Jahresprogramm des Historischen und Völkerkundemuseums: Wagemutige Künstlerinnen stehen im Zentrum

Das Historische und Völkerkundemuseum zeigt dieses Jahr drei Ausstellungen zu Künstlerinnen und Künstlern.

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Ein Bild der Künstlerin Marie-Louise Binon, die 1889 in Paris tätig war.

Ein Bild der Künstlerin Marie-Louise Binon, die 1889 in Paris tätig war.

Bild: PD/HVM

Frauen stehen dieses Jahr im Mittelpunkt des Programms des Historischen und Völkerkundemuseums (HVM): Zwei von sechs Ausstellungen sind Künstlerinnen gewidmet. So eröffnet am 29. August die Ausstellung «Berufswunsch Malerin». Sie stellt elf Frauen vor, die im 19. Jahrhundert geboren sind. Darunter drei Stadtsanktgallerinnen: Anna Elisabeth Kelly, Martha Cunz und Maria Geroe-Tobler.

«Wir betrachten die Kunstgeschichte als Sozialgeschichte», sagte Direktor Daniel Studer am Mittwoch an einer Pressekonferenz. «Die elf Malerinnen waren Wegbereiterinnen der Emanzipation.» Im 19. Jahrhundert seien Frauen in erster Linie Haus- und Ehefrau gewesen. «Malen durften sie höchstens, um das Heim zu verschönern.» Anders die porträtierten Frauen: Malen war ihr Beruf. So etwa Marie-Louise Binon, deren Vater Künstler in St.Gallen war und die in Paris tätig war.

Zusätzlich öffnet am 29. August die Einzelausstellung «Ins Licht gerückt» zur Winterthurer Malerin Sophie Schäppi. «Sie war eine der wenigen, die auf Porzellan malten und konnte recht gut davon leben», sagt Kuratorin Isabella Studer-Geisser. Doch 1893 erreichte Schäppi die Nachricht, dem Vater gehe es schlecht. Sie müsse nach Hause, um ihn zu pflegen. Später notierte Schäppi ins Tagebuch: «Wenn ich einen Fehler im Leben gemacht habe, dann dass ich mich unter Druck setzten liess und zurück bin.»

Narren zur Fasnacht, Pyramiden zu Weihnachten

Pünktlich zur Fasnacht, genauer am 15. Februar, eröffnet das HVM die Ausstellung «Narrenweisheiten». Sie ist den St.Galler Künstlern Fritz und René Gilsi gewidmet. Narrenfiguren treten im Werk von Vater und Sohn wiederholt auf. Ausserdem haben beide als Karikaturisten gearbeitet und dabei gesellschaftliche Probleme thematisiert.

Ab dem 28. März ist «Mazandaran Kelims» zu sehen. Die gewobenen Wollstoffe stammen aus der Provinz Mazandaran im heutigen Iran und sind selten. So werden die Kelims erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Ausstellung «Nomaden auf Zeit» erzählt ab dem 9. Mai mit Fotos und Videos davon, wie eine marokkanische Familie das Nomadenleben aufgibt. «Das Beispiel steht für viele andere Menschen, die ihre Lebenskultur aufgeben müssen, um den Anforderungen des 21. Jahrhunderts zu begegnen», sagt Öffentlichkeitsbeauftragter Peter Müller.

Zum Abschluss des Jahres zeigt das HVM ab dem 28. November «Weihnachtsland Erzgebirge». Die Region südlich von Dresden ist bekannt für ihre Weihnachtstradition. Auf den Marktplätzen stehen statt Christbäumen mehrstufige Weihnachtspyramiden, die sich im Kerzenlicht drehen. Und die Fenster schmücken Bergmänner und Engel. (mha)

Hinweis

www.hvmsg.ch