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St.Galler Internetbetrüger muss ins Gefängnis

Ein in St. Gallen wohnhafter Österreicher soll im Internet für rund 36000 Franken diverse Waren auf falschen Namen und fiktive Adressen bestellt haben. Er bestritt die Vorwürfe, doch das Gericht glaubte ihm nicht.
Claudia Schmid
Ein 51-Jähriger kaufte während rund neun Monaten unter falschen Namen und Adressen im Internet ein. (Bild: Getty Images)

Ein 51-Jähriger kaufte während rund neun Monaten unter falschen Namen und Adressen im Internet ein. (Bild: Getty Images)

Zwischen Oktober 2015 und August 2016 trieb in St. Gallen ein Internetbetrüger sein Unwesen. Seine Einkaufsliste war lang: Sie reichte von Möbeln über Badearmaturen, Satellitenschüsseln, Kleidern und Kosmetikartikeln bis zu einem iPad.

Insgesamt tätigte der Mann 96 Bestellungen bei verschiedenen Online-Versandhäusern. Der Internetbetrüger errichtete zunächst mehrere E-Mail-Konten teilweise auf fiktive, teilweise auch auf fremde, existierende Namen. Anschliessend eröffnete er Kundenkonten bei diversen Online-Versandunternehmen.

Er begann auf Rechnung Waren zu bestellen und gab dabei Adressen in der Umgebung seiner Wohnung an. Zum Teil suchte er dazu leer stehende Briefkästen, bestückte sie mit Namenskärtchen und platzierte den Hinweis, die Pakete könnten abgelegt oder im Milchkasten deponiert werden. Mit Hilfe der Sendungsverfolgungsnummer erfuhr der Internetbetrüger die jeweiligen Zustellungszeiten.

Die Untersuchungsbehörden wurden auf den Internetbetrüger aufmerksam, weil eine Frau sich an die Polizei gewandt hatte. Sie meldete, dass ihr Versandhäuser mehrere Pakete zugestellt haben wollten, obwohl sie nichts bestellt hatte. Einige Zeit später erwischte die Polizei den Beschuldigten, als er aus dem Milchkasten der Frau ein frisch geliefertes Paket abholte.

Der 51-jährige Beschuldigte, der sich vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten musste, war kurz nach seiner Verhaftung geständig und gab an, er sei Kleptomane. Später bestritt er jegliche Schuld. Er sei mit dem Paket auf dem Weg zum Polizeiposten gewesen, erzählte der Österreicher an der Gerichtsverhandlung. Der wahre Täter sei ein Mitbewohner, den er für einige Monate als Untermieter beherbergt habe. Dieser sei eines Tages ohne Ankündigung verschwunden. Er habe die Schuld zuerst auf sich genommen, weil der Mitbewohner gedroht habe, er bringe seine Freundin um, falls er irgendetwas gegen ihn unternehme.

Eindeutige Hinweise auf dem Mobiltelefon

Der Staatsanwalt taxierte die Unschuldsbeteuerungen als Schutzbehauptung. Es sei nicht erwiesen, dass es den ominösen Mitbewohner überhaupt gebe. Zahlreiche der bestellten Artikel seien in der Wohnung aufgefunden worden, teilweise noch in der Originalverpackung. Zudem habe man auf dem Mobiltelefon eindeutige Hinweise auf den Beschuldigten als Täter gefunden. Als Strafmass verlangte der Staatsanwalt eine unbedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Der bedingte Strafvollzug könne nicht gewährt werden, weil der Mann bereits 2004 in seiner Heimat wegen schweren gewerbsmässigen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden sei.

Der Verteidiger verlangte einen Freispruch von Schuld und Strafe, da erhebliche Unklarheiten in diesem Fall bestünden. So habe beispielsweise die Staatsanwaltschaft den Mitbewohner nicht ausfindig machen können. Im Falle eines Schuldspruchs dürfe die Strafe nicht mehr als zehn Monate bedingt betragen. Der Deliktsbetrag sei zwar mit 36 000 Franken nicht Nichts, aber doch nicht so hoch wie bei einem schweren Betrugsdelikt.

Für das Kreisgericht bestand kein Zweifel an der Schuld des Österreichers. Er sei in flagranti mit einem Paket erwischt worden. Auf den Klebestreifen mit den fiktiven Namen an den Briefkästen seien seine Fingerabdrücke gefunden worden. Zudem gebe es verschiedene Dokumente, die eindeutig auf den Beschuldigten als Täter hindeuteten. Das Gericht verurteilte ihn wegen gewerbsmässigen Betrugs zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Sechs Monate davon muss er im Gefängnis verbringen. Zudem wurden ihm die Verfahrenskosten von rund 25 000 Franken auferlegt.

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