Italien eröffnet in St.Gallen Honorarkonsulat für Auslanditaliener

Nach jahrelangem Kampf erhalten Italiener in St.Gallen wieder eine offizielle Anlaufstelle - für viele ist dies jedoch nur ein Etappensieg.

Michael Genova
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Georges Burger ist neuer italienischer Honorarkonsul in St.Gallen: Er unterstützt über 60000 Italiener in der Ostschweiz in administrativen Belangen.

Georges Burger ist neuer italienischer Honorarkonsul in St.Gallen: Er unterstützt über 60000 Italiener in der Ostschweiz in administrativen Belangen.

Bild:Michel Canonica (St. Gallen, 16. Januar 2020)

Der Unmut und die Empörung waren gross, als vor sechs Jahren das italienische Konsulat in St.Gallen geschlossen wurde. Mit Demonstrationen, einer friedlichen Besetzung und Fackelumzügen wehrten sich Italienerinnen und Italiener gegen das Vorhaben aus Rom. Die Proteste stiessen jedoch auf taube Ohren. Der italienische Staat müsse sparen, hiess es lapidar.

Doch die betroffenen Italiener wollten die Schliessung nicht einfach so hinnehmen. Sie schickten unzählige Protestnoten nach Rom und lancierten politische Vorstösse. Mit Erfolg: Am Samstag wird in den neuen Räumlichkeiten im St.Katharinenkloster in St.Gallen das italienische Honorarkonsulat offiziell eröffnet. Der italienische Botschafter in Bern und der italienische Vizeaussenminister geben sich die Ehre. Sergio Giacinti, Präsident des Beirats der Auslanditaliener, sagt:

«Es ist ein Sieg der Vernunft.»

Rom habe schliesslich eingesehen, dass es in St.Gallen ein Bedürfnis für ein eigenes Konsulat gebe.

Ein St.Galler mit italienischen Wurzeln

Neuer italienischer Honorkonsul wird der St.Galler Georges Burger. Er wurde von der italienischen Regierung bereits eingesetzt, und das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten hat die Ernennung bestätigt. Burger ist seit Ende 2017 pensioniert. Zuvor leitete er während 16 Jahren das St.Galler Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes. Für den gelernten Elektroingenieur, der sich als politisch neutral bezeichnet, ist das Ehrenamt auch eine Herzensangelegenheit. Sein Vater war Schweizer, seine Mutter Italienerin aus dem Trentino.

Das Honorarkonsulat berät und unterstützt Auslanditaliener bei der Zusammenarbeit mit schweizerischen Behörden, etwa bei Anträgen und Verlängerungen von italienischen Identitätskarten und Reisepäsen, Visa, Legalisierungen, Beglaubigungen, Anträgen auf Altersrenten, Änderungen in Personenstandsregistern oder der Zustellung von Altersrenten. Beim Aufbau des Honorarkonsulat muss Burger allerdings nicht bei Null anfangen. Er kann sich auf die Vorarbeit des italienischen Kulturzentrums stützen. Dieses sprang 2014 nach der Schliessung des italienischen Konsulats in die Bresche und eröffnete einen konsularischen Schalter. Seither kommt jeweils einmal pro Woche ein Beamter des Generalkonsulats in Zürich für konsularische Dienste nach St.Gallen. Das wird auch in Zukunft der Fall sein.

Die Dienstleistungen werden aber erweitert. So wird der neue Honorarkonsul künftig zum Beispiel eigenständig Beglaubigungen vornehmen können, für die es bislang einen Rechtsanwalt brauchte. Formell bleibt das Honorarkonsulat allerdings dem Generalkonsulat in Zürich unterstellt.

Neben administrativen Aufgaben hat Georges Burger auch eine symbolische Funktion. Als neues Gesicht der Italiener in der Ostschweiz repräsentiert er ein Stück Heimat. Das Konsulat sei eine Plattform, ein wichtiger Orientierungspunkt für viele Auslanditaliener, betont Burger. Als Honorarkonsul soll er sich denn auch für die Verbreitung der italienischen Kultur und Sprache in der Ostschweiz einsetzen.

Der Kampf geht weiter

Die Kosten für das neue Honorarkonsulat trägt das italienische Kulturzentrum. Der Honorarkonsul erhält lediglich eine Spesenentschädigung. Auch deshalb ist für die Auslanditaliener die Eröffnung des Honorarkonsulats nur ein Etappensieg. «Der Kampf geht weiter», sagt Rolando Ferrarese, Leiter des italienischen Kulturzentrums. Vor dem Verwaltungsgericht in Rom ist seit mehreren Jahren eine Klage hängig. Daran werde man festhalten – bis St.Gallen wieder eine vollwertiges Konsulat habe.

Hinweis

Festakt, Sa, 18.1., 15.30 Uhr, Forum St.Katharinen, St.Gallen

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