Kommentar

Jetzt muss die Klimajugend an die Urne und ihre Streiks mit einem Ja bekräftigen

Der Klimaartikel, über den am 27. September in der Stadt abgestimmt wird, ist wichtig. Vor allem die Klimajugend sei eingeladen, an die Urne zugehen und ein wuchtiges Ja einzulegen, schreibt Daniel Wirth, Leiter der Stadtredaktion, in seinem Kommentar.

Daniel Wirth
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Daniel Wirth, Leiter Stadtredaktion.

Daniel Wirth, Leiter Stadtredaktion.

Bild: Ralph Ribi

Stadtrat und Stadtparlament werden für eine Legislatur von vier Jahren gewählt. Der Marktplatz und der Bohl sollen für die nächsten Dekaden neu gestaltet und saniert werden. Die Aufnahme eines Artikels zum Klimaschutz und zum Klimawandel in der Gemeindeordnung geht die nächsten Generationen an. Aus diesem Grund ist die gänzlich unumstrittene Vorlage von grosser Wichtigkeit, auch wenn ihr Titel «Nachtrag VII zur Gemeindeordnung» trocken und unsexy ist.

Die Stadt verfolgt das Ziel, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden. Das ist ambitioniert, denn das heisst nichts anderes als eine Null-Tonnen-CO2-Gesellschaft. St.Gallen ist eine der ersten grossen Städte in der Schweiz, die ihre hehren Klimaziele quasi in der Verfassung festschreibt. Wegen des Klimaartikels alleine wird keine einzige Ölheizung aus einem Keller in einem St.Galler Haus gerissen, seinetwegen alleine wird auch keine einzige Fotovoltaikanlage auf das Dach eines St.Galler Hauses montiert, und wegen des Artikels alleine wird kein einziges Auto mit Verbrennungsmotor durch ein Elektrofahrzeug ersetzt, und seinetwegen wird kein einziger Baum gepflanzt in der Stadt. Aber: Mit einem deutlichen Ja am 27.September nehmen die Stimmberechtigten Stadtrat und Stadtparlament in einem stärkeren Mass als heute in die Pflicht, genau dies zu tun.

Mit einem deutlichen Ja geben die Stimmberechtigten dem Stadtrat die Legitimation, auch in finanziell schwierigen Zeiten den Klimaschutz prioritär zu behandeln. Mit einem deutlichen Ja erinnern sie das Stadtparlament daran, Klimaschutzvorlagen wohlwollend zu behandeln und nicht der Kosten wegen zu versenken. Ein deutliches Ja zum Klimaartikel ist ein Bekenntnis für eine nachhaltige Klimapolitik. Und diese wird nicht an einem Weltklimagipfel oder in Bundesbern gemacht, dort wird geredet, sondern auf den unteren Ebenen, in den Städten und in den Gemeinden.

Das Coronavirus hat Demonstrationen und Streiks in diesem Jahr schier verunmöglicht. Doch wir erinnern uns noch gut an 2019 und an die Klimastreiks der Jugend. Als sie an einer Parlamentssitzung im Waaghaus den Klimanotstand proklamiert haben wollte. Jetzt sind die Jungen aufgefordert, an die Urne zu gehen und wuchtig Ja zu stimmen. Die Politik muss dem Klimaartikel Taten folgen lassen.