In Wittenbach geben sich die Wirte die Klinke in die Hand

Schliessungen, Neueröffnungen, Wirtewechsel: Die Wittenbacher Gastronomieszene ist in Bewegung.

Perrine Woodtli
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Novica Stanojevic wirtet und kocht seit Anfang Oktober im Restaurant Krone. Er will das Lokal wieder zur Dorfbeiz machen. (Bild: Hanspeter Schiess (13. November 2019))

Novica Stanojevic wirtet und kocht seit Anfang Oktober im Restaurant Krone. Er will das Lokal wieder zur Dorfbeiz machen. (Bild: Hanspeter Schiess (13. November 2019))

Der «Hirschen» in Wittenbach hat in den vergangenen Monaten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Drei Wirtewechsel gab es seit 2017, als sich Werner Trunz in die Pension verabschiedete. Die letzten beiden Pächter scheiterten und schlossen das Restaurant nach nur wenigen Monaten. Ab 21. November wirten nun Peter Bommer und Patrizia Germann im «Hirschen». Es ist seine letzte Chance.

Aber nicht nur im «Hirschen» gibt es neue Gesichter. So hat etwa die «Krone» an der Arbonerstrasse seit Oktober einen neuen Gastgeber: Novica Stanojevic. Der Wiener mit serbischen Wurzeln lebt seit 14 Jahren in Wittenbach. In den letzten Jahren habe er beobachtet, wie es mit der «Krone» abwärtsging, sagt Stanojevic, der zuvor unter anderem in einer Herberge in Herisau gekocht hat. 

«Früher war die ‹Krone› eine Dorfbeiz. Dann gab es nur noch Kebab und Pizza. Davon hat’s doch schon mehr als genug.»

Tägliche Happy Hour: Stange für 2.80 Franken

Stanojevic setzt auf Gerichte aus Österreich und dem Balkan. Auf der Karte stehen unter anderem Wiener Schnitzel, Rindsgulasch und Cevapcici, aber auch Zürcher Geschnetzeltes. Vegetarische Speisen sucht man vergebens.

Zu seinen Spezialitäten gehöre das gerollte Schnitzel mit Käse und Schinken, sagt Stanojevic. Er verwende Schweizer Fleisch und regionale Zutaten. «Und ich mache alles selbst.»

Unterstützt wird er von seiner Frau, seiner Schwiegertochter und einer Servicekraft. Täglich gibt es zudem ein Mittagsmenu für zwölf Franken – und zwischen 14 und 16 Uhr kostet jede Stange 2.80 Franken. Angst, damit die falschen Leute anzulocken, hat Stanojevic keine. «Irgendwas muss man ja machen.»

Es sei schwierig, das Vertrauen der Wittenbacher und früheren Stammkunden zurückzugewinnen, sagt Stanojevic. 

«In den letzten Jahren war vieles nicht gut hier. Das Restaurant wurde heruntergewirtschaftet.»

Die «Krone» soll wieder eine Dorfbeiz werden, sagt er im breiten Wiener Dialekt. Auch die Kegelbahn sei dabei ein wichtiger Punkt. Die «Krone» hat täglich von 9 bis 24 Uhr geöffnet. «Ich kann es mir noch nicht leisten, einen Tag zu schliessen.»

Erst vor kurzem noch standen Servet Serin und Maria Russo in der «Krone», die das Lokal im Februar eröffneten. Anders als ihr Vorgänger boten sie türkische statt griechische Speisen an und wollten mit einem Kebab mit Randen, Apfel und Rucola punkten. Nach einem halben Jahr waren sie schon wieder fort.

Wieder griechisch essen in Wittenbach

Noch schneller fort waren Francesco Fusco und Joel Jenzer, beide Anfang 20, die im Februar das «Quadrifoglio» im Industriegebiet eröffneten. Nach fünf Monaten war das Lokal wieder zu – «wegen geschäftlicher und persönlicher Differenzen». Auch der Standort sei ein Problem gewesen. Beim «Quadrifoglio» handelte es sich um das ehemalige «Il Brigante», das 2017 nach St.Gallen zügelte.

Aus dem «Quadrifoglio» wird nun die «Taverna Olympos». Der Gemeinderat teilte letzte Woche mit, dass Panagiota Avdala per 1. November das Gastwirtschaftspatent erteilt wurde. Wittenbach erhält somit wieder ein griechisches Restaurant. Das Lokal an der Hofenstrasse ist noch nicht geöffnet.

Auch im Restaurant Testarossa gab es kürzlich einen Wechsel. Der neue Gastgeber Kujtim Muharemi empfängt seit September die Gäste. Neue Gesichter gab es auch im «Arrabbiata». Edi und Helena Lazraj mussten die Pizzeria aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Seit Frühling wirten dort Jeanette und Pankraz Kappeler.

«Hirschen»-Bar könnte wieder eröffnen

In Wittenbach entstand in letzter Zeit aber auch Neues. Ende Oktober eröffnete das «Vinato» mit Stübli, Zigarrenlounge und Weinkeller an der Hofstetstrasse. Nur wenige Meter entfernt liegt das Café Silbersack, das Nicole und René Grass seit Mai führen. Vorbild ist die gleichnamige Hamburger Kult-Kneipe in St.Pauli.

Nicole Grass führte zuvor die Bar im Untergeschoss des Restaurants Hirschen. Die Bar bleibt vorläufig geschlossen. Die neuen «Hirschen»-Wirte haben in Aussicht gestellt, dass sie die Bar je nach Restauranterfolg wieder eröffnen wollen.

Nebst den Wechseln gibt es in Wittenbach aber auch Beständigkeit. Das Restaurant Erlenholz etwa führt Wolfgang Kelemen in dritter Generation. Das Lokal ist seit über 60 Jahren in Familienbesitz.

Auch im Restaurant Bäche gehen seit vielen Jahren die Gäste ein und aus. 2013 übernahm Jeanine Zimmermann die Handwerkerbeiz von Margrith Hofmänner, die das Lokal seit 1991 führte.

Wittenbachs Zentrum wird zudem seit 13 Jahren mit dem «Vivendi» belebt. Geführt wird das Café seither von Hansjörg und Monika Gmür. Auch die zwei Filialen der Dorfbäckerei Gätzi von Hildegard und Albert Gätzi sind beliebte Treffpunkte.

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