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«Die Antenne wird unserem Baby auf dem Balkon direkt ins Gesicht strahlen»: In Rorschach gibt es über 100 Einsprachen gegen eine Handy-Antenne

Auf einem Hausdach im Rorschacher Wohngebiet will der Mobilfunkanbieter Salt eine Antenne aufstellen. Eine grosse Anzahl Anwohner fürchtet um ihre Gesundheit und deckt das Projekt mit Einsprachen ein.
Laura Manser
Anwohner kämpfen gegen eine geplante fünfeinhalb Meter hohe Mobilfunkantenne auf einem Hausdach.(Bild: Rudolf Hirtl)

Anwohner kämpfen gegen eine geplante fünfeinhalb Meter hohe Mobilfunkantenne auf einem Hausdach.(Bild: Rudolf Hirtl)

Gesundheitsgefährdend, krebsfördernd und schlafstörend: Diese Attribute erhalten Mobilfunkantennen von ihren Gegnern. «Ein solcher Sendemasten ist eine Belastung für unser Quartier», sagt ein verärgerter Bewohner am Schurtannenweg 16 in Rorschach. Denn der Mobilfunkanbieter Salt will dort auf einem Wohnhausdach einen neuen Sendemasten aufstellen. Die geplante Antenne soll den Empfang für Salt-Nutzer verbessern. Vom 25. Januar bis zum 7. Februar 2019 war es Anwohner im Umkreis von 524 Meter erlaubt, Einsprachen einzusenden. «Über 100 Einsprachen sind eingegangen, die nun auf ihre Legitimation geprüft werden», sagt Markus Fäh, Bereichsleiter Bau- und Stadtentwicklung. «Das kann ein bis zwei Monate dauern.»

Fehlende Kommunikation

«Ich hatte keine Ahnung von der Antenne. In meinem Briefkasten habe ich ein Flugblatt gefunden und bei der Rorschacher Webseite nachgeschaut», sagt Veronika Jöhl, Bewohnerin des Quartiers. Das Flugblatt stammt von einer Anwohnerin.

Laut Fäh hätte der Mobilfunkanbieter Salt die Anwohner informieren müssen: «Da dies ein privates Bauvorhaben ist, gehört das Informieren bis auf wenige Ausnahmen nicht zu unserer Aufgabe. Wir sind lediglich die Bewilligungsinstanz.» Die Stadt habe Salt geraten, die Bewohner über das geplante Projekt zu benachrichtigen. Dazu gibt Salt-Sprecherin Viola Lebel keine Auskunft, sagt aber: «Es handelt sich um eine Standard-Sendeanlage auf dem Dach. Sie ist rund fünfeinhalb Meter hoch.» Alle relevanten Vorschriften würden eingehalten. Die Antenne sei wichtig für die Qualität Mobilfunknetzes in der Region. «Der aktuell explodierende Datenkonsum via Mobilfunk verlangt nach ortsnahen Sendeanlagen.»

Das Haus, auf dessen Dach die Antenne zum Stehen kommen soll, gehört der Luzerner Tury AG. Dort ist man ebenfalls der Meinung: «Es braucht solche Antennen für die Kommunikation. Deshalb haben wir das Projekt erlaubt.» Zur Informierung der Anwohner und zu Zahlungen von Salt wollte niemand Auskunft geben. Handyantennen auf Dächern können Hausbesitzer pro Jahr 10'000 bis 20'000 Franken einbringen.

Organisierter Widerstand

Hauseigentümerin Daniela Häderli wohnt in unmittelbarer Nähe der geplanten Antenne. Sie hat von der Stadt Post erhalten. Denn laut Baureglement müssen alle Hausbesitzer im Umkreis von 30 Metern informiert werden. Häderli hat das Blatt mit Informationen zur Einspracheberechtigung an Nachbarn, die im 524-Meter-Radius wohnen, weitergeleitet. Zudem hat Häderli mit weiteren Anwohner Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. «Die Sache macht mir Angst. Da ich hier ein Haus besitze, kann ich nicht einfach wegziehen. Und am Ende verlieren noch die Liegenschaften an Wert.»

Die Unterschriftensammlung war für Häderli ein Erfolg: Ihr Bemühen brachte rund 80 Einsprachen zusammen. Auch Gerald Watts, Sein weiterer Anwohner des Quartiers, hat sich engagiert. In seiner Einsprache äussert er Besorgnis um den Ortsbild- und Landschaftsschutz sowie um die Auswirkungen auf Kindergarten, Schule, Altersheim und Spital in der Nähe. Weiter nennt er die «unzureichende Informierung der Anwohner». Er finde es «stossend», wenn «ein Projekt dieser Tragweite» nicht allen betroffenen Personen bekannt gemacht werde.

Ralf Monno ist einer der Einsprecher. (Bild: lam)

Ralf Monno ist einer der Einsprecher. (Bild: lam)

Die Familie Monno wohnt mit direkter Sicht auf die geplante Antenne. Familienvater Ralf sagt er habe seine Vermieter, die Tury AG darauf angeschrieben. «Die Firma hat geantwortet, wir würden durch die Antenne besseren Empfang erhalten.» Das Projekt sei eine sichere und unbedenkliche Sache.

«Die Antenne wird uns und unserem Baby auf dem Balkon direkt ins Gesicht strahlen.»

Beim Bauamt hat sich Monno die Pläne der Strahldaten erklären lassen: «Die Hauptstrahlrichtung verläuft bei drei von vier Anwohnern direkt durch die Balkone. Bei Manchen liegt die Intensität sogar genau im in der Schweiz maximal zulässigen Bereich», sagt Monno. «Das ist alles andere als unbedenklich.»

«Ein Handy strahlt stärker»

David Schürmann von der Universität Basel ist Mitglied einer Expertengruppe, die sich mit dem Thema Mobilfunkstrahlung auseinandersetzt. «Auch ich würde nicht gerne neben einer Mobilfunkantenne wohnen», sagt er. Doch das eigene Mobiltelefon übertrage die grössere Strahlung als eine Antenne auf dem Dach. Laut Schürmann ist es klüger, mehr Antennen aufzustellen, wodurch die Sendeleistung einzelner Antennen geringer gehalten werden kann. Zudem werde so die Abdeckung und somit die Kommunikation für Menschen verbessert. Ob Strahlung wirklich gesundheitsschädigend ist, sei nicht bewiesen. «Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sie auf irgendeine Art einen Einfluss auf den Menschen hat.» Der Experte versteht die Sorgen der Betroffenen Anwohner.

Martin Röösli, Professor für Umweltepidemiologie am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut in Basel, sagt: «Unterhalb der Grenzwerte von 40-60 Volt pro Meter, sind bislang keine Effekte auf die Gesundheit nachgewiesen worden.» Es gebe teilweise aber biologische Auswirkungen, wie die Zunahme von oxidativem Stress in Zellen. «Ob sich das langfristig auf die Gesundheit auswirken kann, ist nicht nachgewiesen», erklärt Röösli.

Antenne in Staad darf gebaut werden

In Rorschachs Nachbarort Staad hat der Mobilfunkanbieter Salt im Mai vergangenen Jahres ebenfalls ein Baugesuch für eine Mobilfunkantenne eingereicht. Direkt am Seeufer, an der Hauptstrasse 71, auf dem Dach der Firma Stieger Software, soll sie dereinst stehen. Die Gemeinde Thal publizierte damals das Bauvorhaben vorschriftsgemäss im Amtsblatt und informierte in der Zeitung.

Auch gegen diese Antenne wehrten sich mehrere Anwohner mit Einsprachen. 18 Rekurse gingen bei der Gemeinde ein (Ausgabe vom 29. November). Das kantonale Amt für Umwelt prüfte daraufhin, ob die geplante Anlage die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte einhält. Dies war der Fall. Die Gemeinde prüfte unterdessen allfällige baurechtliche Einschränkungen und kam zum Schluss, dass keine das Projekt betreffen.

Bewilligt ohne weitere Verfahren

Nun hat die Gemeinde Grünes Licht gegeben: «Das Projekt ist vergangene Woche bewilligt worden. Die Bewilligung ist drei Jahre gültig», sagt Herbert Perchtold, Leiter Baumt der Gemeinde Thal. Ob die Antenne jetzt gebaut werde oder nicht, sei dem Mobilfunkanbieter Salt überlassen. Perchtold geht davon aus, dass die Antenne bald errichtet wird. Von Salt hat die Gemeinde Thal seit der Erteilung der Bewilligung «erstaunlicherweise nichts mehr gehört.» Im November hat der Konzern allerdings verlauten lassen, die Antenne im zweiten Quartal 2019 fertig zu stellen.

Doch was ist mit den Einsprechern? «Aus Zeitgründen und aufgrund fehlender rechtlicher Grundlagen, hatten alle 18 Einsprecher ihre Beschwerden nach der Beurteilung von Kanton und Gemeinde zurückgezogen», sagt Perchtold. Im November klang es zwar noch so, als wäre auch der Gang vor Gericht eine Option. «Wir werden gegen die Antenne kämpfen, soweit es geht», sagte einer der Gegner. Auf eine Anfrage des «Tagblatts» wollte er sich heuer jedoch nicht mehr äussern.

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