In St.Gallens Westen entsteht eine naturnahe Oase: In Kürze wird das Baugesuch für das Burgweier-Areal eingereicht

Gross war die Freude, als die Stadt die Burgweier endlich kaufen konnte. Im Hintergrund laufen seitdem intensive Gespräche mit Naturverbänden und Anwohnern.

Sandro Büchler
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St.Gallens Westen aus der Vogelperspektive: Links des zukünftigen Naherholungsgebiets mit den beiden Burgweiern verlaufen die Fürstenlandstrasse und die Bahnlinie, rechts entlang der Zürcherstrasse das Schulhaus Schönenwegen und weiter oben der Fussballplatz Lerchenfeld.

St.Gallens Westen aus der Vogelperspektive: Links des zukünftigen Naherholungsgebiets mit den beiden Burgweiern verlaufen die Fürstenlandstrasse und die Bahnlinie, rechts entlang der Zürcherstrasse das Schulhaus Schönenwegen und weiter oben der Fussballplatz Lerchenfeld.

Michel Canonica

Dass die Naturverbände noch ein Wörtchen mitreden wollen, war schnell klar. Als die Stadt im September verkündete, sie habe soeben das Gebiet rund um die Burgweier vom früheren Eigentümer Hans Jörg Schmid erworben, horchten Naturschutzverein, WWF und Pro Natura auf.

Die beiden Weiher im Westen von St.Gallen gehören zur grössten innerstädtischen Grünfläche, welche die Stadt nun für die Bevölkerung zugänglich macht. Die Stadt hat zunächst den Kauf unter Dach und Fach gebracht und will nun das Areal mit Fusswegen, Baum- und Heckenpflanzungen sowie neuen extensiven Wiesen attraktiver gestalten. Punkto Erschliessung, Wegnetz und ökologischen Massnahmen hatten die Naturverbände aber ihre Fragezeichen. Für Gesprächsstoff war also gesorgt.

Anwohner sorgen sich um Abfall und Lärm

Keine Feuerstellen an den Rastplätzen, forderte der Naturschutzverein der Stadt St.Gallen und Umgebung (NVS), als er die ersten Skizzen der Stadt gesehen hatte. «Wir wollen keine Partywiese, wollen nicht, dass dort Feste veranstaltet werden», sagt Robert Schmid, der den NVS seit 17 Jahren präsidiert. Der Erholungsgedanke und die Biodiversität müsse im Zentrum der «neuen Oase» stehen.

Gleicher Meinung ist Adrian Stolz, Leiter der Dienststelle Stadtgrün, der das Projekt für die Neugestaltung des Areals leitet. Feuerstellen soll es keine geben. «Die nördlich an das Gebiet angrenzenden Anwohner äusserten Bedenken wegen des Lärms.» Dem trage man Rechnung. So hat man einen der Rastplätze gegenüber der ersten Ideenskizze verschoben. Weg vom Quartier, weiter westwärts. Ziel der zahlreichen Gespräche mit den Anwohnern sei eine möglichst einvernehmliche Lösung, sagt Stolz.

Die beiden Rastplätze sollen nun laut aktueller Planung mit einer einfachen Bank ausgestattet werden. Zudem sollen verschiedene Bäume, unter anderem Eichen, bei den Rastplätzen gepflanzt werden. Auf eine Beleuchtung wird verzichtet, sagt Stolz. Abfall sei mehrmals in den Gesprächen thematisiert worden.

«Wie in anderen Pärken der Stadt wird Stadtgrün für die Beseitigung von Abfällen verantwortlich sein.»

Die Kieswege um die beiden Weiher sollen laut Stolz 1,5 Meter breit werden. «Sodass man gut mit Kinderwagen durchkommt.»

Vier Zugänge zum Areal sind geplant: Ein Fussweg startet östlich an der Burgstrasse. Auch von Süden her, von der Fürstenlandstrasse, soll man das Gelände betreten können. Zwei weitere Zugangspunkte sollen vom Burgweiherweg realisiert werden. Der eine via Tröckneturm, der andere Weg beginnt hinter dem Schulhaus Schönenwegen.

Stadt will Leinenpflicht für Hunde

Bei den geplanten Wegen hat es Anpassungen gegenüber den im September vorgestellten Skizzen gegeben. Weiterhin ist ein Rundweg um die beiden Gewässer vorgesehen. Stolz hält fest:

«Der Holzsteg durch das Sumpfgebiet zwischen dem unteren und dem oberen Weiher ist vom Tisch.»

Die Naturschutzverbände hätten sich dagegen gewehrt. Stattdessen soll nun auf dem Damm des oberen Burgweiers ein Trampelpfad von Norden nach Süden führen.

Adrian Stolz, Leiter der Dienststelle Stadtgrün der Stadt St.Gallen

Adrian Stolz, Leiter der Dienststelle Stadtgrün der Stadt St.Gallen

PD

Adrian Stolz, der die Dienststelle Stadtgrün seit einem halben Jahr leitet, ist diplomierter Geograf und war zuvor als Meteorologe tätig. Beim Erschliessungsprojekt Burgweier seien die Zäune um die beiden Weiher eine Herausforderung. Es gäbe unterschiedliche Ansprüche. Zu Beginn war ein einfacher Holzzaun geplant. «Wildtiere sollen nicht eingeschränkt werden», sagt Stolz. Der NVS hingegen wollte dichte Zäune, sodass Hunde nicht ans Ufer gelangen und keine brütenden Vögel im Unterholz aufschrecken. Die Stadt schlägt nun als Kompromiss vor, bei Wegpassagen nah am Wasser einen Zaun aus vertikalen und relativ eng stehenden Holzlatten zu bauen. «Zudem wird auf dem ganzen Areal eine Hundeleinenpflicht eingeführt», sagt Stolz. Dies sei wichtig und im Sinne des Naturschutzvereins, sagt Schmid.

Das Quartier treibt die Angst um vor zu vielen Autos

Der NVS-Präsident berichtet von zahlreichen Anrufen von besorgten Anwohnern. «Sie befürchten, dass viele Erholungssuchende mit dem Auto kommen werden und haben Angst, dass im Quartier parkiert werde.» Adrian Stolz von Stadtgrün rechnet auch mit etwas Mehrverkehr.

«Primär jedoch ist der Erholungsraum für die umliegenden Quartiere, viele werden zu Fuss kommen.»

Wer mit dem Auto komme, dem stünden Parkplätze beim Eissportzentrum Lerchenfeld zur Verfügung. «Und es sind selbstverständlich keine neuen Parkplätze um das Burgweier-Areal geplant.» Arte es in den Quartieren aus mit wild parkierten Autos, werde man die Stadtpolizei beiziehen.

Eingedolte Bäche sollen wieder ans Tageslicht

Stolz hat es fast schon eilig, sein Fahrplan ist ehrgeizig. Wenn möglich soll vor Weihnachten das Baugesuch, das wegen der geplanten Wege nötig ist, beim Amt für Baubewilligungen eingereicht werden. In dieser Woche will er die Naturverbände über den Inhalt des Baugesuchs und die darin eingeflossenen Resultate aus den Gesprächen informieren. Laufe alles nach Plan, werde das Baugesuch in der zweiten Januarhälfte öffentlich aufliegen.

Robert Schmid, Präsident des Naturschutzvereins St.Gallen und Umgebung

Robert Schmid, Präsident des Naturschutzvereins St.Gallen und Umgebung

Urs Bucher

Noch nicht im Baugesuch enthalten ist eine Bachoffenlegung. Diese regen die Naturschutzverbände an. Denn früher, vor der Nutzung des Weiherwassers für die Textilindustrie, seien die Gewässer oberirdisch verbunden gewesen, sagt Schmid.

«Wir wollen die Gelegenheit nutzen und die eingedolten Bäche offenlegen.»

Dafür stellt der Naturschutzverein einen «namhaften Betrag» in Aussicht – im Sinne einer Anschubfinanzierung.

Stolz hat Verständnis dafür. Doch die Bachoffenlegung benötige weitere Abklärungen. Im Vordergrund stünden aktuell die Öffnung des Areals, der Bau der Wege und verschiedene Massnahmen zur Steigerung der Biodiversität. Geplant sei die Pflanzung von Hecken, Hochstauden und Obstbäumen im östlichen Teil des Gebiets. «Hochstammobstbäume sind bereits auf alten Bildern des Areals zu erkennen.» Es sei wichtig, dass Natur und Mensch bei den Burgweiern nebeneinander Platz fänden, sagt Stolz.

Die Burgweier im Jahr 1946: Am rechten Bildrand sind zwei Reihen von Obstbäumen erkennbar. Im Hintergrund das Lachen-Quartier. Markant dabei das 1880 erbaute Gebäude rechts oben auf dem Hügel. An der Feldlistrasse 31a entstand die erste Schifflistickereifabrik der Ostschweiz.
6 Bilder
Das Primarschulhaus Schönenwegen zwischen 1905 und 1910. Davor liegt der obere der zwei Burgweier.
So präsentiert sich 1931 der Blick nordwärts auf den oberen Burgweier.
Bereits zwei Jahre später, 1933, wurden drei Häuser unterhalb der Pappeln gebaut.
Am 22. Juli 1924 wütete ein Sturm durch die ganze Stadt und verursachte überall Schäden.
Eine kolorierte Postkarte aus dem Jahr 1890. Damals wurden die Burgweier als Eisbahn genutzt.

Die Burgweier im Jahr 1946: Am rechten Bildrand sind zwei Reihen von Obstbäumen erkennbar. Im Hintergrund das Lachen-Quartier. Markant dabei das 1880 erbaute Gebäude rechts oben auf dem Hügel. An der Feldlistrasse 31a entstand die erste Schifflistickereifabrik der Ostschweiz.

Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen

Loipe in diesem Winter steht noch auf wackeligen Beinen

Bleibt die letzte Frage: Wird die im September angekündigte Langlaufloipe noch in diesem Winter Realität? Stolz ist zuversichtlich: «Läuft alles nach Plan, wollen wir einen Rundkurs auf der Südwiese spuren.» Dann müsse man schauen, wie gross die Nachfrage sei, denn in der Stadt gäbe es ja bereits fünf Loipen, sagt Stolz.

«Vorrang hat ohnehin die Sicherheit. Deshalb müssen erst die Zäune um die Weiher aufgestellt werden, bevor eine Loipe realisiert werden kann.» Und ein wenig Schnee ist dazu auch noch nötig.