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Glosse

Innehalten am Loch: Warum der Stau Wittenbach guttut

Seit gut zwei Wochen gibt es auf der einseitig befahrbaren Romanshorner Strasse Stau zu den Stosszeiten. Wegen der eher kurzen Wartezeit braucht man sich nicht zu ärgern – unbefriedigend ist die Situation aus einem anderen Grund.
Adrian Lemmenmeier
Zu Stosszeiten steht Wittenbach derzeit still. (Bild: PD)

Zu Stosszeiten steht Wittenbach derzeit still. (Bild: PD)


Der linke Fuss ist schon ganz kribbelig. Stets vibriert das Kupplungspedal an der Schuhsohle. Zwanzig Meter fahren, dann wieder Stopp. Draussen zieht Wittenbach im Schritttempo vorbei. Der Rhythmus der Scheibenwischer mischt sich mit jenem des Pop-Songs im Radio.

Normalerweise legen Autofahrer keine Pause ein, wenn sie durch das Wittenbacher Zentrum fahren. Schon gar nicht, wenn sie nach Feierabend einfach nur nach Hause wollen, in eines der vielen Dörfer zwischen der Stadt St.Gallen und dem Bodensee.

Doch dieser Tage ist es anders. Seit gut zwei Wochen zieht sich zu Stosszeiten der Stau durch die Vorortsgemeinde. Mehr als man es in Wittenbach ohnehin kennt. Morgens. Mittags. Abends. Mal erstreckt sich die Schlange von der Baustelle beim Oedenhof bis runter zum neuen Migros-Provisorium, also über gut einen Kilometer. Mal von der Baustelle hoch zum Restaurant Rössli.

Grund ist die einspurige Verkehrsführung zwischen der Bauholzstrasse und der Bahnhofstrasse. Lichtsignale regeln die Vorfahrt. Der Stau, der dadurch entstehe, sei unbefriedigend, schreibt die Gemeinde im Mitteilungsblatt. Man sei bemüht, die Beeinträchtigungen gering zu halten. In den sozialen Medien tauchen derweil Bilder festgefahrener Blechkolonnen auf.

Unbefriedigend? Vielleicht. Natürlich kommt man im Stau schlechter voran. Doch wem die Halsschlagader anschwillt, weil er drei Minuten an der Ampel warten muss, sollte allein zum Stressabbau öfter mal einen Fussmarsch einlegen. Länger muss man an den Lichtsignalen nämlich nicht warten. Zumindest nicht an diesem Abend.

Vielleicht hat dieser Stau für Wittenbach auch Vorteile. Welcher Thurgauer schaut denn sonst in die Auslagen der hiesigen Geschäfte an der Romanshorner Strasse? Welcher Auswärtige hat denn gewusst, dass hier Maniküre, Velos oder Orientteppiche angeboten werden?

Die jetzige Verkehrssituation ist aber aus einem anderen Grund unbefriedigend. Die Lichtsignale sind nämlich so positioniert, dass man just dort, wo es interessant wird, wieder beschleunigen muss. Schliesslich klafft derzeit anstelle der ehemaligen Migros Oedenhof ein Loch, so gross wie eine Dreifachturnhalle. Hier entsteht der achtstöckige Turm der Migros. Intuitiv hebt sich der Kopf eines jeden Fahrers, intuitiv will man in die riesige Grube schauen. Doch man muss Gas geben, muss seine Neugierde dem Verkehrsfluss opfern.

Dabei bietet die Grube einen herrlichen Anblick. Am Rand sind noch die Wände der alten Migros zu sehen, noch erkennt man Räume des ehemaligen Kellers. Der hintere Teil ist hüfttief mit Regenwasser gefüllt. Ein azurblauer Baustellentümpel glitzert im Abendlicht. Ein Facebook-Nutzer hat die Szene treffend beschrieben. «Das Zentrums-Schwimmbad steht. Coole Migros.»

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