In die neue Löwenanlage im Walter-Zoo kommen Tiere, die es in freier Wildbahn nicht mehr gibt

Ende September wird die Löwenanlage im Walter-Zoo eingeweiht und damit ein langes Kapitel abgeschlossen. Ins Gehege, das Teil der Serengeti-Anlage ist, ziehen Berberlöwen ein.

Adrian Lemmenmeier
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Der Berberlöwe ist in freier Wildbahn ausgestorben. (Bild: Getty)

Der Berberlöwe ist in freier Wildbahn ausgestorben. (Bild: Getty)

Der Walter-Zoo erhält seltene Bewohner. Denn Berberlöwen, von denen drei in den Gossauer Zoo ziehen, sind in freier Wildbahn ausgerottet. Weniger als 30 Zoos halten heute solche Tiere. Der Walter-Zoo wird bald einer von ihnen sein. Ende September wird die neue Löwenanlage, die Teil der Serengeti-Anlage ist, eingeweiht.

«Für uns war es wichtig, dass wir eine bedrohte Löwenart aufnehmen können», sagt Zoodirektorin Karin Federer. Ausserdem passe der Berberlöwe gut ins neue Gehege. «Wir haben ein hügeliges Gelände, das dem natürlichen Umfeld dieser nordafrikanischen Berglöwen nahe kommt», sagt Federer. Zudem seien Berberlöwen kälteresistent, ein Ostschweizer Winter könne ihnen nichts anhaben.

Im Privatzoo eines Fürsten überlebt

Wilderer erlegten den letzten Berberlöwen in den 1940er-Jahren. Ein paar wenige Tiere überlebten aber im Privatzoo eines marokkanischen Fürsten, wie es in einer Mitteilung des WalterZoos heisst. Der Fürst übergab die Tiere in den 1970er-Jahren dem Nationalzoo in Rabat. 2009 trugen dann englische Wissenschaftler die Stammbäume der noch lebenden Löwen zusammen. Allerdings seien diese bereits mit anderen Unterarten vermischt gewesen, heisst es in der Mitteilung weiter. Anhand der Daten wurden Zuchtpaare zusammengestellt und auf verschiedene Zoos verteilt. Der Walter-Zoo erhält drei Tiere. Zwei Weibchen kommen aus dem Zoo Neuweid in Deutschland, ein Männchen aus Paris.

Für die Gestaltung der neuen Anlage haben sich die Verantwortlichen des Walter-Zoos verschiedene Löwengehege im In- und Ausland angeschaut. Nach einer Bauzeit von knapp zwei Jahren besteht nun eine Anlage, die den Berberlöwen 1600 Quadratmeter Platz bietet – fünfmal mehr als im ehemaligen Löwengehege. Investiert wurden 2,5 Millionen Franken. Einen Teil davon finanzierten Gönner, indem sie 1300 personalisierte Pflastersteine kauften, die auf dem Weg zur Löwenanlage verlegt wurden.

Die Aussenanlage soll eine Berglandschaft imitieren. (Bild: PD/Walter Zoo)

Die Aussenanlage soll eine Berglandschaft imitieren. (Bild: PD/Walter Zoo)

Beitrag zur Erhaltung einer seltenen Tierart

Mit der Haltung der Berberlöwen könne der Zoo zum Erhalt einer seltenen Tierart beitragen. «Das Ziel einer Zucht ist ja immer auch die Wiederansiedlung», sagt Karin Federer. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm, das auch hinter dem Tigernachwuchs im Walter-Zoo steht, sei bei den Löwen allerdings noch nicht so weit entwickelt wie etwa bei den Tigern, sagt Federer.

Dass sich früher oder später im Walter-Zoo auch junge Berberlöwen tummeln werden, hält Karin Federer für wahrscheinlich. «Die Chancen auf Nachwuchs sind mit zwei Weibchen und einem Männchen relativ hoch.» Die Tiere seien noch jung, hätten gerade die Geschlechtsreife erreicht. Nun müssten sie sich allerdings erst einmal aneinander gewöhnen.

Nicht zuletzt sei die Löwenalage für die Zoofamilie Federer auch eine emotionale Angelegenheit. Denn Löwen sind die ersten Tiere gewesen im Walter Zoo, der 1963 gegründet wurde.

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