Ja zur 20-Millionen-Sanierung: Das Depot der St.Galler Berufsfeuerwehr wird aufgestockt und erweitert

Das städtische Stimmvolk sagt Ja zur 20 Millionen Franken teuren Sanierung und Erweiterung des Feuerwehrdepots an der Notkerstrasse.

Sandro Büchler
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Die drei Attikawohnungen auf dem Depotdach werden durch ein Vollgeschoss ersetzt. Zum Trocknen der Schläuche wird der markante Turm (rechts) heutzutage nicht mehr gebraucht. Er wird aber heute und auch künftig für Rettungsübungen genutzt. (Bild: Ralph Ribi - 14. Oktober 2019)

Die drei Attikawohnungen auf dem Depotdach werden durch ein Vollgeschoss ersetzt. Zum Trocknen der Schläuche wird der markante Turm (rechts) heutzutage nicht mehr gebraucht. Er wird aber heute und auch künftig für Rettungsübungen genutzt. (Bild: Ralph Ribi - 14. Oktober 2019)

Die Berufsfeuerwehr bekommt ein modernes Depot: Über 87 Prozent der Stadtsanktgallerinnen und Stadtsanktgaller sagen Ja zur Sanierung des Feuerwehrdepots an der Notkerstrasse 44 neben den Olma-Hallen. Nur 12,3 Prozent stimmen gegen das Bauprojekt. Insgesamt 36,8 Prozent der Stimmbevölkerung haben sich am Urnengang beteiligt.

Volksabstimmung zur Sanierung und Erweiterung Gebäude Feuerwehr und Zivilschutz St.Gallen, Notkerstrasse 44

Endresultat am 17. November 2019, 13.30 Uhr (in Prozent)
JaNein020406080

Das Stimmvolk stimmt damit einem Kredit über 19,8 Millionen Franken für die Sanierung und Erweiterung des Feuerwehrdepots zu. Alles in allem kostet das neue Depot rund 20,7 Millionen Franken. 921'000 Franken steuert die Gebäudeversicherungsanstalt aus dem kantonalen Feuerschutzfonds bei.

Mit dem vom Volk gesprochenen Betrag wird das Depot einerseits aufgestockt. Die drei bestehenden Attikawohnungen auf dem Dach verschwinden und werden durch ein durchgehendes Geschoss ersetzt. Andererseits wird das Gebäude zur Steinachstrasse hin verlängert. Mit dem neugewonnenen Platz können die Schlaf- und Aufenthaltsräume sowie Büros, Schulungs- und Materialräume neu optimal angeordnet werden. Für die Feuerwehrmänner vereinfachen sich dadurch die bisher verzettelten Arbeitsabläufe.

Resultat ist ein Vertrauensbeweis

Stadträtin Sonja Lüthi, Vorsteherin der Direktion für Soziales und Sicherheit, freut sich über die Zustimmung.

«Das klare Resultat zeigt das Vertrauen der Bevölkerung in die Feuerwehr.»
Stadträtin Sonja Lüthi, Direktion Soziales und Sicherheit (Bild: PD)

Stadträtin Sonja Lüthi, Direktion Soziales und Sicherheit (Bild: PD)

Lüthi sagt, sie habe nie am Ja zum neuen Depot gezweifelt. Auch nicht, als sich die städtische SVP gegen das Projekt stellte. Die Partei hatte vor der Abstimmung moniert, mit der Sanierung würden die Prioritäten falsch gesetzt. Die Berufsfeuerwehr bräuchte eher mehr Platz für ihre Fahrzeuge, so der Tenor. Der Stadträtin ist es wichtig, bei kritischen Stimmen genau hinzuschauen. «Doch es war schade, dass die SVP nicht vorgängig das Gespräch gesucht hat.» An einem Tisch hätte man gemäss Lüthi Missverständnisse klären und allfälliges Verbesserungspotenzial besprechen können.

Stadträtin Maria Pappa, Direktion Planung und Bau (Bild: PD)

Stadträtin Maria Pappa, Direktion Planung und Bau (Bild: PD)

Das klare Verdikt der Stimmbevölkerung nimmt auch Stadträtin Maria Pappa, Vorsteherin der Direktion Planung und Bau, mit Genugtuung zur Kenntnis. Es sei die Bestätigung, dass der Stadtrat mit der Sanierungsvorlage «die richtige Lösung präsentiert habe». Sie erinnert damit an die Frage, die sich der Stadtrat gestellt hatte: Nämlich, ob ein Neubau an einem anderen Ort sinnvoller gewesen wäre. Die Untersuchungen hätten aber gezeigt, dass der Standort an der Notkerstrasse optimal sei. Das Depot sei zentral gelegen und die neuralgischen Punkte in der Altstadt und den Tunnelportalen seien innert Minuten erreichbar. Pappa sagt:

«Der Ort ist super.»

Durch die Abklärungen sei auch klar geworden, dass ein Neubau am gleichen Ort zu teuer geworden wäre. «Denn die Substanz des Gebäudes kann man weiterhin gebrauchen.» Es sei deshalb nun um die Frage gegangen, wie man das Depot sinnvoll ergänzen könne.

Am Gebäude nagt der Zahn der Zeit

Pappa sagt aber auch klar: «Es braucht die Sanierung.» Denn das Gebäude hat schon einige Jahre auf dem Buckel. Es wurde 1969 gebaut und in den vergangenen 50 Jahren Betrieb nie umfassend saniert. Entsprechend nagt der Zahn der Zeit am Beton.

In die Untergeschosse dringt Wasser ein, Baumstämme müssen die Decke stützen, um die Statik zu gewährleisten. Die Einsatzfahrzeuge sind heute schwerer als damals. Auch genügt das Depot nicht mehr den heutigen Ansprüchen punkto Erdbebensicherheit und Brandschutz. Auch die Platzverhältnisse sind den betrieblichen Anforderungen seit mehreren Jahren nicht mehr gewachsen. Nicht zuletzt hat es im Depot keine geschlechtergetrennten sanitären Anlagen und Garderoben. So war es Frauen bisher nicht möglich, in die Berufsfeuerwehr einzutreten.

Den Frauenanteil in der Feuerwehr zu erhöhen, ist Sonja Lüthi ein grosses Anliegen. Es sei wichtig, dass sich Frauen in der Feuerwehr willkommen fühlten. «Dafür sind in erster Linie auch die baulichen Rahmenbedingungen nötig.» Gemischte Teams seien in allen Bereichen wertvoll, sagt Lüthi. Amtskollegin Maria Pappa fügt hinzu, die Berufsfeuerwehr brauche fähige Personen, die schnell reagieren und die Menschen beschützen könnten.

«Es gibt auch viele fähige Frauen für den Beruf, doch deren Bewerbungen mussten wir bisher ablehnen.»

Mit der Sanierung des Depots werde es ab 2023 möglich sein, Frauen in der Berufsfeuerwehr begrüssen zu können.

In vier Jahren soll das neue Depot bezogen werden

Bis im kommenden Sommer soll die Baueingabe erfolgen und die Arbeiten ausgeschrieben werden, sagt Stadträtin Lüthi zum weiteren Vorgehen. Im Herbst 2021 sollen die Bauarbeiten beginnen, sofern keine Einsprachen von Anwohnern eingehen.

Das Gebäude wird in Etappen umgebaut und das im laufenden Betrieb. Zwar könne es zu kleineren Einschränkungen kommen, die Feuerwehr bleibe aber jederzeit einsatzbereit, sagte Feuerwehrkommandant Christian Isler im Oktober. Während der Bauzeit werden auf dem Vorplatz Container aufgestellt, in denen Ruheräume und die Einsatzzentrale untergebracht werden. Bezugsbereit soll das rundum erneuerte Feuerwehrdepot im Sommer 2023 sein.