Interview
«Wir müssen uns nicht verstecken»: Stadtrat Markus Buschor zur Kritik der HEV-Studie

Stadtrat und Baudirektor Markus Buschor antwortet auf die vom städtischen Hauseigentümerverband (HEV) aufgeworfenen Kritikpunkte.

Sandro Büchler
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Stadtrat Markus Buschor, Vorsteher Direktion Planung und Bau.

Stadtrat Markus Buschor, Vorsteher Direktion Planung und Bau.

Bild: PD

Der Hauseigentümerverband kritisiert den Stadtrat harsch. Wie kommt das bei Ihnen an?

Markus Buschor: Der Stadtrat kann mit der Kritik umgehen. Sie ist ja nicht neu. Denn das aktuelle Papier ist ein Update zur früheren Studie. Der HEV kritisiert die gleichen Punkte wie vor drei Jahren. Nicht überraschend ist eine Trendwende in drei Jahren nicht möglich. Dafür überrascht die harsche Kritik des HEV, da wir mit ihm einen regelmässigen Austausch haben. Wir kennen die Probleme und sind an Lösungen dran.

Drei Prozent aller Wohnungen in St. Gallen stehen leer. Das bedeutet doch, dass die Stadt zu wenig attraktiv ist. Wo hapert es?

Die Zahl ist hoch, zweifelsohne. Der Stadtrat hat das Problem erkannt und deshalb vergangenes Jahr in einer Wohnraumstrategie Massnahmen präsentiert. Bis Ende dieses Jahres folgt auch eine Liegenschaftsstrategie. Ein Grund ist sicherlich, dass gerade für Familien attraktiver Wohnraum fehlt. Aber wir verkaufen uns auch schlecht als Stadt. Befragungen haben gezeigt, dass die Leute, die in die Stadt ziehen, diese schlechter bewerten, als zu dem Zeitpunkt, an dem sie die Stadt wieder verlassen. St. Gallen hat seine Qualitäten, aber diese müssen wir bekannter machen. Wir müssen uns nicht verstecken.

Das geplante Busdepot im Lerchenfeld ist laut HEV überdimensioniert und gar nicht nötig, wenn durch ein Hub-System künftig weniger Busse in der Stadt verkehren. Teilen Sie diese Auffassung?

Diese Kritik verstehe ich nicht. Auch die Stadt verfolgt die Hubstrategie zur Lösung der Verkehrsprobleme. Was der HEV dabei jedoch ausblendet: Mit den Hubs würde sicherlich ein grosser Teil der Regiobusse und Postautos nicht mehr ins Zentrum fahren. Diese Fahrzeuge kommen allerdings von aussen. Für die Feinverteilung der Pendlerströme von und zu den Hubs sind weiterhin die VBSG zuständig. Der Bedarf nach Bussen ist nicht nur akut nachgewiesen, sondern auch langfristig – mit der Hubstrategie. Wird das Bahnangebot ausgebaut, könnte die Nachfrage nach Bussen zusätzlich steigen.

Das städtische Liegenschaftsportfolio umfasse einen hohen Anteil an älteren Objekten, sagt der HEV. Die Stadt müsse in Renovationen investieren oder einen Teil davon abstossen, anstatt neue Liegenschaften zu kaufen. Wie beurteilen Sie diese Forderung?

Die Liegenschaftsstrategie, die wir aktuell erarbeiten, soll genau auf diese Fragen Antworten finden. Die Stadt wie auch private Liegenschaftsbesitzer müssen ihre Altbestände renovieren – nur schon wegen des Klimawandels und des Energieverbrauchs. Die Stadt will ihr Liegenschaftsportfolio entwickeln, sich für günstigen Wohnraum einsetzen und eine aktive Wohnungspolitik betreiben. Wichtig ist der Stadt dabei die Sozialverträglichkeit.

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