Bodensee mit Januarpegel mitten im Sommer

Die extreme Wärme und Trockenheit, die seit April auch in der weiteren Region um Rorschach anhält, führt zu einem grossen Niederschlagsdefizit. Eine deutliche Änderung ist trotz vorausgesagter Regenfälle vorerst nicht in Sicht.

Andreas Walker
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Im Vergleich zu anderen Regionen in der Schweiz sieht es am Bodensee auf den ersten Blick gut aus. Die Wiesen sind grün, was den Gewitterregen zu verdanken ist. Trotzdem waren sie nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Die kleinen Bäche führen fast kein Wasser und der Bodenseepegel ist ungewöhnlich tief.

Der derzeitige Wasserstand ist sonst eigentlich im Winter anzutreffen. Er liegt derzeit rund 90 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel von 396,14 Meter über Meer. Optisch äussert sich dies an den Pfählen im Rorschacher Hafen, die normalerweise im Sommer vom Wasser bedeckt sind.

Vor knapp 500 Jahren herrschte hier eine extreme Dürre. Der Sommer 1540 ging als extremster Sommer des Jahrtausends in die Geschichte ein. Der Bodenseepegel war so tief, dass die Stadt Lindau ohne Boot erreicht werden konnte und im trockenen Uferbereich suchten viele Leute römische Münzen.

Heisser als der Rekordsommer 2003

Ähnlich wenig Niederschlag wie dieses Jahr gab es letztmals 1921. Nach Angaben von Meteo Schweiz ist der Zeitraum von April bis Juli 2018 seit Messbeginn 1864 die viertniederschlagsärmste Periode. Dazu kommt eine einmalige Rekordhitze, die an den Hitzesommer von 2003 erinnert. So wurde am Bodensee die wärmste April bis Juli-Periode seit Messbeginn 1864 registriert.

In den vergangenen 15 Jahren gab es drei Sommer, die als Hitzesommer gelten: 2003, 2015 und 2018. Diese Anhäufung ist kein Zufall, sondern eine Bestätigung dessen, was Klimawissenschafter seit Jahrzehnten voraussagen. Es wird immer heisser und trockener bei uns. Klimamodelle zeigen, dass Hitzesommer gegen Ende des 21. Jahrhunderts bei uns zum Normalfall werden.

Landwirtschaft leidet besonders

Der fehlende Regen zwingt Landwirte dazu, Futter für das Vieh zu kaufen oder sogar Tiere zu schlachten. Käme endlich Regen, so könnte der Herbst ein Teil des fehlenden Futters noch ausgleichen. Dies wird aber immer unwahrscheinlicher, da in vielen Gebieten das Futter von zwei Schnitten fehlt.

Im milden Bodenseeklima werden viele Gemüsekulturen angebaut. Die Bewässerung aus kleinen Oberflächengewässern ist aber immer noch verboten. Allerdings darf mit Bewilligung oder Konzession weiterhin Wasser aus dem Bodensee bezogen werden.

Entscheidend für die Entwicklung des Wasserstandes wird sein, ob bald flächendeckend Niederschlag fällt. Das Positive am Trockensommer war, dass der Hagel von Juni bis August weitgehend fehlte.

Hochsommer endet mit den Hundstagen

Bis Donnerstag bleibt es am Bodensee oft noch sonnig und sehr warm. Mit den Hundstagen geht die grosse Hitze zu Ende. Als Hundstage werden die meist heissesten Tage im Jahr bezeichnet, die durch eine beständige Hochdrucklage von Mitte Juli bis Mitte August auftreten. Der Begriff kommt aus dem alten Ägypten. Die Hundstage begannen an jenem Tag, an dem zum ersten Mal der Stern Sirius am Morgenhimmel zu sehen war.

Die Hundstage begannen für die Ägypter noch Anfang Juli. Sie waren sehr wichtig, da mit dem Erscheinen von Sirius meistens die grosse Nilflut eintraf. Da die Erdachse innerhalb von 26'000 Jahren eine Kreiselbewegung durchführt, verschieben sich nach und nach auch die Sternbilder. Deshalb sahen die Römer den Stern Sirius erst Ende Juli aufgehen. Das Datum vom 23. Juli als Beginn der Hundstage geht also wahrscheinlich auf die Römerzeit zurück.

Am Freitag bringt eine Kaltfront eine markante Abkühlung. Es wird dann etwa 10 Grad kälter sein. Die Wettermodelle zeigen jedoch, dass sich danach wieder ein Hochdruckgebiet aufbauen wird.