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Immer mehr Open-Air-Besucher übernachten lieber im Hotel als im Zelt

Feiern ja, aber bitte ohne Verzicht auf Luxus: Immer mehr Besucher des Open Air St.Gallen übernachten im Hotel anstatt auf dem Gelände. Jetzt reagieren die Veranstalter mit einem neuen Angebot.
Seraina Hess
Am meisten Zelte im Sittertobel gab’s 2008, am wenigsten 2018. (Bild: Ralph Ribi/29. Juni 2018)

Am meisten Zelte im Sittertobel gab’s 2008, am wenigsten 2018. (Bild: Ralph Ribi/29. Juni 2018)

Urs Majer staunte, als vor 18 Jahren zwei Besucher des Open-Air St.Gallen mit schlammverschmutzten Gummistiefeln früh morgens in ihr Hotelzimmer stolperten. Die Reinigung habe zwei Tage in Anspruch genommen, erinnert sich der Präsident von Hotellerie Ostschweiz, der von 1998 bis 2015 das «Walhalla» führte. «Passiert ist uns das nur einmal, danach haben wir an den Open-Air-Wochenenden immer eine Schleuse eingerichtet, in der sich die Festivalbesucher ihrer Kleidung entledigen konnten.» Das Hotel habe diese anschliessend kostenlos gereinigt. «Viele sind nur noch in Unterhosen ins Zimmer gelangt», erzählt Majer. Die Aktion habe sich bewährt, denn seit dem Millennium hätten die Buchungen durch Musikfans, die im Sittertobel zwar feiern, aber nicht campieren möchten, Jahr für Jahr zugenommen.

Nur sechs von zehn Besucher zelten im Tobel

Das einfache Festivalleben sei inzwischen vielen nicht mehr komfortabel genug, bestätigen die Veranstalter. Letztes Wochenende haben 60 Prozent der insgesamt 27000 Gäste im Sittertobel übernachtet – die tiefste Zahl seit der Jahrtausendwende. Zum Vergleich: 2007 und 2009 waren mit jeweils über 80 Prozent Spitzenreiter, 2008 bleibt mit 87 Prozent ungeschlagen. Einen grösseren Knick gab es 2013, als bei tiefen Temperaturen vier Tage lang Regen fiel. Immerhin campierten damals noch knapp über 70 Prozent auf dem Gelände.

Früher habe sich die Frage nach dem Übernachtungsort aufgrund der eingeschränkten Zugverbindungen gar nicht gestellt, sagt Open-Air-Mediensprecherin Sabine Bianchi. Doch die Entwicklung sei nicht nur auf Verbesserungen im öV zurückzuführen: «In den letzten beiden Jahren hat es geregnet, was ein paar Besucher heuer davon abgehalten haben dürfte, auf dem Gelände zu zelten, obschon das Wetter wunderbar war.» Zudem würden sich gerade jüngere Menschen immer mehr gönnen und in einem Hotel oder zumindest in einem bequemen Bett schlafen wollen.

Vierzig bis fünfzig Paar Gummistiefel im Windfang

Die Organisatoren liegen mit dieser Vermutung offenbar richtig. Sabrina Jakob aus Zürich feierte mit ihrem Freund Stefan Studer am Samstagabend im Sittertobel und übernachtete anschliessend im Hotel Einstein. «Als ich jünger war, habe ich natürlich aufgrund des Budgets auf dem Gelände gezeltet.» Heute sei ihnen der Komfort das Geld wert: «Ein Bett, eine Dusche, Frühstück – das ist schon angenehm», sagt die 25-Jährige. Beim Brunch am Sonntagmorgen habe sich durch die vielen Open-Air-Bändel um die Handgelenke der Gäste herausgestellt, dass das Paar bei weitem nicht das einzige ist, das so denkt.

Im Hotel Einstein bemerke man die Entwicklung seit Jahren. Vergangenes Wochenende seien aber die ersten ausgebuchten Open-Air-Tage gewesen – ziemlich sicher aufgrund der komfortliebenden Festivalgänger, vermutet Frontoffice-Mitarbeiterin Zita Frei.

Für die Musikfans noch etwas günstiger gelegen und deshalb seit jeher ausgebucht ist das Hotel Säntispark in Abtwil, das vor der Erweiterung vor knapp fünf Jahren vor allem Fernsehteams, Musikern und Festival-Arbeitskräften als Unterkunft diente. «Mit gut 40 bis 50 Paar Gummistiefeln im Windfang müssen wir inzwischen rechnen», sagt die stellvertretende Direktorin Erna Fehr.

Testlauf mit schmucken Zweibett-Hüttchen

Auf die Entwicklung haben die Veranstalter am Wochenende bereits reagiert, wenn auch vorerst nur mit einem Testlauf. Zum ersten Mal gab es ein sogenanntes Pop-up-Camping in Zusammenarbeit mit dem TCS: Fünf Hüttchen mit je zwei Betten. «Dieses Jahr haben wir die Plätze noch verlost, doch aufgrund der grossen Nachfrage könnten wir uns vorstellen, das Angebot 2019 durch einige Hüttchen zu erweitern und im Verkauf anzubieten», sagt Bianchi. Dabei soll es sich aber keinesfalls um Angebote im Luxus-Segment handeln wie etwa am Open Air Frauenfeld mit den Premium Tents, Lofts und Mansions. «Das passt nicht zum Open Air St. Gallen.» Inklusivleistungen der TCS-Hüttchen sind Duvets, Gestell, Ventilator sowie ein Dusch- und WC-Container, der mit den anderen Hüttenbewohnern zu teilen ist.

Preise für das Übernachtungsangebot wurden bisher noch nicht definiert. Beliebt sein dürften die Hütten aber allemal. Am bevorstehenden Open Air Frauenfeld sind selbst die Luxus-Lofts für zwei Personen ausverkauft – mit einem stolzen Preis von 1800 Franken pro Festival.

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