten vernetzen.»

Die Freunde sieht man nur in den Sommerferien

Felix Stöckle versucht ebenfalls den Spagat: In einer anderen Stadt zu studieren und doch den Faden zu St. Gallen nicht zu verlieren. Der 24-Jährige ist in Flawil aufgewachsen, bezeichnet aber St. Gallen seit jeher als seinen «Dreh- und Angelpunkt». Seit vergangenem September sei er «extrem am Pendeln». Zwischen der Hochschule Luzern, wo er Kunst und Vermittlung studiert, und St. Gallen, wo er wohnt und sein Atelier hat. «Irgendwann habe ich gemerkt: Ich muss studieren, wenn ich weiterkommen will», sagt Stöckle, der zunächst eine Lehre als Polydesigner in Zürich gemacht hat.

Künstler Felix Stöckle studiert in Luzern. Sein Atelier hat er aber in St.Gallen. (Bild: PD)

Künstler Felix Stöckle studiert in Luzern. Sein Atelier hat er aber in St.Gallen. (Bild: PD)

Von jungen Kreativen, die St. Gallen verlassen, kann Stöckle ein Lied singen; er sieht es in seinem Freundeskreis. «In den Sommerferien trifft man alle. Kaum fängt aber dann die Uni wieder an, fahren sie zurück nach München, Berlin oder Basel.» Er möchte es anders machen, bringt sich in St. Gallen vielerorts ein, beispielsweise im Jugendkulturraum Flon, im Kunstkiosk oder im Kulturkonsulat an der Frongartenstrasse. Soeben hat er im Palace eine konsumkritische Kunst-Installation mit 212 Weihnachtsgeschenken aufgebaut und eröffnet.

Stöckle beteiligt sich auch an den Foren der Initiative «Zukunft Innenstadt», denn er sieht zwischen Kultur und Standortförderung durchaus Parallelen: «Ein ‹Haus der Künste› im Zentrum würde die Innenstadt beleben!» Früher oder später möchte er zurückkehren. «St. Gallen hat noch viel Potenzial. Ich möchte mich nach meinem Abschluss auf jeden Fall hier verwirklichen.»

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