Interview
«Nur weil zwei Klassen in Quarantäne sind, ist das Schulhaus nicht verseucht»: Wie die Knabenmusik St.Gallen trotz Corona im Schulhaus Spelterini probt

Im Spelterini Schulhaus sind derzeit zwei Klassen in Quarantäne, nachdem sie am obligatorischen Blasmusikunterricht teilgenommen hatten. In der Gruppe von 40 Personen wurde eine Person positiv auf das Coronavirus getestet. Der Verein Knabenmusik St.Gallen probt trotzdem noch im Schulhaus, aber in kleinem Rahmen. Präsident Markus Straub erklärt, wie sich die Formationen organisieren.

Dinah Hauser
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Die Knabenmusik St. Gallen probt im Spelterini Schulhaus.

Die Knabenmusik St. Gallen probt im Spelterini Schulhaus.

Bild: Urs Bucher (20. Juni 2019)

Dem Verein Knabenmusik St.Gallen gehören rund 55 jugendliche Blasmusikantinnen und -musikanten, Tambouren sowie Majoretten an. Letztere betreiben in Uniform einen Formationstanz mit einem kleinen Stab. Vereinspräsident Markus Straub erklärt, wie sich die einzelnen Formationen während der Pandemie proben.

Wie proben die einzelnen Formationen?

Markus Straub, Vereinspräsident Knabenmusik St.Gallen.

Markus Straub, Vereinspräsident Knabenmusik St.Gallen.

Bild: Benjamin Manser

Markus Straub: Seit Januar werden die Majoretten online per Video unterrichtet, da im Bereich Tanz kein direkter Körperkontakt erlaubt ist. Die Tambouren und Bläser proben getrennt nach Instrument in Fünfergruppen inklusive Leiter. Dabei tragen die Tambouren sowie die Leiter Masken. Wer sich krank fühlt, meldet sich ab.

Wo proben die Gruppen?

Teils im Spelterini Schulhaus in der grossen Aula. Dort kann man den Abstand einhalten. Nur weil dort zwei Klassen in Quarantäne sind, heisst das nicht, dass das Schulhaus verseucht ist. Bläser werden teils auch an der Musikschule St.Gallen unterrichtet. Dort kommt deren Schutzkonzept zum Tragen.

Warum betreiben Sie so viel Aufwand?

Kinder und Jugendliche wollen gefördert werden. Sonst geht das Wissen, das Interesse und die Motivation verloren. Es ist wichtig, dass auch sie Erfolgsmomente erleben dürfen und dass sie beschäftigt sind in dieser schwierigen Zeit. Das wollen wir im Rahmen des Möglichen und Erlaubten bieten. Zum anderen konnten wir bis vor kurzem keine Kurzarbeit für die Dirigenten beantragen.

Warum nicht?

Im Gegensatz zum ersten Lockdown sind Treffen bis zu fünf Personen erlaubt. Da hiess es seitens Verwaltung, Proben sei grundsätzlich möglich, die Vereine sollen kreativ sein. Seit Dienstag dürfen nun auch Vereine wieder Kurzarbeit beantragen. Wir werden das aber nicht machen, da wir nun ein geeignetes Konzept gefunden haben.

Inwiefern leidet das Zusammenspiel unter der kleinen Gruppengrösse?

Das leidet schon. Die Kleinformationen bilden aber eine gute Grundlage. Die Register studieren die Stücke ein, können weiter lernen. Wenn dann wieder Veranstaltungen stattfinden dürfen, so können die Leiter die Formationen zusammenführen und in fünf bis sechs Wochen wären wir bereit für ein Konzert mit allen drei Formationen.

Wie sehen Sie die Zukunft des Vereinslebens im Musikbereich?

Nachwuchsprobleme zeichneten sich schon vor Corona ab. Ich befürchte, dass viele Vereine den Betrieb nach der Pandemie nicht wieder richtig hochfahren können, da sich die Mitglieder unterdessen anders orientiert haben. Die Vereine sind auf unseren Nachwuchs angewiesen. Da die Kinder heutzutage viel mehr Auswahl haben, was die Freizeitbeschäftigungen angeht, haben wir immer mehr Mühe, den Nachwuchs für die Musik zu begeistern. Die Konkurrenz ist gross, aber wir blieben dran. Eine weitere Herausforderung wird sein, dass das Virus nicht einfach so verschwindet. Damit müssen wir uns hingegen abfinden.