«In Zukunft sollen sich alle Generationen einbringen und vertreten fühlen»: Mörschwil will eine Kommission für Jung und Alt gründen

Die Mörschwiler Gemeinderätin Doris Schultz sucht Leute zwischen 13 und 100 Jahren, die das Dorfleben gestalten wollen.

Melissa Müller
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Gemeinderätin Doris Schultz wünscht sich, dass alle Generationen in Mörschwil eine Plattform erhalten.

Gemeinderätin Doris Schultz wünscht sich, dass alle Generationen in Mörschwil eine Plattform erhalten.

Benjamin Manser

Mörschwil setzt alles daran, kein Schlafdorf werden. Darum hat die Gemeinde bereits 2014 zum Zukunftskafi eingeladen. Was sind unsere Sonnenseiten? Was unsere Schattenseiten? Wo wollen wir hin? Aus solchen Fragen heraus entwickelte die Bevölkerung Projekte, die Schule machten. «Ein Highlight war das Fest ‹Guck doch›, mit dem die Arbeit von Freiwilligen gewürdigt wurde», sagt Gemeinderätin Doris Schultz. Auch die Gründung der Stiftung Generationenkreis trug Früchte. Sie betreibt heute das «Sprözähüsli», in dem regelmässig beliebte Anlässe stattfinden, von Kerzenziehen bis zum Kleidertausch.

Gelegenheiten für Begegnungen schaffen – das ist Gemeinderätin Doris Schultz ein Anliegen. Deshalb engagiert sich die 50-Jährige für die Prüfung einer Generationenkommission. Diese soll einzelne Kommissionen und Arbeitsgruppen ersetzen, die sich einem Thema widmen. Heute gibt es etwa eine Jugendkommission, in der Vertreter von Eltern, Vereinen, Schule und Kirche Einsitz haben – jedoch keine Jugendlichen und Senioren.

Zweites Zukunftskafi geplant

«In Zukunft sollen sich alle Generationen einbringen und vertreten fühlen», sagt die ehemalige Sportlehrerin Doris Schultz. Sie sucht nun 20 bis 25 Leute zwischen 13 und 100 Jahren, die den Prozess mitgestalten wollen. Die evangelische Kirchgemeinde hat bereits zugesichert, dass sie mitmacht.

Stefan Tittmann, Leiter des Ostschweizer Zentrums für Gemeinden an der Fachhochschule St. Gallen (FHS), sagt:

«Es geht um das Urbedürfnis nach Sozialkontakt.»

Er hat als Moderator bereits das erste Mörschwiler Zukunftskafi betreut und wird nun auch die Generationenkommission begleiten. Welche Voraussetzungen muss man mitbringen? «Die Bereitschaft, sich bei vier Sitzungen und drei Workshops bis Ende 2020 einzubringen», sagt der Prozessbegleiter. Die Teilnehmenden sollten offen sein, mitdenken, Ideen teilen und dem Gemeinderat Rückmeldungen geben.

Für die breite Öffentlichkeit ist ein zweites Zukunftskafi geplant. Doris Schultz sprudelt bereits vor Ideen. Sie träumt von einem Generationenhaus. Mit einem Café; einer Mütterberatung und einer Werkstatt, in der Jung und Alt zusammen basteln könnten. «Es soll ein niederschwelliger Ort ohne Konsumationszwang sein.» Doch gehe es erst einmal darum, Strukturen zu schaffen, «damit solche Ideen eine Anlaufstelle und ein Gremium finden, wo sie erörtert werden können».

Kostenlose Fitnessstunde für die Bevölkerung

Die Mutter von drei Kindern engagiert sich seit 12 Jahren im Gemeinderat. Sie hat die Jugendarbeit aufgebaut und die «Kita im Chärn», welche 2014 gegründet wurde. Schultz ist auch in der Arbeitsgruppe «Mörschwil bewegt» aktiv. Jeden Dienstagabend kommen die Mörschwiler umsonst und ohne Anmeldung in den Genuss einer Fitnessstunde. Schultz sagt:

«Leider werden dabei nicht so viele Kontakte geknüpft wie erhofft.»

Die meisten würden nach dem Duschen sofort nach Hause gehen, statt noch gemeinsam eins trinken zu gehen.

Apropos Geselligkeit: Schultz wünscht sich eine zweite Möglichkeit im Dorf, wo man sich abends nebst dem «Adler» treffen könnte. Ein wichtiges Thema, das bereits im Zukunftskafi erörtert wurde, ist die Schaffung eines Begegnungsorts unter freiem Himmel. Manche fragen sich: Warum braucht es das in Mörschwil, wo fast alle einen eigenen Garten haben? Es sei jedoch schöner, wenn man sich ausserhalb des Gartenzauns begegnen könne, findet Doris Schultz.

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