Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

In Rorschach helfen pensionierte Lehrmeister Flüchtlingen ins Berufsleben

Der Verein Lern Etwas bereitet Flüchtlinge auf Berufspraktika vor. Das Besondere daran ist, dass die Kurse von Senioren geleitet werden. Damit möchten sie die jungen Leute von der Strasse holen.
Ines Biedenkapp
Zwei der acht Flüchtlingen aus dem Kurs, deinstallieren einen Schaltkreis. (Bild: Ines Biedenkapp)

Zwei der acht Flüchtlingen aus dem Kurs, deinstallieren einen Schaltkreis. (Bild: Ines Biedenkapp)

Lachend unterhalten sich die jungen Flüchtlinge mit ihren Betreuern Anton Ziltener und Franz Granwehr. Stolz zeigen sie ihnen die Fortschritte an ihren selbst gebauten Bilderrahmen, oder fragen vorsichtig nach, wie sie Schaltungen an der Wand montieren können.

Die beiden Pensionierten kümmern sich um jeweils eine Gruppe von acht Flüchtlingen, die sich für die Kurse Betriebshelfer Montage-Elektrik oder Holzverarbeitung über das Projekt Lern Etwas eingeschrieben haben. Neben Deutsch und Mathekursen, bekommen die Männer aus Syrien, Eritrea oder Afghanistan Wörter und Grundlagentechniken im Bereich Elektro und Schreinerhandwerk vermittelt.

Unterricht soll Praxis vermitteln

«Wir möchten damit den Flüchtlingen den Einstieg in das Berufsleben erleichtern», erklärt Anton Ziltener, Gründer des Vereins, das Konzept. «Wir wollen erreichen, dass sie die Begriffe und gewisse Arbeitsabläufe bereits kennen und sich in einem späteren Praktikum integrieren können.»

Über vier Wochen kommen die acht jungen Männer täglich in die Räume der Mariabergstrasse 21 in Rorschach. Dort findet der Einführungskurs statt. Neben Begriffserklärungen konstruiert die Gruppe unter Anleitung etwa einen Bilderrahmen, ein Teelicht mit integriertem Zündholzhalter oder auch einen kleinen Stuhl. Die Schüler des Elektrokurses lernen einfache Schaltkreise zu montieren, Kabel zu verlegen oder auch Fräsarbeiten an der Wand durchzuführen.

Sie kommen aus dem ganzen Kanton

Dafür hat das Team des Vereins im ersten Stock des Gebäudes die Räume als Klassenzimmer und einem Werkraum für die Schreiner umfunktioniert. Ein Stockwerk weiter unten üben die angehenden Elektriker das Verlegen von Leitungen und das Montieren von Schaltungen.

Um bei Lern Etwas teilzunehmen, reisen die Flüchtlinge aus dem ganzen Kanton an. Nach vier Wochen Einführung wechseln die etwa 23 bis 30 Jahre alten Männer in ein Praktikum. Dies dauert fünf Monate und kann in einer Schreinerei, einer Zimmerei oder einem Fensterbau-Betrieb absolviert werden. Die Betriebshelfer Montage-Elektrik wechseln zu einem Installationsunternehmen.

Während der fünf Monate Praxis kommen die Flüchtlinge weiterhin einmal die Woche zu Lern Etwas in den Unterricht. «Die jungen Männer wachsen einem schon ans Herz», sagt Anton Ziltener.

«Es fällt einem dann schon fast schwer, sie in das Praktikum ziehen zu lassen.»

Forugh Rezwan kommt ursprünglich aus Afghanistan. Der 26-Jährige besucht derzeit den Elektrikkurs. «Ich mag den Beruf», sagt er. «Es ist sehr spannend und man arbeitet eigentlich jeden Tag an einem anderen Ort.» Im Vergleich dazu wäre Büroarbeit zu langweilig. Auch Filimon Testalem schätzt die Vielfältigkeit, die einem das Handwerk ermöglicht. Der 21-jährige Eritreer hat sich für den Holzkurs entschieden. «Die Schreinerei ist sehr interessant.»

Jeden Tag an einem anderen Ort

Der Syrer Mohamad Ramadan möchte gar beide Berufe verbinden. «Früher war ich Schreiner», sagt der 26-Jährige. «Ich habe mich hier angemeldet, um einen neuen Beruf dazu zu lernen und es macht viel Spass.»

Der Eritreer Filimon Testalem hat sich für den Holzkurs entschieden. (Bild: Ines Biedenkapp)

Der Eritreer Filimon Testalem hat sich für den Holzkurs entschieden. (Bild: Ines Biedenkapp)

Die Idee kam dem Gründer des Projekts, Anton Ziltener, im Dezember vergangenen Jahres. Der 73-jährige Rorschacher war oft für die Stiftung Swisscontact als Senior Expert in Afrika unterwegs und realisierte verschiedene Projekte, um Schreinern dort zu helfen. Doch er wollte die Hilfe nicht nur in der Ferne, sondern direkt vor der Haustür anbieten.

Damit begann die Suche nach einer geeigneten Unterkunft und Partnern. Gefunden hat er diese im Zwischennutzungsprojekt 1000 Quadratmeter von Isa Stürm, mit dem die Räumlichkeiten in Rorschach gesichert waren und den Quartierschulen, um den Deutsch und Matheunterricht zu organisieren. Weiter wird der Verein durch die Lienhard-Stiftung unterstützt und steht unter dem Patronat des Verbands der Schreinermeister und Möbelfabrikanten des Kantons St. Gallen. «Der Beginn war aber auch ein Lernprozess für uns», sagt der Schreinermeister.

«Mittlerweile sind wir neun Monate und drei Kurse an Erfahrung reicher.»

Aufgrund der guten Nachfrage wurde das Konzept um einen Elektrokurs erweitert. Franz Granwehr aus Eggersriet unterrichtet nun zusammen mit drei Kollegen die Grundlagen der Elektrik. Der 70-Jährige hat sich aus zwei Gründen entschlossen mitzumachen: «Auf der einen Seite kann man so die aktive Integration fördern, und zum anderen kann man damit den eigenen Berufsstand stärken und Nachwuchs ausbilden», sagt er.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.