In Rorschach werden Flüchtlinge fit für für den Arbeitsmarkt gemacht

Der Verein LernEtwas bietet Flüchtlingen nun auch einen Malerkurs an. Übungen finden derzeit im SoliHaus statt.

Ines Biedenkapp
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Malermeister Urs Giezendanner (hinten rechts) schaut bei der Arbeit seiner Schützlinge genau hin. (Bild: Ines Biedenkapp)

Malermeister Urs Giezendanner (hinten rechts) schaut bei der Arbeit seiner Schützlinge genau hin. (Bild: Ines Biedenkapp)

Das kleine Haus Nummer 7a an der Löwenstrasse in Rorschach wirkt unscheinbar. Im Inneren wird jedoch kräftig gearbeitet. «Du musst aufpassen, wenn du die Abdeckung der Wände abnimmst», sagt Urs Giezendanner. «Es muss von oben nach unten abgezogen werden: Nicht dass Schmutz auf die frisch gestrichenen Wände kommt.»

Er ist der Leiter «Betriebshelfer Malerbetriebe» des gemeinnützigen Vereins LernEtwas aus Rorschach. Sie bieten Qualifizierungsprogramme im Bereich Betriebshelfer Holzbearbeitung, Betriebshelfer Elektrik und seit diesem Sommer Betriebshelfer Malerbetriebe an.

Schmale Treppe ist eine Herausforderung

«Ziel unserer Arbeit ist es, Flüchtlingen einen besseren Einstieg in die Arbeitswelt zu ermöglichen», sagt Anton Ziltener, Präsident von LernEtwas. Neben den praktischen Kursen gehören daher auch Deutsch- und Mathematikkurse dazu.

Nach sechs Wochen im Betrieb von LernEtwas geht es für die jungen Erwachsenen aus Syrien, Eritrea oder Afghanistan in ein Praktikum. «Dort soll das Gelernte vertieft werden», sagt Ziltener. Noch wird für die zehn Lernenden ein Praktikumsplatz gesucht. «Ab Anfang Oktober könnten sie in einem Malerbetrieb helfen», sagt Ziltener. Dass sie im Haus Nummer 7a üben können, hat sich als Glücksfall herausgestellt. «Es ist zwar relativ eng», sagt Kursleiter Giezendanner.

«Aber wir konnten wirklich vieles üben. Zum Beispiel das Abdecken auf verschiedenen Flächen, die Reinigung und Pflege der Utensilien oder auch Malerarbeiten selbst.»

Dabei sei vor allem die schmale Treppe in den zweiten Stock eine Herausforderung gewesen. «Sie ist eng und aus Holz. Da hatten sie schon ein bisschen Mühe mit», sagt Giezendanner, der sich mit viel Freude um die Lernenden kümmert. Die zehn Männer im inneren des Hauses sind tatkräftig am Werk. Immer wieder schauen sie nach, ob die Abdeckung noch sitzt oder fahren mit einem kleinen Schwamm über die Fensterrahmen. «Bei Malerarbeiten kommt es darauf an, dass man genau arbeitet», erklärt Giezendanner. Mit dem Schwamm würden die Flüchtlinge sicherstellen, dass keine Spritzreste auf unerwünschten Stellen haften bleiben.

Verein will Raum für Begegnungen schaffen

Der verstorbene Max Schär vermachte das Haus dem Verein Solidaritätshaus St. Gallen. Zweck des Vereins ist es, Raum für Begegnungen und Eigeninitiativen zu bieten. «Derzeit arbeiten wir an den genaueren Konzepten», sagt Felix Gemperle, Vorsitzender des Vereins.

«Es soll ein Ort für Integration sein. Unser Ziel ist es daher, dass hier einmal Wohnungen für Flüchtlinge entstehen.»

Als sie von LernEtwas angefragt wurden, waren sie gerne bereit, das Gebäude zum praktisch Üben zur Verfügung zu stellen. Die Männer sind mit Elan dabei. Lachend machen sie sich auf Farbkleckse im Gesicht aufmerksam