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Ivo Mühleis tritt als Dirigent der Polizeimusik St. Gallen ab: Über viele Jahre prägte er die regionale Blasmusikszene

Im November dirigiert der Goldacher Lehrer Ivo Mühleis sein letztes Konzert mit der Polizeimusik St. Gallen.
Sheila Eggmann
Ivo Mühleis war 38 Jahre lang als Dirigent tätig. Jetzt sucht er vermehrt die Ruhe. Diese findet er auch am Ufer des Bodensees. (Bild: Ralph Ribi)

Ivo Mühleis war 38 Jahre lang als Dirigent tätig. Jetzt sucht er vermehrt die Ruhe. Diese findet er auch am Ufer des Bodensees. (Bild: Ralph Ribi)

Es war eine alte Trompete. Daran kann er sich noch sehr gut erinnern. Ivo Mühleis war sieben Jahre alt, als er diese Trompete in den Händen hielt. Es war sein erstes Musikinstrument überhaupt. Mitgebracht hat sie ein alter Freund des Vaters. «Jetzt blas hier mal rein», habe er gesagt. Der alte Mann ist dann jede Woche zu Mühleis nach Hause und hat ihm Musikunterricht gegeben: Der Startschuss für ein Hobby, das ihn noch lange begleiten sollte.

«Meine Eltern waren beide nicht besonders musikalisch. Aber mich hat die Musik immer fasziniert», sagt der heute 59-Jährige. Dem Blasinstrument ist er treu geblieben, zusätzlich hat er Klavierspielen gelernt.

Dirigieren aus Leidenschaft

Das reine Nachspielen von Noten wurde Mühleis schnell zu wenig. Er wollte mitgestalten, selbst entscheiden. Mit ein Grund, weshalb er mit 21 Jahren angefangen hat, zu dirigieren. «Voll und ganz aus Leidenschaft.» Zuerst bei der Musikgesellschaft Grub AR. Danach bei der Melodia in Goldach. Später bei der Bürgermusik Mörschwil und parallel dazu bei der Polizeimusik St. Gallen. Zwischendurch hat Mühleis eine Jugendmusik gegründet: Die regionale Jugendmusik Young Winds.

Die Dirigentenkarriere
begann in St. Gallen

Ivo Mühleis besuchte mit 17 Jahren die Dirigentenkurse des St. Gallischen Musikverbandes. Anschliessend wurde er Trompeter im Militärspiel. Danach fing er in Goldach als Lehrer an. Parallel dazu schloss er die Musikakademie in Zürich ab. Das Dirigentendiplom erlangte er im Jahr 1985. Im Militär schloss er die Spielführerausbildung ab und leitete anschliessend das Thurgauer Regimentsspiel. (shi)

Doch jetzt ist Schluss. Mühleis gibt per Ende Jahr den Dirigierstab ab, im November gibt er mit der Polizeimusik ein Abschlusskonzert. «Ich habe früh mit Dirigieren begonnen und alles immer nach der Musik gerichtet», sagt er.

«Jetzt werde ich bald 60. Jetzt ist genug.»

Doch ganz ohne Musik sein, das könne er nicht. Dafür habe sie einen viel zu grossen Stellenwert in seinem Leben. Weiterhin möchte er als Juror tätig sein. Und später vielleicht wieder projektartig dirigieren oder Vereine coachen. «Das kann ich mir gut vorstellen.» Oder er werde selbst wieder mehr in die eigene Trompete blasen.

Noten und Notizen für das Abschlusskonzert von Mühleis. (Bild: Ralph Ribi)

Noten und Notizen für das Abschlusskonzert von Mühleis. (Bild: Ralph Ribi)

«Ich will wissen, was läuft»

Ivo Mühleis ist Lehrer in Goldach. «Auch das mache ich mit Leidenschaft, weil ich den Kindern etwas mitgeben kann.» Er ist gerne in der Leitungsfunktion, das merkt man auch während des Interviews. Mühl­eis spricht durchdacht, wirkt ehrlich. Doch er würde wohl lieber selbst die Fragen stellen, als sie zu beantworten. Das Heft selber in den Händen halten, die Kontrolle haben.

«Ich glaube schon, dass ich generell eine Leaderfigur bin», sagt er. Auch in seinen Vereinen wollte er immer mitgestalten: «Ich rede gerne mit und will wissen, was läuft.» Diese Eigenschaften nutzte er auch für die Organisation von diversen Musikfesten. Unter anderem war er Leiter des Ressorts Musik beim Eidgenössischen Musikfest 2011 in St. Gallen, bei dem über 20000 Musikanten mitgespielt haben.

Marschwettbewerbe haben ihn besonders bewegt

Blickt Mühleis auf seine musikalische Karriere zurück, kann er von vielen schönen Momenten berichten. Besonders in Erinnerung werden ihm die Marschwettbewerbe bleiben. Wenn dabei etwa die Strassen voller Leute gewesen seien: «Wenn ich dann vorausgelaufen bin und hinten gehört habe: Doch das klingt gut. Dann gibt mir das heute beim Zurückdenken noch Hühnerhaut.»

Musikalische Tiefschläge hatte er nie. Es habe mal Konzerte gegeben, die nicht so gut gelungen sind. «Auch teilweise, weil ich Fehler gemacht habe.» Da habe er sich jeweils aufgeregt. Doch was Mühleis mehr und mehr gestört hat, sind Dinge, die nebenbei gelaufen sind. Oder eben nicht gelaufen sind. Das Vereinsleben, nicht nur in der Musik, werde immer schwieriger. Manche würden nur an die Proben kommen, wenn sie nichts anderes vor hätten.

«Mit dieser Mentalität habe ich Mühe.»

Mühleis habe immer erwartet, dass alle genau die gleiche Leidenschaft an den Tag legen. «Ich musste lernen, dass das nicht der Fall ist. Und, dass es ok ist.»

Die Musikvereine haben es nicht leicht. Vor allem in städtischen Gebieten haben sie wenig Nachwuchs. «Es gibt Vereine, die sehr zu kämpfen haben», sagt Mühleis. Doch es sei regional unterschiedlich. Im Rheintal zum Beispiel, dort hätten sie wahnsinnig viele Junge. «Es gibt sehr viele gute Musikanten, die nachkommen. Diese ziehen auch wieder andere mit.»

Zu Hause ist es ruhig

Je älter er werde, desto mehr suche er die Ruhe, erzählt Mühleis. «Diese finde ich am See oder in meiner zweiten Heimat, in den Dolomiten.» Er besuche zwar gerne Musicals oder Opern. Doch bei ihm zu Hause läuft wider Erwarten keine Musik. «Bei mir ist es eher ruhig.» Das gibt Raum.

Eines der Lieder, die er aber immer wieder gerne höre und auch oft gespielt habe, ist «Music Was My First Love» von John Miles. Auf die Frage, ob bei ihm die Musik auch die erste Liebe war, sagt er: «Ja, doch. Ich glaube schon.»

Hinweis Abschlusskonzert

Konzert «Ich bin dann mal weg»,
2. November, 20 Uhr. Olma-Halle 9.1.2., St. Gallen. Kollekte.

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