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Radau und Wildpinkler: Dem St.Galler Herbstjahrmarkt eilt ein schlechter Ruf voraus

Gebissene Polizisten, Schlägereien und Wildpinkler: Der Herbstjahrmarkt hat in den vergangenen Jahren immer wieder für negative Schlagzeilen gesorgt. Doch diese Einzelfälle zeichneten ein falsches Bild, sagen Schausteller und Markhändler.
Christoph Renn
Der Alkoholkonsum ist während der Olma massiv erhöht – das bleibt nicht ohne Folgen. (Archivbild: Coralie Wenger)

Der Alkoholkonsum ist während der Olma massiv erhöht – das bleibt nicht ohne Folgen. (Archivbild: Coralie Wenger)

«Es ist schlimm, dass sich Leute am Abend nicht mehr an den Jahrmarkt trauen», sagt Hiltrud Frei, Präsidentin der Sektion des Ostschweizer Marktverbandes. Vor allem deshalb, weil es hier nicht halb so schlimm zu und hergehe, wie die Leute denken würden. Sie sagt:

«Viele haben ein falsches Bild des Jahrmarktes.»

Sie denken an besoffene Jugendliche und Schlägereien auf offener Strasse. Doch so sei es nicht. Grösstenteils sei es sehr friedlich am Herbstjahrmarkt auf dem Spelteriniplatz.

Dies bestätigt auch Hanspeter Frei, einer der grössten Schausteller der Schweiz:

«Im Vergleich zur Chilbi in München ist das hier ein Kindergeburtstag, was besoffene Gäste anbelangt.»

Natürlich gebe es auch hier immer wieder Personen, die zu tief ins Glas geschaut hätten und ausfällig würden. Die meisten bleiben laut Maier jedoch friedlich. «Alkohol gehört zur Olma und dem Jahrmarkt einfach dazu», ergänzt er. Und er erinnert daran, dass es früher nicht anders war. «Damals hat man einfach nicht so oft darüber gesprochen.»

Polizei mit höherer Präsenz

Eine positive Bilanz hat in den vergangenen Jahren auch die Stadtpolizei am Herbstjahrmarkt gezogen. Was jedoch nicht bedeutet, dass es keine Zwischenfälle gegeben hatte. «Wenn sich eine solch grosse Masse auf einem relativ engen Raum versammelt, sind Einzelfälle nicht auszuschliessen», sagt Polizeisprecher Dionys Widmer. Nicht zuletzt führt er die gesteigerte Sicherheit auf einige Massnahmen zurück, welche die Polizei vor drei Jahren eingeführt hat.

«Wir haben die Präsenz deutlich erhöht.»

Zudem tragen seither einige Einsatzkräfte orange Westen, die gut sichtbar sind. Andere sind in Zivil unterwegs.

«Die orangen Westen haben deutlich zur Beruhigung beigetragen», sagt Jürg Diriwächter, der auf dem Spelteriniplatz Öpfelchüächli verkauft. Hingegen komme es etwas öfter als früher zu sinnlosem Vandalismus an Ständen. Doch auch dabei handle es sich um Einzelfälle.

Konsumverhalten hat sich geändert

Der Herbstjahrmarkt hat sich aber auch sonst in den vergangenen Jahren verändert. So hat sich die Notkerkerstrasse zur Warenstrasse entwickelt. Entlang der Sonnenstrasse, die direkt zum Olma-Eingang führt, stehen die Ess- und Trinkstände. Noch vor fünf Jahren waren Markt- und Essstände bunt gemischt. «Das hat unsere Lage zum positiven beruhigt», sagt Hiltrud Frei, die an ihrem Stand Unterwäsche und Dessous verkauft. Vorher hätte sie wegen schwierigen Kunden schon um 19 Uhr geschlossen.

Claudia Barth-Anderau, die St. Galler Möckli verkauft, hat in den vergangenen Jahren hingegen etwas anderes festgestellt: «Das Konsumverhalten hat sich verändert», sagt sie. «Die Leute schauen mehr aufs Geld.» Trotzdem sei sie mit dem Geschäft an der Olma zufrieden.

«Die Öffnungszeiten müssen angepasst werden.»

Einen Kritikpunkt bringen die Schausteller dann doch noch aufs Parkett. Hanspeter Maier sagt:

«Es kann doch nicht sein, dass wir am Jahrmarkt die Musik erst um 13.30 Uhr anschalten dürfen.»

Auch am Abend müssten die Schausteller die Boxen zu früh abdrehen. Deshalb fordert er, dass diese Diskussion neu geführt werden müsste. Anders sieht das Till Bannwart von der IG Museumsquartier. «Party muss zwar sein, aber wir sind mit der jetzigen Regel zufrieden.»

Die Polizei blockiert die Zufahrtsstrassen mit Wassertanks. (Bild: Benjamin Manser)

Die Polizei blockiert die Zufahrtsstrassen mit Wassertanks. (Bild: Benjamin Manser)

Polizei setzt auf Wasserkübel

Damit das der Herbstjahrmarkt und die Olma möglichst sicher bleiben, setzt die Stadtpolizei St. Gallen wieder ihre neuen Strassensperren ein. «Sämtlich Zufahrten auf Gelände haben wir so gesichert», sagt Polizeisprecher Dionys Widmer. Insgesamt 40 solcher Blockaden hat die Polizei aufgestellt, wobei eine Sperre aus mehreren Elementen besteht.
Bisher wurden die Strassen mit Betonblöcken oder gar Fahrzeugen gesperrt. Seit diesem Jahr verfügt die Polizei über faltbare Elemente, die mit Wasser gefüllt werden müssen. Diese habe einen grossen Vorteil: «Im Vergleich zu den Betonblöcken können wir sie einfacher aufstellen», sagt Widmer. Zudem können die Fahrzeuge, die bisher als Strassensperren parkiert wurden, wieder für andere Einsätze genutzt werden. Die neuen Strassensperren kamen bereits am St. Galler Fest zum Einsatz. (ren)

Noch nicht ganz zufrieden ist Bannwart mit der WC-Situation. «Mit den neuen Toiletten und der verbesserten Beschriftung hat sich die Situation zwar verbessert», sagt Bannwart. Doch bleibe die Wildpinklerei ein Problem. Die neuen Massnahmen weisen zwar die richtige Tendenz, doch gebe es noch Potenzial. «Vor allem müssen die Toiletten besser unterhalten werden.» Der Problematik ist sich auch die Polizei bewusst. Doch: «Wir können nicht alle Wildpinkler erwischen», sagt Widmer. Wer erwischt wird, muss 60 Franken Busse bezahlen.

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