Interview

Infrastrukturprojekt im Wittenbacher Quartier Oberwiesen wird teurer +++ Der Gemeindepräsident sagt: «Das ist sehr bedauerlich»

Im Rahmen der Kanalisationsanierung und der Einführung des Trennsystems im Gebiet Oberwiesen ist es erneut zu einer Kostenüberschreitung gekommen. Bereits 2018 musste ein Nachtragskredit über 911'000 Franken gesprochen werden. Wie viel teurer es dieses Mal wird, prüft nun eine Arbeitsgruppe.

Perrine Woodtli
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Im Gebiet Oberwiesen in Wittenbach wurde während mehr als zwei Jahren alle Strassen saniert und die Leitungen ersetzt. Das kostet die Gemeinde nun mehr als gedacht.

Im Gebiet Oberwiesen in Wittenbach wurde während mehr als zwei Jahren alle Strassen saniert und die Leitungen ersetzt. Das kostet die Gemeinde nun mehr als gedacht.

Michel Canonica (13. April 2017)

Während zweieinhalb Jahren verwandelte sich zwischen April 2017 und Spätsommer 2019 das Quartier Oberwiesen in eine Baustelle. Die Gemeinde Wittenbach realisierte dort mehrere Teilprojekte. Unter anderem wurden Strassen saniert, Leitungen neu verlegt und ersetzt, Hausanschlüsse erneuert sowie ein Abwassertrennsystem gebaut. Die Wittenbacher genehmigten für das Infrastrukturprojekts 2016 knapp 3,3 Millionen Franken.

Dass diese nicht ausreichen, zeigte sich Ende 2018, als bekannt wurde, dass das Projekt knapp eine Million teurer wird. Der Gemeinderat genehmigte einen Nachtragskredit in der Höhe von 911'000 Franken. Es sollte nicht der letzte sein, wie sich nun herausstellt. Gemeindepräsident Oliver Gröble nimmt Stellung.

Der Gemeinderat informiert im aktuellen «Gemeindepuls» über eine weitere Kreditüberschreitung beim Projekt Oberwiesen. Ein Betrag wird nicht genannt. Über wie viel Geld reden wir hier?

Oliver Gröble, Gemeindepräsident von Wittenbach.

Oliver Gröble, Gemeindepräsident von Wittenbach.

Bild: Urs Bucher

Oliver Gröble: Das kann ich nicht sagen. Wir prüfen die Kostenüberschreitung noch. Wenn ich jetzt eine Zahl nenne und diese, sobald wir alles detailliert angeschaut haben, eine andere ist, ist das nicht gut. Das verwirrt die Leute. Mir ist es ein Anliegen, dass wir die Situation nun seriös analysieren und dann transparent informieren.

Wie sehr ärgert Sie das Ganze?

Es ist sehr bedauerlich. Umso wichtiger ist es nun, herauszufinden, wie das passieren konnte. Die Bauverwaltung hat die Kostenüberschreitung Ende Dezember festgestellt. Der Gemeinderat hat sich mit der Infrastrukturkommission besprochen und eine Arbeitsgruppe beauftragt, den Sachverhalt, die genaue Kreditüberschreitung sowie die interne und externe Verantwortlichkeit zu klären. Ohne Corona wären wir schon weiter mit der Aufarbeitung. Ich bin aber überzeugt, dass wir Ende Mai Genaueres wissen.

Aus wem besteht diese Arbeitsgruppe?

Aus mir, einer Vertretung der Geschäftsprüfungskommission und der Bauverwaltung sowie einer externen Fachperson. Ich wollte einen Baujuristen beiziehen, jemanden, der Erfahrung mit entsprechenden Verfahren und Bauthemen hat.

Bereits 2018 war ein Nachtragskredit von fast einer Million Franken nötig. Damals hiess es, man werde das Ganze kritisch analysieren, den Prozess der Kostenkontrolle verfeinern und aus der Situation lernen. Hat man das nicht?

Wir haben bis Ende 2019 ein neues Instrument für die Kostenkontrolle konkretisiert. Auf meinen Auftrag hin werden nun generell bei grösseren Projekten der aktuelle Stand der Mehr- und Minderausmasse, Regieaufträge und Nachtragsofferten in die Kostenrechnung einfliessen. Zudem wird für alle relevanten Konten ein Trimesterbericht erstellt. Beim Projekt Oberwiesen wissen wir noch nicht, wo der Fehler dieses Mal lag. Es ist ein komplexes Projekt.

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