Buhrufe und Pfiffe gegen die Polizei, aber keine Gewalt: So verlief der Corona-Protest in der St.Galler Innenstadt

Die St.Galler Stadtpolizei hat am frühen Samstagnachmittag beim Hauptbahnhof eine Kundgebung von rund 100 Gegnerinnen und Gegnern der Anti-Corona-Massnahmen aufgelöst. Das Ganze lief von Anfang bis Schluss friedlich und ohne Zwischenfälle ab. 

Reto Voneschen
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Stadtpolizisten im Gespräch mit Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Kundgebung gegen den Lockdown am Samstag auf dem Kornhausplatz.

Stadtpolizisten im Gespräch mit Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Kundgebung gegen den Lockdown am Samstag auf dem Kornhausplatz.

Bild: Benjamin Manser (16.5.2020)

Beim Vadian-Denkmal hatten sich am Samstagmittag drei Dutzend Gegnerinnen und Gegner der Anti-Corona-Massnahmen des Bundes versammelt. Auf dem Kornhausplatz beim Hauptbahnhof waren es am frühen Nachmittag gegen 100 Personen. Die Polizei war an beiden Orten mit einem Grossaufgebot im Einsatz.

Platz auf Aufforderung hin widerstandslos geräumt

Die kleine Gruppe beim Vadian-Denkmal, die ohne Transparente, Parolen oder auffälliges Verhalten im Passantenstrom zusammenstand, liess die Polizei am Vormittag gewähren. Die wesentlich grössere Kundgebung nach gleichem Muster auf dem Kornhausplatz wurde nach 14.30 Uhr aufgelöst: Der Platz wurde abgesperrt. Den darauf befindlichen Personen wurde eine Zehn-Minuten-Frist eingeräumt, um ihn zu verlassen.

In St.Gallen versammelten sich am Samstagnachmittag rund 100 Gegnerinnen und Gegner der Anti-Corona-Massnahmen. Die Polizei hat die Kundgebung aufgelöst. Das Ganze verlief friedlich und ohne Zwischenfälle ab.
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In St.Gallen versammelten sich am Samstagnachmittag rund 100 Gegnerinnen und Gegner der Anti-Corona-Massnahmen. Die Polizei hat die Kundgebung aufgelöst. Das Ganze verlief friedlich und ohne Zwischenfälle ab.



Benjamin Manser

Die Aufforderung der Polizei wurde mit Buhrufen und einem Pfeifkonzert quittiert. Danach verliessen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kundgebung den Platz aber freiwillig und zerstreuten sich. Eine kleine Gruppe besammelte sich später nochmals auf der Kreuzbleiche am Rand der St.Galler Innenstadt.

Sammelbecken für Gegner der Anti-Corona-Massnahmen

Es ist schwierig, eine Antwort darauf zu geben, wer denn nun genau am Samstag in St.Gallen demonstriert hat und was Motive oder konkrete Forderungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmern sind. Transparente oder Parolen, die Aufschluss darüber hätten geben können, fehlten nämlich beim Vadian-Denkmal wie auf dem Kornhausplatz weitgehend.

Teilnehmer an der Anti-Lockdown-Mahnwache malen Stichworte auf den St.Galler Kornhausplatz.

Teilnehmer an der Anti-Lockdown-Mahnwache malen Stichworte auf den St.Galler Kornhausplatz.

Bild: Benjamin Manser (20.5.2020)

Auf die «Mahnwache» auf dem Kornhausplatz wurde aber unter anderem in einem Veranstaltungsflyer der «Corona-Rebellen Helvetia» aufmerksam gemacht. Diese sind ein Sammelbecken für jene, die mit den Anti-Corona-Massnahmen des Bundes aus verschiedensten, teils auch ziemlich skurrilen Beweggründen und Theorien nicht einverstanden sind.

Polizei hatte Auflösung der Kundgebung angekündigt

Dass konkrete Forderungen weitgehend fehlten, begründete ein Teilnehmer damit, dass sich hier eben «ein Querschnitt durch die Gesellschaft mit verschiedensten Einzelforderungen» versammelt hatte. Vielleicht war's aber auch nur darum, weil die Polizei im Vorfeld hatte verlauten lassen, dass Kundgebungen gemäss Corona-Regeln verboten blieben, Kundgebungen deshalb aufgelöst werden müssten und Teilnehmer Bussen oder Anzeigen zu gewärtigen hätten.

Meditierend mit Schweizer Fahne.

Meditierend mit Schweizer Fahne.

Bild: Benjamin Manser (20.5.2020)

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kundgebung auf dem Kornhausplatz waren jedenfalls bunt gemischt - auch altersmässig. Es wurde getanzt, jongliert, meditiert, diskutiert und mit Kreide auf den Boden gemalt. Die meisten aber standen oder sassen einfach beieinander. Es wurde Präsenz gegenüber den Behörden markiert, und einzelne Teilnehmer nutzten die Aktion auch für Provokationen in ihre Richtung.

Diesmal keine Bussen oder Anzeigen

Eine erste Kundgebung gegen die Anti-Corona-Vorschriften des Bundes hatte es in St.Gallen am 2. Mai gegeben: Damals hatte eine kleine Gruppe mit Transparenten auf dem Kornhausplatz protestiert. Eine Woche später, am 9. Mai, hatten sich am Vormittag beim Vadian-Denkmal und am Nachmittag auf dem Kornhausplatz je 80 bis 100 Personen versammelt.

Die Stadtpolizei löste diese Kundgebungen nach eigenen Angaben auf. 33 Personen, die sich «uneinsichtig gegenüber den Weisungen der Polizei» zeigten, mussten sich vor einer Woche ausweisen. Ihnen drohen Bussen und Anzeigen wegen Verstosses gegen die Anti-Corona-Regeln und wegen Teilnahme an einer unbewilligten Kundgebung.

Bei den Kundgebungen an diesem Samstag musste die Polizei keine Bussen verteilen und auch keine Anzeigen in Aussicht stellen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Kornhausplatz hätten der Räumungsaufforderung der Stadtpolizei ohne Widerstand Folge geleistet, begründete Polizeisprecher Klaus Mennel am Samtagnachmittag.

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