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Gossau im Zweiten Weltkrieg: Internierte, Flüchtlinge und Liebhaber

Gossau nahm während des Zweiten Weltkriegs zahlreiche ausländische Personen auf. Trotz anfänglichem Widerwillen und Verboten kam es zwischen ihnen und der Gossauer Bevölkerung zu intensiven und langjährigen Beziehungen.
Maria Keller

Die Genealogisch-Heraldische Gesellschaft Ostschweiz beschäftigt sich mit allen Aspekten der Familienforschung. «Heute soll es darum gehen, wie die Leute in naher Vergangenheit lebten. Auch wir müssen nicht immer Jahrhunderte zurückgehen.» Dies stellt Wolf Seelentag, Vizepräsident der Vereinigung, zu Beginn der Veranstaltung am vergangenen Samstag klar. Vor rund 20 Mitgliedern des Vereins und geladenen Gästen hält der Lokalhistoriker Karl Schmuki im Restaurant Toggenburg einen Vortrag. Das Thema: Flüchtlinge und Internierte in Gossau während des Zweiten Weltkriegs.

Karl Schmuki setzt sich schon seit über zehn Jahren mit der Frage auseinander, welche Rolle Gossau im Zweiten Weltkrieg spielte. Ab 2002 veröffentlichte er mehrere Aufsätze dazu in den «Oberberger Blättern». Die Recherche ergänzte Schmuki durch Interviews mit Betroffenen und Angehörigen. «Ein paar Jahre später wäre dies nicht mehr möglich gewesen, denn bald wird es vermutlich keine lebenden Zeugen mehr geben.»

Beziehungen und Fahrradfahren verboten

Der Gossauer Lokalhistoriker Karl Schmuki

Der Gossauer Lokalhistoriker Karl Schmuki

Das Referat ist nach den drei Gruppen, die in Gossau stationiert waren, eingeteilt; jüdische Emigranten, internierte polnische Soldaten und geflüchtete Evadés aus dem britischen Commonwealth. Sie alle wurden in der Zeitspanne zwischen 1938 und 1944 in Gossau aufgenommen. In der Regel nicht mit Freude und eher widerwillig, wie Schmuki sagt. Dies bestätigt das Protokoll des Gemeinderats jener Zeit. «Wirtschaftlich ist von den Polen nichts zu erwarten», zitiert Schmuki. Zum Aufenthalt der jüdischen Flüchtlinge liest sich nach Kriegsende: «Viele haben sich keine Mühe gegeben, sich anzupassen.»

Den Weisungen der Bundesbehörde war jedoch ohne Widerrede Folge zu leisten. Der sogenannte «Orange»-Befehl von 1941 verbot offiziell jegliche Art von Beziehungen der Zivilbevölkerung zu den Internierten. Darin enthalten war beispielsweise auch das Verbot, Fahrrad zu fahren. Diesen obrigkeitlichen Anordnungen zum Trotz bildeten sich intensive gegenseitige Kontakte zwischen Gossauern und Internierten, die teilweise jahrzehntelang anhielten.

Ein britischer Geflüchteter bezeichnete den Aufenthalt in Gossau im Vergleich zu seiner Kriegsgefangenschaft in Italien als «Paradies». Viele der Briten, die sich zwischen September 1943 und Oktober 1944 in der Schweiz aufhielten, konnten sich schnell assimilieren. Es gab Fussballspiele und Schwimmwettkämpfe gegen die Gossauer. Gar eine Zeitung für «British Troops in Switzerland», die «Marking Time», wurde wöchentlich gedruckt, und eine Marmortafel mit Gravur mit dem Dank der Briten an die Gossauer Bevölkerung ist noch heute aussen am alten Gemeindehaus angebracht.

Im Raum ist immer wieder überraschtes Gemurmel zu hören, wenn ein alteingesessener Gossauer einen Namen aus der Stadt in den Ausführungen Schmukis wiedererkennt.

Heimliche Treffen am Gübsensee

So etwa, als der Historiker den Namen einer heute beinahe 100-jährigen Gossauerin erwähnt. Sie verliebte sich in einen internierten Soldaten aus England und heiratete ihn Ende 1945. Damit war sie nicht allein. Schmuki erzählt Anekdoten von Liebeleien zwischen Gossauerinnen und polnischen und britischen Soldaten und zeigt dazu Hochzeitsfotos sowie Schnappschüsse von heimlichen Treffen der Liebespaare am Gübsensee. «Die Polen galten als viel galanter als unsere Schweizer Männer», zitiert er eine junge Schweizer Frau von damals.

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