«In Zeiten von Corona und der Verunsicherung tut ein positives Zeichen allen gut»: Private organisieren in St.Gallen Einkaufshilfen für Risikogruppen

Unter Quarantäne darf man nicht unter Menschen. Auch Risikogruppen sollten möglichst alleine bleiben. Doch was ist mit dem Einkauf? Da formiert sich Hilfe.

Diana Hagmann-Bula
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Private bieten an, für Personen unter Quarantäne, Ältere und Kranke, einkaufen zu gehen.

Private bieten an, für Personen unter Quarantäne, Ältere und Kranke, einkaufen zu gehen.

Bild: Gaetan Bally / KEYSTONE

Stehen Sie unter Quarantäne? Wollen Sie den Kontakt zur Öffentlichkeit meiden? Diese Fragen stellt die St.Galler Sozialfirma Läbeplus auf ihrer Website. Und bietet Betroffenen Hilfe an. «Wir denken schon seit einiger Zeit über einen Einkaufsservice nach, nun setzen wir ihn um», sagt Peter Rüegg, Jobcoach und Geschäftsleitungsmitglied von Läbeplus.

Hat sich das Unternehmen, das sein zehnjähriges Bestehen feiert, bisher auf Reinigung, Hauswartung, Gartenpflege, Umzüge und Entsorgung spezialisiert, kauft es fortan auch ein, bringt Pakete zur Post oder organisiert Medikamente. «Gerade älteren Menschen hilft dieses Angebot dabei, trotz Quarantäne oder Angst vor Corona mit dem Wichtigsten versorgt zu bleiben», sagt Rüegg. Die Aufträge würden wie üblich von Stellensuchenden ausgeführt, die so sozial und beruflich integriert würden.

Üblicherweise kosten die Dienstleistungen von Läbeplus. In Zeiten von Corona ist der Einkaufsservice aber gratis. Keine Angst, dass die Mitarbeiter sich oder die Kunden anstecken? Rüegg:

«Es findet kein Kontakt statt. Wir deponieren die Einkaufstasche vor der Türe und benachrichtigen per SMS, dass die Ware bereitsteht.»

«Was du tust, ist gelebte Solidarität»

Auf Facebook formiert sich ebenfalls gerade kostenlose Nachbarschafts­hilfe: «Gerngscheh St.Gallen» nennt sich eine Gruppe, die Einwohner, die auf Unterstützung angewiesen sind, mit Einwohnern vernetzt, die helfen wollen. Ohne Bezahlung, ohne Gegenleistung.

Aurelia Hostettler organisiert eine Nachbarschaftshilfe.

Aurelia Hostettler organisiert eine Nachbarschaftshilfe.

Bild: Facebook

Die St.Gallerin Aurelia Hostettler hat das Angebot initiiert. «In Zeiten von Corona und der Verunsicherung tut ein positives Zeichen allen gut», sagt die 26-Jährige, die im Eventbereich arbeitet. Sie habe Freunde, die in Basel und Zürich an einer ähnlichen Aktion mitwirken und Erfolg damit haben. Ehe sie in St.Gallen loslegte, rief sie ihren Grossvater an. 90 Jahre alt ist er. Hostettler:

«Er hat dennoch keine Angst vor dem Virus, das gerade die ganze Welt beunruhigt. Und geht noch alleine einkaufen.»

Dennoch hatte er Freude an ihrer Idee. Am Freitag zählte die Gruppe noch 41 Mitglieder, am Sonntag schon 581. Hilfbedürftige können sich unter der Nummer 071-544-98-72 melden.

Ein User postete ein Merkblatt der Jungsozialisten für gewillte Helfer. Möglichst wenig Kontakt zu den Personen, die man unterstützt, lautet eine Empfehlung. Falls es zur Begegnung kommt, vorher und nachher die Hände gut waschen. «Darauf achten, dass du nicht aus Versehen das Virus über die Tragtasche in die Wohnung schleppst», ist zu lesen. Und dann, dass man die Taschengriffe desinfizieren soll. «Was du machst, ist gelebte Solidarität», schreibt die Juso. Aurelia Hostettler beendet ihren Facebook-Eintrag zur Gruppe mit den Worten: «Alles Liebe und bleibt gesund.»

Auch Sonja Enzler hat mit auf Facebook eine Corona-Einkaufshilfe organisiert. Die Gruppe nennt sich «Einkaufshilfen SG AR» und konzentriert sich auf die Region St.Gallen sowie den Kanton Appenzell Ausserrhoden. Die 28-jährige St.Gallerin und ihre Gruppe Helfer bieten Familien, Kranken, Älteren und Personen, die unter Quarantäne stehen, an, den Wocheneinkauf zu erledigen. Betroffene können sich an einkaufshilfen.sg.ar@gmx.ch oder 079-270-10-61 wenden.