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800'000 Franken für den Roten Platz: In St.Gallen wird der Teppich neu ausgerollt

Über knapp 14 Jahre hat sich der Rote Platz als Wahrzeichen der Stadt St.Gallen etabliert. Jetzt muss er erneuert werden.
Miguel Lo Bartolo
Aus der Vogelperspektive ist der Rote Platz noch ganz der alte. (Bild: Hanspeter Schiess)

Aus der Vogelperspektive ist der Rote Platz noch ganz der alte.
(Bild: Hanspeter Schiess)

Schmutzrückstände, Kaugummiflecken und Überreste unzähliger Ausgangsekstasen zeichnen den Roten Platz. Das prominente Kunstwerk von Pipilotti Rist und Carlos Martinez inmitten des Raiffeisen-Komplexes ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Zog die Blutröte des Platzes einst noch seine Besucher in den Bann, suchen heute manche nach einem reizvolleren Plätzchen zum Verweilen.

Die Stadtbehörden und die Verantwortlichen der Raiffeisenbank sind einer Meinung: Der Rote Platz muss ersetzt werden. Das Grossprojekt wird in zwei Bauetappen unterteilt. Gemäss dem städtischen Tiefbauamt beginnen die ersten Bauarbeiten bereits im August dieses Jahres. 800'000 Franken soll ersten Kalkulationen zufolge die Instandsetzung kosten. Die Raiffeisenbank und die Stadt teilen sich die Kosten, wobei die Raiffeisenbank für 60 Prozent aufkommen wird.

Der Belag ist empfindlich

Der grelle Belag ist ein Blickfang, daran besteht kein Zweifel. Dass dieser auch Nachteile mit sich bringt, dürfte sich allerdings der Kenntnis der Mehrheit entziehen. «Natürlich ist der Belag in keiner Weise mit gewöhnlichem Asphaltbelag zu vergleichen. Er ist empfindlich. Die Gebrauchsspuren zeichnen sich deutlicher ab als auf Strassenbelägen», erklärt Beat Rietmann, Leiter des Tiefbauamtes der Stadt St.Gallen.

Belebt am Freitagnachmittag: der Rote Platz. (Bild: Hanspeter Schiess)

Belebt am Freitagnachmittag: der Rote Platz. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die oberste der drei Granulatschichten soll demnach abgeschliffen werden und einer neuen Deckschicht weichen. Rietmann führt den Instandsetzungsbedarf des Roten Platzes einerseits auf die zahlreichen Werkarbeiten rund um das Gelände zurück. Andererseits müssten sich auch Einzelpersonen an der Nase nehmen. Das Privileg der öffentlichen Nutzung des Platzes sollte mit Freude genossen und nicht mit Füssen getreten werden. Stadtingenieur Rietmann sagt:

«Als das Projekt des Roten Platzes im Jahre 2005 ins Leben gerufen wurde, fühlte man sich bautechnisch herausgefordert. Ein solcher Belag im öffentlichen Raum war ein Novum.»

Mit den Erfahrungswerten aus den vergangenen Jahren sei man nun besser in der Lage, den neuen Belag den Bedürfnissen entsprechend einzusetzen.

Die Langlebigkeit des neuen Granulatbelages sei aber auch abhängig von der Sorgfalt der Nutzer. «Die Idee des Roten Platzes bestand darin, einen Treffpunkt zu erschaffen, an dem man sich wohlfühlt und den man wahren möchte», sagt Rietmann.

«Es ist bedauerlich, dass man in der heutigen Zeit diesbezüglich noch an die Vernunft der Menschen appellieren muss.»

Bezüglich der Zu- und Wegfahrten sind keine Veränderungen geplant. Ausserdem wird man nach der Fertigstellung weder auf Aussen- noch auf Tiefgaragenparkplätze verzichten müssen. Während der Bauarbeiten muss allerdings mit verkehrstechnischen Behinderungen gerechnet werden. Die Zufahrten zu den umliegenden Liegenschaften sollten grundsätzlich gewährleistet sein.

Zukünftige Philosophie und Verkehrssituation

An der ursprünglichen Philosophie des Kunstprojekts Rists und Martinez’ wird nicht gerüttelt. Der Platz war als Begegnungsort gedacht und soll auch weiterhin diese Aufgabe erfüllen. «Wie lange es bis zur nächsten Instandsetzung dauert, liegt auch in der Hand der Nutzer», sagt Rietmann.

Ein missverstandenes Konzept

Pipilotti Rist und Carlos Martinez haben im Jahr 2005 mit dem Projekt eines Roten Teppichs in der Innenstadt verblüfft. Das Vorhaben wurde von der Presse als «Startschuss für die Neugestaltung des öffentlichen Raumes» bezeichnet. Es dauerte allerdings nicht lange, bis sich die negativen Aspekte des empfindlichen Platzes offenbarten. Durch die öffentliche Nutzung legte man das Schicksal des Roten Platzes in die Hände jeder Person, die sich darauf bewegt.

Das Vertrauen, das der Öffentlichkeit damit gegeben wurde, hat sich bis heute nicht wie gewünscht bewährt. Vor allem an Wochenenden verwandelt sich der Rote Platz in eine Partymeile, bei der Littering und Vandalenakte nicht unüblich sind. Das Konzept, das einen Ort des gemütlichen Beisammenseins zu verkaufen versuchte, scheine bislang nicht angekommen zu sein, sagt Stadtingenieur Beat Rietmann. (mlb)

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