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Influencerin als Wachsfigur: St.Galler Museum wagt einen frischen Blick auf Asien

Ein neuer Ausstellungssaal im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen zeigt die Vielfalt Asiens von Buddha bis zum Game Boy. Das schrillste Objekt ist eine indonesische Influencerin aus Wachs.
Roger Berhalter
Das Original (rechts) und der Zwilling aus Wachs: Zur Asienausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum gehört auch die Modebloggerin Diana Rikasari. (Bilder: Michel Canonica)

Das Original (rechts) und der Zwilling aus Wachs: Zur Asienausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum gehört auch die Modebloggerin Diana Rikasari. (Bilder: Michel Canonica)

Die Handyabdeckung ist identisch, die Brille stimmt ebenfalls. Wenn sich Diana Rikasari neben ihr Ebenbild aus Wachs stellt, muss man genau hinschauen, um die Unterschiede zu erkennen. Die indonesische Modebloggerin und ist Teil der neuen Asienausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum – der schrillste Teil. Zur Medienkonferenz kommt die 34-Jährige in einem rosaroten Kätzchen-Kleid und schwarzen Netzstrümpfen sowie unzähligen Smileys auf Schuhen, Ohrringen und Oberteil.

Dieser Auftritt ist typisch für sie. Hierzulande ist Rikasari kaum bekannt, in Asien hingegen ist sie ein Modestar. Mit «Schmiley Mo» und «Up» führt sie zwei eigene Marken, auf Instagram folgen ihr eine Viertelmillion Interessierte. Ihre Fotogalerie dort ist bunter als ein Regenbogen.

Jeanne Fichtner-Egloff betreut die Asiensammlung des Museums.

Jeanne Fichtner-Egloff betreut die Asiensammlung des Museums.

«Diana Rikasari personifiziert für mich das, worum es in der Ausstellung geht: Das Spiel der Kulturen», sagt Jeanne Fichtner-Egloff, die Kuratorin der Asiensammlung, die den neuen Ausstellungssaal entworfen hat. Die Indonesierin spiele in ihrer Mode mit Farben und Formen und bewege sich zwischen den Kulturen. Fichtner zieht Parallelen zu den traditionellen japanischen Unterhaltungskünstlerinnen: «Heute gibt es die Influencerinnen, vor 200 Jahren waren es die Geishas, an denen sich die Jugend orientierte.»

Schattentheater, Domino und andere Spiele

Die Wachsfigur von Rikasari steht in Selfie-Pose am Ende des neuen Ausstellungssaals. Sie schlägt zusammen mit einer Pokemon-Figur und einem Game Boy den Bogen zur Gegenwart. Der Museumsbesucher betritt den Raum aber von der anderen Seite und trifft zunächst Traditionelles an: Buddha-Figuren und Handschriften, von einem Zauberbuch aus Sumatra bis zu einem singhalesischen Palmblatt-Manuskript. Ein Beamer projiziert einen Kurzfilm an die Wand, in dem 20 in der Ostschweiz lebende Asiatinnen und Asiaten in ihrer Sprache «Grüezi» sagen.

Jeanne Fichtner-Egloff erzählt von der Unmöglichkeit, einen ganzen Kontinent in nur einem Saal darzustellen. «Dafür ist Asien viel zu vielfältig.» Dennoch hat die Kuratorin es versucht. Statt Asien geografisch, also Land für Land abzuhandeln, oder aber chronologisch von früher bis heute, habe sie sich für einen thematischen Zugang entschieden. Anhand des Oberthemas «Spiel» können die Ausstellungsbesucher in die Vielfalt Asiens eintauchen und beispielsweise indonesisches Schattentheater oder ein chinesisches Domino ausprobieren.

Einmal echt, einmal künstlich: In der Ausstellung ist auch die indonesische Modebloggerin Diana Rikasari (rechts) als Wachsfigur zu sehen. Einmal echt, einmal künstlich: In der Ausstellung ist auch die indonesische Modebloggerin Diana Rikasari (rechts) als Wachsfigur zu sehen.
Jeanne Fichtner-Egloff betreut die asiatische Sammlung des Museums und hat auch den neuen Ausstellungssaal entworfen.Jeanne Fichtner-Egloff betreut die asiatische Sammlung des Museums und hat auch den neuen Ausstellungssaal entworfen.
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Spielerischer Zugang zu Asien im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen

Ein Wunschbaum wächst aus der Vitrine

Der neue Asiensaal ist luftiger und heller denn je. Die alten Vitrinen sind zwar noch da, wurden aber aufgefrischt und teilweise sogar aufgebrochen. So scheint mitten im Raum ein drei Meter hoher Baum aus einer Vitrine zu wachsen. Museumsbesucher können dort nach asiatischem Brauch einen Wunsch notieren, der anschliessend an einem Ast befestigt wird. Auch Diana Rikasari hat einen Wunsch deponiert: Sie wünscht sich eine nettere, glücklichere Welt voller Liebe.

Nachgefragt: "Ich habe jetzt einen Zwilling"

Diana Rikasari, Sie stammen aus Indonesien, leben in Lausanne und stehen nun als Wachsfigur in einem St.Galler Museum. Was ist das für ein Gefühl?
Surreal, seltsam, toll! Ich hätte das nie gedacht, und es ist eine Ehre für mich, Teil dieser Ausstellung zu sein. Mein Dank geht an das ganze Museumsteam. Ich habe jetzt einen Zwilling!

Sie zeigen sich gern in bunten Outfits. Haben Sie die Kleider für die Wachsfigur ausgesucht?
Nein, das war Jeanne, die Kuratorin der Ausstellung. Sie ist durch mein Instagram-Profil gescrollt und hat ein Outfit ausgewählt. Ich musste das zuerst meinem Ehemann beibringen, denn die Handtasche war ursprünglich ein Geschenk von ihm. Jetzt gehört sie dem Museum.

Was gefällt Ihnen an der neuen Asien-Ausstellung am besten?
Sie zeigt den Kontinent in seiner ganzen Vielfalt. Asien vereint ja so viele Länder, und jedes Land hat seine eigene Kultur. Auch Ausstellungsstücke aus meiner Heimat Indonesien sind hier zu sehen, das macht mich stolz.

Was ist Ihr Eindruck von St.Gallen? Haben Sie schon etwas von der Stadt gesehen?
Nein, bis jetzt leider noch nicht. Ich bleibe aber bis Sonntag hier. Meine Familie wird nachkommen. Wir werden uns gemeinsam die Stadt anschauen.

Diana Rikasari

Diana Rikasari

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