INTERVIEW
Die Macelleria d'Arte wird am Wochenende zum Filmset – und Galerist Francesco Bonanno zum Schauspieler

Am Samstag finden in der Macelleria d'Arte am Roten Platz Dreharbeiten für die Bodensee-Krimiserie «Schatten im Paradies» statt. Galerist Francesco Bonanno steht vor der Kamera.

Luca Ghiselli
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Francesco Bonanno in der Macelleria d'Arte am Roten Platz.

Francesco Bonanno in der Macelleria d'Arte am Roten Platz.

Bild: Arthur Gamsa

Langsam kehrt das Leben in die Stadt zurück, mit jedem Lockerungsschritt rückt die Normalität näher. Francesco Bonanno hat seine Kunstgalerie Macelleria d'Arte an der Gartenstrasse aber immer noch geschlossen. Zu streng waren bisher die behördlichen Auflagen, zu eng der Platz in der schmalen, zweistöckigen Galerie.

Am Samstag wird die «Macelleria» aber wohl zum ersten Mal seit langem wieder aus allen Nähten platzen. Nicht wegen Kunstinteressierten aus dem echten Leben, sondern wegen eines Filmdrehs. Die Bodensee-Krimireihe «Schatten im Paradies» dreht für ihre nächste Staffel in der Galerie von Francesco Bonanno. Der Chef steht für die Szene gleich selbst vor der Kamera. Er spielt, wen wundert's, einen Galeristen. Und: Er stellt beim Dreh seine eigenen Bilder aus, die er während des Lockdowns gemalt hat. Die echte Vernissage folgt dann am 2. Juli mit einer Laudatio des Appenzeller Kabarettisten Simon Enzler.

Haben Sie Schauspielerfahrung?

Francesco Bonanno: Das Leben ist doch das grösste Schauspiel! (lacht) Ich habe am Roten Platz eigentlich fast jedes Wochenende einen Film vor der Tür.

Aber für einen Spielfilm stehen Sie am Samstag zum ersten Mal vor der Kamera.

Ja, das gibt eine persönliche Premiere. Für Dokumentationen stand ich auch schon vor der Kamera. Aber eigentlich habe ich mit der Schauspielerei gar nichts am Hut, und mit Krimis auch nicht. Aber ich wurde von den Produzenten der Krimireihe angefragt, ob sie in der Macelleria drehen können. Wie sie auf mich kamen, weiss ich auch nicht.

Und Sie haben gleich zugesagt?

Nein, im Gegenteil. Ich habe zunächst sogar abgesagt. Aber die Produzenten haben mich dann doch überzeugt.

Warum?

Ich kann gut verstehen, dass die Macher der Krimiserie am Roten Platz drehen wollen. Es ist ein wunderbarer Ort. Und das Konzept der Serie hat mich überzeugt: Es geht nicht nur um Blut, Mord und Totschlag, sondern die Bodenseeregion wird in ihrer ganzen Vielfalt und Pracht gezeigt. Und da dürfen die Macelleria und der Rote Platz nicht fehlen.

Sie spielen einen Galeristen.

Genau, ich veranstalte in der Szene eine Vernissage. Das passt ja super zu mir. Mit Vernissagen habe ich Erfahrung – ich habe schon weit über 500 Stück durchgeführt.

Also mussten Sie nicht viel Text einstudieren?

Nein, ich habe das Skript zwar studiert. Ich versuche aber, möglichst spontan zu sein und mich selbst zu bleiben.