In Oberglatt wird die ARA ausgebaut: Die Glatt wird bald noch sauberer

Die Abwasserreinigungsanlage Oberglatt wird ausgebaut. Künftig werden auch kleinste Verunreinigungen gefiltert.

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Die Glatt ist dort, wo sie in die Thur mündet, relativ stark belastet.

Die Glatt ist dort, wo sie in die Thur mündet, relativ stark belastet.

Bild: Andrea Häusler

(pd/mha) Kurz nach Herisau ist das Wasser der Glatt noch ziemlich sauber. In Oberbüren aber wird vom Baden im Fluss gar abgeraten. Betroffen ist die Stelle, wo der Fluss in die Thur mündet. Das Wasser könne Mikroorganismen und Bakterien enthalten, warnen die Ämter für Umweltschutz und für Lebensmittelkontrolle des Kantons St.Gallen.

Das Baden empfiehlt sich aufgrund der Verschmutzung nicht.

Das Baden empfiehlt sich aufgrund der Verschmutzung nicht.

Bild: Hans Suter

Das Wasser, das flussaufwärts aus der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Oberglatt fliesst, enthält bei niedrigem Wasserstand zu rund 50 Prozent Abwasser. Die ARA kann also noch nicht alle schädlichen Stoffe zurückhalten. Derzeit wird die Anlage aber ausgebaut. Die Gemeinden Degersheim, Gossau und Flawil haben 2018 einem Kredit über 20 Millionen Franken zugestimmt. Der Bund beteiligt sich an den Kosten mit rund 9,3 Millionen Franken. Den Rest teilen sich die drei Verbandsgemeinden nach einem Verteilschlüssel.

Letzte Ausbau liegt 20 Jahre zurück

Beim Ausbau wird zum einen die biologische Reinigungsstufe (Biofiltration) erweitert. Dies ist nötig, damit die Anlage auch künftig über genügend Reinigungskapazität verfügt. Denn das Bevölkerungsgebiet im Einzugsgebiet ist gewachsen; der letzte Ausbau liegt 20 Jahre zurück. Zudem sind die gesetzlichen Anforderungen an Reinigungsleistung und Gewässerschutz gestiegen.

Zum andern wird eine Stufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen eingebaut. Seit 2016 sind grössere Kläranlagen verpflichtet, Mikrovereinigungen zu entfernen. In Oberglatt werde – wie 2015 in der ARA Herisau – ein Pulveraktivkohle-System eingebaut, teilt das Amt für Umwelt Appenzell Ausserrhoden mit. Die Anlage soll im Herbst 2021 in Betrieb gehen.

Unter anderem belastet Rostschutzmittel die Glatt

Mikroverunreinigungen entstehen zum Beispiel durch Rückstände von Reinigungsmitteln, Körperpflegemitteln, Medikamenten oder Pflanzenschutzmitteln. Auch in tiefer Konzentration können Mikroverunreinigungen Wasserlebewesen schädigen. Die Glatt ist an ihrem Unterlauf vor allem durch Medikamente, Kontrastmittel, Rostschutzmittel, künstliche Süssstoffe und Pestizide belastet. Das geht aus Daten einer Messstelle in Buechental in Oberbüren hervor. Mit der Messstelle werden Mikroverunreinigungen seit 2019 lückenlos überwacht und ökotoxikologisch bewertet.

Dank der aufgerüsteten ARA Herisau gelangen dort «deutlich weniger» Mikroverunreinigungen mit dem Abwasser in die Glatt, schreibt der Kanton Ausserrhoden. Allerdings wird die Verbesserung durch das Abwasser der noch nicht ausgebauten ARA Oberglatt wieder aufgehoben.