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8,6 Millionen Franken für liquidierten St.Galler Verein

Die Jugendstilvilla des Vereins für soziale Notfallhilfe (Sono) an der Davidstrasse in St.Gallen ist von der Müller Fischer AG mit Sitz in der Stadt ersteigert worden. Der Verein wird liquidiert. Wo dessen grosses Vermögen hinfliesst, behält der zuständige Konkursbeamte für sich.
Daniel Wirth
Das prachtvolle Haus an der Davidstrasse 25 wurde für 8,6 Millionen Franken versteigert. (Bild: Urs Bucher)

Das prachtvolle Haus an der Davidstrasse 25 wurde für 8,6 Millionen Franken versteigert. (Bild: Urs Bucher)

Daniel Wild, stellvertretender Leiter des Konkursamtes des Kantons St.Gallen, begrüsste gestern Morgen rund 100 Personen im historischen Saal im Hauptbahnhof. Bekannte St. Galler Immobilienhändler, Banker, Vertreter von Versicherungen und Pensionskassen interessieren sich für die Versteigerung der Liegenschaft Davidstrasse 25 mit 847 Quadratmetern Land, drei Quadratmetern Trottoir und einer imposanten gut 120 Jahre alten Jugendstilvilla.

Das Ganze gehörte bis gestern dem Verein für soziale Notfallhilfe (Sono). Das Kreisgericht hatte im vergangenen Jahr entschieden, der Verein sei nach den Vorschriften über den Konkurs zu liquidieren. Wild informierte zu Beginn der Gant, dass auf dem Grundstück keine Lasten sind; es muss keine Hypothek abgelöst werden. Der geschätzte Marktwert der Liegenschaft: 6,85 Millionen Franken. Ein Mindestgebot gebe es nicht, auch keine schriftlichen Gebote, sagte Wild.

Hunderttausender-Schritte im Sekundentakt

Das erste Gebot macht Ernst Sutter für die Actria AG aus Teufen: 6,5 Millionen Franken. Philipp Schneider überbietet Sutter namens der Heredom AG: 6,6 Millionen. Ein Vertreter der Pensionskasse der Stadt St. Gallen ruft «7 Millionen» nach vorne. Ein Bieter der St. Galler Pensionskasse legt nach: 7,05 Millionen Franken. So schaukeln sich die Bieter im Sekundentakt nach oben.

Bei 7,65 Millionen steigt ein Vertreter der Gebäudeversicherungsanstalt (GVA) des Kantons St. Gallen ein; er bietet mit bis 7,95 Millionen, dort ist das Ende der Fahnenstange. Ernst Sutter überbietet die GVA mit 8 Millionen. Die Spannung im historischen Saal steigt. «8,2 Millionen», ruft Jéromé Müller für die Müller Fischer AG. Ein Vertreter der Generalunternehmung Finara AG aus Kirchberg bietet 8,3 Millionen. Es geht hin und her zwischen dem Mann aus dem Toggenburg und dem St.Galler Müller – bis Jéromé Müller beim insgesamt 24. Gebot für 8,6 Millionen Franken den Zuschlag erhält.

Zweck: Linderung sozialer Notfälle

Fabian Fischer, Verwaltungsratspräsident der Müller Fischer AG, sagte nach der Gant, er hoffe, dass das Vermögen des Vereins für soziale Notfallhilfe gemeinnützigen Zwecken zufliesse. Im Handelsregister ist als Zweck des Vereins, der sich in Liquidation befindet, «Linderung sozialer Notfälle» eingetragen. Der Verein kann durch Massnahmen, Spenden oder eigene Aktionen, Personen, Organisationen oder andere Körperschaften unterstützen, die in einen sozialen Notstand sind.

In den vergangenen 16 Jahren nahm der Verein Mietzinsen von gegen fünf Millionen Franken ein; seit 2002 vermietet Sono die prächtige Jugendstilvilla an den Kanton, der an der Davidstrasse 25 die Berufsmaturitätsschule untergebracht hat. Fabian Fischer sagte am Rand der Versteigerung, er schätze das aktuelle Vermögen des liquidierten Vereins auf gegen 15 Millionen Franken.

Was mit dem Geld geschieht, sei bereits entschieden worden, sagte Daniel Wild vom Konkursamt des Kantons St. Gallen. Wer das bestimmt habe und wem das Geld zufliesse, wollte Wild nicht sagen, weil die Liquidation noch nicht abgeschlossen sei. Zwischenzeitlich stand der Verein unter Beistandschaft, welche die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) im vergangenen Jahr wieder aufhob.

Die neuen Eigentümer sind stadtbekannt

Die Müller Fischer AG, die neue Eigentümerin der Jugendstilvilla an der Davidstrasse, ist eine stadtbekannte Gesellschaft. Den Verwaltungsrat bilden neben Fischer die Brüder Jéromé und Patric Müller. Ihnen gehört die Gemag AG. Die Brüder Müller halten zusammen 12,25 Prozent der Aktien der FC St. Gallen AG. Fabian Fischer seinerseits ist Inhaber der Fischer Altbau AG mit Sitz in Mörschwil.

Die Brüder Müller und Fischer sind in der Stadt St. Gallen schon heute auf dem Immobilienmarkt sehr aktiv: Gegenwärtig wird von der Gesellschaft die ehemalige Schwyter-Backstube in den Liegenschaften Neugasse 16 und 18 und Marktplatz 11 total umgebaut. Die Müller Fischer AG investiert rund vier Millionen Franken. Im Herzen der Stadt soll neben renovierten Kleinwohnungen ein Gastronomiebetrieb entstehen, in dem die alten Stadtmauern sichtbar gemacht werden. Noch ist nicht bestimmt, wer darin wirten wird.

Fischer ist Spezialist für Altbausanierungen

Fabian Fischer ist ein Spezialist für die Sanierung von Altbauten. Zu seinen Referenzen gehören in der Stadt die Sanierung des «Sternackers», des Eckhauses an der Goliathgasse/Magnihalden oder der Umbau einer Jugendstilvilla an der Müller-Friedbergstrasse. Fabian Fischer legt Wert auf den Erhalt alter Bausubstanzen, wie er gegenüber dem «Tagblatt» sagte.

In Mörschwil wird derzeit nach seinen Plänen eine über 100 Jahre alte Schifflistickerei und Modeleisenbahnfabrik zu zweigeschossigen Loft-Eigentumswohnungen umgebaut. Was er und seine Partner Jéromé und Patric Müller mit der Jugendstilvilla an der Davidstrasse im Sinn haben, verriet Fischer nach der Versteigerung nicht.

Gemäss Daniel Wild vom Konkursamt hat der Kanton St. Gallen einen unbefristeten Mietvertrag, der mit einer Kündigungsfrist von einem Jahr jeweils auf den 31. Juli aufgelöst werden kann. Das heisst, vor dem Sommer 2020 muss die Berufsmaturitätsschule nicht umziehen.

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