In Rorschachs «Fuchsschwanz» steht noch eine Musikbox aus den 60ern

Die Musikbox wird 130. In Rorschach gibt es sie kaum mehr – dennoch sind sie auch hier noch zu finden.

Ines Biedenkapp
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Eine Wurlitzer gilt heute noch als der Rolls Royce unter den Musikboxen. (Bild: PD)

Eine Wurlitzer gilt heute noch als der Rolls Royce unter den Musikboxen. (Bild: PD)

«Er hat ein knallrotes Gummiboot, mit diesem Gummiboot fahren wir hinaus», schallt es aus den Lautsprechern einer Rowe Ami. «Oh, sie läuft noch», stellt ein Gast des «Fuchsschwanz» überrascht fest. «Natürlich», sagt Inhaber René Inauen. «Wissen sie, solche Musikboxen standen früher in jeder Beiz», sagt der Gast. Der Anblick einer Musikbox ist mittlerweile zur Seltenheit geworden.

Sie sind aufgrund moderner Stereoanlagen, iPods oder auch Fernsehern gewichen und zum beliebten Sammlerstück geworden. «Eine original Wurlitzer bekommt man heute ab 20000 Franken», sagt Guglio Kühnis von Timeless Trading. «Nach oben ist es offen. Je nach Modell kann es nämlich ziemlich teuer werden.»

Der Rolls Royce der Musikboxen

Das kleine Geschäft an der Thurgauerstrasse in Rorschach handelt mit Konkurswaren und Unikaten. Darunter befinden sich auch immer wieder Jukeboxen. «Erst letzte Woche habe ich einige verkauft», sagt Kühnis. «Aber eine echte Wurlitzer ist mir leider noch nie unter die Augen gekommen.» Sie gilt als Rolls Royce der Musikboxen.

Nun feiert die beliebte Anlage ihren 130 Geburtstag. Denn im November 1889 stellte Louis Glass im Restaurant Palais Royal in San Francisco erstmals einen münzbetriebenen, automatischen Fonografen vor. Das gilt als die Geburtsstunde der heutigen Musikboxen. Im Laufe der Zeit veränderte sich nicht nur die Klangqualität, sondern auch das Aussehen der Anlagen. Anfang der 30er-Jahre sahen die Musikboxen noch eher wie Möbel aus. Ab 1936 fügte die Firma Gabel erstmals beleuchtete Plastikteile bei ihrem Modell Starlite hinzu. Trotz Kriegs gelten die 40er-Jahre als «Golden Age» der Musikboxen.

Eine Rowe Ami aus den 1960er-Jahren

Doch wo findet man die Musikboxen noch in Rorschach? Neben dem Restaurant Fuchsschwanz, das eine original Rowe Ami aus den 60er-Jahren hat, steht eine weitere Anlage im Restaurant Toggenburg. Dort laufen die Lieder bereits per CD. Auf der Anlage steht, dass das Abspielen von elf Stücken fünf Franken kostet. Es können aber auch fünf Lieder für zwei, oder zwei Lieder für einen Franken ausgesucht werden. Eine weitere Jukebox hat die Café Bar Treppenhaus. Derzeit allerdings ausser Betrieb, da sie reparaturfällig ist.

«Viele der Leute kennen eine solche Anlage gar nicht mehr», sagt René Inauen vom «Fuchsschwanz».

«Vor allem junge Erwachsene oder Kinder fragen nach, was das für ein Teil ist.»

Bei seiner Ami fehlt vorne die Vertäfelung. Diese hat René Inauen mit Absicht abgenommen, damit die Hydraulik im Inneren betrachtet werden kann.

Rund 50 Singles zur Auswahl

Wird eine Münze in den Schlitz gesteckt, kann die Auswahl der Musik beginnen. Die Tasten dafür leuchten rot. Rund 50 Stücke kann die Anlage abspielen. Zur Auswahl stehen etwa «I Want To Break Free» von der britischen Band Queen, oder «Ein Bett im Kornfeld» von Schlagerstar Jürgen Drews. Die Singles sind bestimmten Buchstaben oder Zahlen zugeordnet. Mit der Tastenkombination C8D setzt sich der sogenannte Picker in Bewegung, der die entsprechende Platte auf dem Wiedergabegerät platziert. Dann ertönt aus den Lautsprechern «Er hat ein knallrotes Gummiboot, mit diesem Gummiboot fahren wir hinaus.»