In Wittenbach holpert's beim Velofahren: Nun fordert eine IG einen Beauftragten für den Langsamverkehr

In Wittenbach holpert's beim Velofahren: Nun vordert eine IG einen Beauftragten für den Langsamverkehr

Johannes Wey
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Besonders die Velowegführung an der Grünaustrasse bezeichnet die IG als «absurd».

Besonders die Velowegführung an der Grünaustrasse bezeichnet die IG als «absurd».

Lisa Jenny

Die Bestandesaufnahme hat es in sich: Sechs Seiten umfasst das Dokument mit Schwachstellen im Wittenbacher Velowegnetz und Forderungen zu deren Behebung. Zusammengetragen hat sie eine IG, die nach einer von der SP Wittenbach-Häggenschwil-Muolen organisierten Velotour gegründet wurde.

Paul Baumann-Aerne, Leiter IG Langsamverkehr.

Paul Baumann-Aerne, Leiter IG Langsamverkehr.

Johannes Wey

«Am Anlass nahmen auch Rennvelokollegen von mir Teil, die in der SVP und der FDP sind. Das will etwas heissen», findet Paul Baumann-Aerne, der die Tour im Oktober organisiert und das Dossier zusammengestellt hat. Deshalb wurde die IG Langsamverkehr Wittenbach gegründet, um die Anliegen von Velofahrern und Fussgängern breiter abzustützen.

Bernadette Zöllig, Mitglied IG Langsamverkehr aus Berg. Bild Johannes Wey, 10.12.2019

Bernadette Zöllig, Mitglied IG Langsamverkehr aus Berg. Bild Johannes Wey, 10.12.2019

Trotz des Namens will die IG auch in den Nachbargemeinden wirken. So habe der Berger Gemeindepräsident Sandro Parissenti bereits Interesse an den Vorschlägen der IG signalisiert, sagt Bernadette Zöllig. Die Bergerin, deren Kinder im OZ Grünau zur Schule gehen, hatte die Idee zur Velotour.

Die Schweiz als «Velo-Entwicklungsland»

Das Dossier, das noch diesen Monat den Behörden übergeben werden soll, listet nebst konkreten Schwachstellen im Velowegnetz auch grundsätzliche Forderungen auf: Der Langsamverkehr soll in der Raumplanung eine grössere Rolle spielen. Dafür brauche es auf der Verwaltung einen Beauftragten für Langsamverkehr.

Die Schweiz sei verglichen mit anderen Ländern ein «Velo-Entwicklungsland», begründet Bauman. Deswegen habe der Langsamverkehr in der Planung keine Priorität: Erst komme die Strasse, dann schaue man, wo es noch Platz für einen Veloweg hat. Dabei würden viele Leute erst auf den Langsamverkehr umsteigen, wenn sie eine gut ausgebaute, sichere Infrastruktur nutzen könnten.

Nicht erst am Schluss an die Velofahrer denken

Die Behörden müssten ihre Haltung gegenüber dem Velo ändern. Deshalb sei man selber aktiv geworden «anstatt immer die Faust im Sack zu machen». In ihrem Dossier bietet die IG auch an, «mit praktischen Erfahrungen und Tipps» zu helfen.

Den mangelnden Stellenwert kritisiert auch Bernadette Zöllig: «Diejenigen, die über den Veloverkehr entscheiden, fahren selber nicht Velo.» Gedanken darüber mache man sich immer erst zum Schluss. Weitere langfristige Forderungen der IG sind beidseitige Velowege oder -streifen, weniger Unterbrüche im Velowegnetz und ein verbessertes regionales Netz. Und obwohl Baumann mit «20 bis 30 Jahren» bis zur Erfüllung der Forderungen rechnet, verlangt die IG mehr Tempo in der Planung.

Auch eine Reihe von «einfachen Sofortmassnahmen» werden im Dossier aufgelistet. Eine davon widmet sich beispielsweise der Grünaustrasse, die schon bei der Velotour ein grosses Thema war. «Eine absurdere Lösung gibt es im ganzen Kanton nicht», glaubt Heinz Surber.

Der einseitig geführte Veloweg führt über mehrere Schwellen, kreuzt die Eichenstrasse ohne Vortritt und mit schlechter Übersicht und macht dann einen Schwenk über den Parkplatz des Oberstufenzentrums. Die Situation bei Ein- und Ausfahrten soll hier verbessert und das Tempo reduziert werden.

Andere Forderungen der IG scheinen demgegenüber Bescheiden: Den Schnee im Winter nicht einfach auf dem Velostreifen ablagern. Oder Gartenbesitzer für wuchernde Hecken entlang von Strassen konsequenter Büssen.