In Waldkirchs Dorfkern sollen neue Mehrfamilienhäuser entstehen - zuerst müssen die Bewohner aber dem Landverkauf zustimmen

Geplant sind 32 neue Wohnungen. Eigentlich hätten die Waldkircher an ihrer Bürgerversammlung über den Verkauf des Grundstücks entscheiden sollen. Das ist aufgrund des Coronavirus nicht möglich. Nun soll die Abstimmung im Herbst stattfinden.

Perrine Woodtli
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Die Gemeine Waldkirch will die 955 Quadratmeter grosse Liegenschaft an der Arneggerstrasse 12 (gelbes Haus) für 650'000 Franken an die Schmuckli Architekten AG verkaufen. Diese will das Grundstück sowie das dahinterliegende überbauen.

Die Gemeine Waldkirch will die 955 Quadratmeter grosse Liegenschaft an der Arneggerstrasse 12 (gelbes Haus) für 650'000 Franken an die Schmuckli Architekten AG verkaufen. Diese will das Grundstück sowie das dahinterliegende überbauen.

Bild: Ralph Ribi (27. März 2020)

Waldkirchs Dorfkern soll ein neues Gesicht erhalten, zumindest teilweise. Im Dreieck zwischen Arneggerstrasse, St.Pelagiberg-Strasse und oberer Dorfstrasse will die Schmuckli Architekten AG aus Wil auf zwei Grundstücken drei neue Mehrfamilienhäuser bauen.

Dazu will ihr die Gemeinde die Liegenschaft an der Arneggerstrasse 12 verkaufen. 955 Quadratmeter für 650'000 Franken. Das zweite Grundstück gehört bereits seit 2018 der Schmuckli Architekten AG. Dort stehen heute ein unbewohntes altes Einfamilienhaus und eine Garage.

32 Wohnungen sollen entstehen. Bei etwa je 40 Prozent handelt es sich um 2,5- sowie 3,5-Zimmer-Wohnungen und bei 20 Prozent um 4,5-Zimmer-Wohnungen. Vorwiegend sind Mietwohnungen geplant. Es gibt aber auch Eigentumswohnungen. Die Gebäude haben drei Vollgeschosse und ein Attikageschoss. Zum Projekt gehört zudem eine übergreifende Tiefgarage mit 43 Parkplätzen.

Generationenwechsel in den Einfamilienquartieren

Gemeindepräsident Aurelio Zaccari ist vollends überzeugt vom Bauprojekt, das bereits bewilligungsfähig sei. Es sei ein «hervorragendes Projekt», das für das Dorf ein «absoluter Glücksfall» und gerade in der Kernzone von extremer Bedeutung sei. Es werde Wohnraum sowohl für die ältere Generation als auch für junge Familien geschaffen.

Mit Wohnungen im Dorfkern solle auch das Ziel verfolgt werden, einen Generationenwechsel in den Einfamilienhausquartieren zu forcieren.

Waldkirchs Gemeindepräsident Aurelio Zaccari

Waldkirchs Gemeindepräsident Aurelio Zaccari

Bild: Urs Bucher

Im Projekt ist zudem eine neue Bushaltestelle enthalten. Diese ist vor der Liegenschaft an der Arneggerstrasse geplant, vis à vis der Haltestelle Dorf. Die geplante Haltestelle schliesse die Überbauung «hervorragend» an den ÖV an, sagt Zaccari. Die Gemeinde habe ohnehin geplant, diese Haltestelle zu realisieren.

Nun erstellt die Schmuckli Architekten AG das Wartehaus samt Velounterstand und Schallschutz kostenlos und tritt den Boden danach «für einen minimalen Betrag» der Gemeinde ab. Die bestehende Haltestelle soll verschoben und mit einem Wartehaus und Veloständer ergänzt werden.

Wann die Bürger abstimmen, ist noch unklar

Ob die Gemeinde den Boden verkaufen kann, hängt von den Waldkirchern ab. Eigentlich hätten sie an ihrer Bürgerversammlung von diesem Dienstag, 31.März, darüber abstimmen sollen. Wegen des Coronavirus ist dies nicht möglich. Der Gemeinderat verzichtet darauf, die Bürger brieflich über den Verkauf entscheiden zu lassen.

«Es wäre nicht korrekt, diesen nun einfach ohne weitere Diskussion an die Urne zu bringen.»

Vorgesehen war, an der diesjährigen Vorversammlung, wie bereits 2019, noch einmal detailliert über das Geschäft zu informieren. Der Gemeinderat will dieses nun an einer separaten Bürgerversammlung behandeln. «Diskussionen müssen stattfinden können, das ist wichtig.»

Derzeit gehe man davon aus, die Bürgerversammlung im Herbst durchzuführen. «Wir müssen uns bewusst sein, dass der Investor nicht ewig auf uns wartet», sagt Zaccari.

Gemeinde will Liegenschaft nicht selber nutzen

Die Waldkircher stimmten bereits 2015 über einen Landverkauf ab, über die Baulandreserve Dorfegg, die sich gegenüber der Liegenschaft an der Arneggerstrasse befindet. 748 Stimmberechtigte legten ein Nein in die Urne. Nur 287 sagten Ja zum Vorhaben, die Dorfegg zu verkaufen und darauf drei Mehrfamilienhäuser zu bauen.

Das Grundstück Arneggerstrasse könne nicht mit der Dorfegg verglichen werden, sagt Zaccari. Das Gesamtkonzept überzeuge und die Bürger seien bereits 2018 über das Projekt informiert worden.

«Der Gemeinderat hat im Leitbild von den Bürgern zudem den Auftrag erhalten, im Zentrum für attraktiven Wohnraum besorgt zu sein.»

Die Liegenschaft selber zu nutzen, macht für den Gemeinderat keinen Sinn. In den letzten Jahren befand sich im Parterre das Schulsekretariat. Seit dem Umzug ins neue Schulhaus steht das Haus aus den 1950er-Jahren leer. Das Gebäude ist baufällig und entspricht nicht mehr den Brandschutzvorschriften.

Die Investitionen liegen laut Aurelio Zaccari je nach Nutzung zwischen 200'000 und 500'000 Franken und dies ohne die notwendigen energetischen Massnahmen. «Das steht in keinem Verhältnis zu möglichen Nutzungen.» Diese Investitionen wollte man sich deshalb sparen.