Jöö-Ausstellung rund ums Ei: Aber nicht aus jedem Ei wird ein Huhn

Frisch geschlüpfte Bibeli und Brutkästen: Das Naturmuseum widmet dem Ei erneut eine Ausstellung. Kurios wird es beim Schnabeltier.

Sandro Büchler
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Küken beim Schlüpfen beobachten können Jung und Alt im Naturmuseum St.Gallen in der Ausstellung «Allerlei rund ums Ei». (Bild: PD)

Küken beim Schlüpfen beobachten können Jung und Alt im Naturmuseum St.Gallen in der Ausstellung «Allerlei rund ums Ei». (Bild: PD)

Der Hahn kräht lautstark und begrüsst die Besucher im Naturmuseum. «Der Gockel muss sich erst noch an die neue Umgebung gewöhnen», sagt Museumsdirektor Toni Bürgin. Zuletzt habe das Tier zehn Hennen um sich geschart, im Gehege im Museum müsse er sich mit drei weiblichen Zwerghühnern begnügen.

Die lebenden Tiere sind die Hauptattraktion der detailreichen Ausstellung «Allerlei rund ums Ei». Bei den Wachtelküken nebenan herrscht emsiges Treiben. «Bald wimmelt es nicht nur in, sondern auch vor den Gehegen», sagt Bürgin. Die Schau ums Ei richtet sich speziell an Kinder und sei entsprechend konzipiert.

Die Evolution hat ihre Ausnahmen

Die Schaukästen mit grossen, kleinen, roten, gesprenkelten, glänzenden oder unförmigen Eiern sind am Boden ausgelegt. Die lebendigen und präparierten Tiere sind auf Augenhöhe von Kindern zu bewundern. Bürgin sagt: «Bei den Schulen kommt die Idee sehr gut an.» Insbesondere die zwei Brutkästen, in denen sich das Schlüpfen von Bibeli beobachten lässt, seien ein Publikumsmagnet.
Neben den Hühnervögeln erwarten die Besucher weitere Tiere in Aktion – wenn man sie denn erkennt. In einer Vitrine mit Brombeerranken verstecken sich drei Gespenstschrecken. «Wandelnde Blätter», erklärt der Museumsdirektor. Die Insekten sind perfekt als Laubblätter getarnt. Speziell seien aber die schwarzen Eier, sagt Bürgin.

Er lenkt den Blick zu den Reptilien. Schlangen und Schildkröten würden meist Eier legen. «Doch nicht alle: Es gibt Ausnahmen.» Die Kreuzotter gebäre ihren Nachwuchs lebend. So auch der Zitronenhai bei den Fischen, während sein Artgenosse, der ebenfalls ausgestellte Katzenhai, Eier legt.

Wissenschaftler glaubten an Scherz

Aussergewöhnlich wird es beim Schnabeltier. Das in Australien und Tasmanien beheimatete Tier ist für Bürgin «etwas ganz Spezielles». Denn das Schnabeltier und der Schnabeligel sind die einzigen Säugetiere auf der Welt, die Eier legen. Kurios ist zudem, wie Schnabeltiere ihren Nachwuchs säugen. «Die Weibchen ‹schwitzen› die Milch für die Jungen aus der Haut, die diese hungrig aufschlecken.»

Bürgin ist fasziniert vom urtümlichen Tier, «es ist quasi ein Restposten der Evolutionsgeschichte.» Bis Ende des 19. Jahrhunderts hätten Wissenschaftler die Existenz der Tiere gar für einen Scherz gehalten. «Sie dachten, jemand habe einem Biber aus Jux einen Entenschnabel angeklebt.» Am 13. März widmet sich ein Vortrag diesem besonderen Eierleger.

Die Ausstellung ist für Kinder und ihre Augenhöhe konzipiert worden. (Bild: PD)

Die Ausstellung ist für Kinder und ihre Augenhöhe konzipiert worden. (Bild: PD)

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