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Campingplätze lohnen sich auch für Städte, aber in St.Gallen fehlt die Initiative

Das Beispiel Winterthur zeigt: Ein Campingplatz lohnt sich auch für Städte. In St.Gallen gibt es aber nur zwei Stellplätze für Wohnwagen.
Marlen Hämmerli
Camping wird immer beliebter, das zeigen auch die Zahlen vom Bundesamt für Statistik. (Bild: Getty)

Camping wird immer beliebter, das zeigen auch die Zahlen vom Bundesamt für Statistik. (Bild: Getty)

Die Stadt St.Gallen hat vier Tage im Jahr einen Campingplatz – während des Open Airs. Den Rest des Jahres müssen Camper mit den Stellplätzen neben dem Paul-Grüninger-Stadion vorliebnehmen. Plätze, die nur für Kurzaufenthalte gedacht und sanierungsbedürftig sind. Die Sanierung würde 5000 Franken kosten, eine neue Anlage mindestens 30'000 Franken. Investitionen in diesem Umfang erachtet der Stadtrat derzeit als wenig sinnvoll, wie er Ende 2018 in der Antwort auf einen Vorstoss geschrieben hat. Im Raum St.Gallen-Bodensee gebe es eine grosse Anzahl von Stellplätzen für Wohnmobile.

Dabei ist ein Campingplatz durchaus lohnenswert. Das zeigt das Beispiel Winterthur. Wie Lausanne und Luzern verfügt die Stadt über einen Campingplatz in Nähe des Zentrums. Ein Campingplatz sei aus Tourismussicht absolut sinnvoll, sagt Markus Gilgen, Vizedirektor des «House of Winterthur». «Wir erachten es als einen Glücksfall, einen Campingplatz in der Stadt zu haben.» Die Zahl der Wohnmobilbesitzerinnen und -besitzer ist in ganz Europa gestiegen: «Da sehe ich eine explizite Zielgruppe, die zunehmend wichtiger wird.»

Camper sind eine 
«spannende Klientel»

Tobias Treichler, Vizedirektor von St.Gallen-Bodensee Tourismus. (Bild: PD)

Tobias Treichler, Vizedirektor von St.Gallen-Bodensee Tourismus. (Bild: PD)

Dem stimmt Tobias Treichler, Vizedirektor von St.Gallen-Bodensee Tourismus, zu. «Immer mehr Leute suchen mit einem Camper das Abenteuer. Das ist eine andere Klientel als Hotelgäste. Eine spannende Klientel.» Gemäss einer Studie für die Stadt Innsbruck reisen Touristen mit einem Wohnmobil meistens zu zweit, sind über 50 Jahre alt und haben ein mittleres bis hohes Einkommen. Neben Wandern und Velofahren nennen zwei von drei Campern Einkaufen als Zeitvertreib. Sie besuchen die lokalen Sehenswürdigkeiten, gehen auswärts essen und wellnessen. So gibt ein Camper im Schnitt 150 Franken pro Tag aus. Treichler sagt denn auch:

«Ein Campingplatz wäre sicher reizvoll.»

Aber nicht inmitten der Stadt, diese sei schon viel zu dicht gebaut. Freie Plätze seien kaum vorhanden und Naherholungsgebiete wie die Drei Weieren kommen laut Treichler wegen der gegenläufigen Bedürfnisse nicht in Frage. Auf dem Spelteriniplatz oder der Kreuzbleiche wären Standplätze für Wohnwagen zwar vorstellbar, schreibt der Stadtrat in der Antwort auf die Einfache Anfrage «Unbefriedigende Situa­tion für Wohnmobile». Doch die Plätze sind während des Jahres immer wieder belegt, sei es durch Zirkusse oder die Olma. Treichler sagt:

«An der Stadtgrenze oder auf umliegendem Gebiet würde ein Campingplatz eher Sinn ergeben.»

«Camping verbindet man mit dem Naturerlebnis und dem Abenteuergefühl. Beides kann man hervorragend rund um die Stadt St.Gallen erleben.»

Campingplätze rund um St.Gallen

Preis: Caravan plus Parkplatz, Strom und Ortstaxe inkl. 2 Erwachsene für eine Nacht in der Hauptsaison.

Der nächste Campingplatz 
liegt 20 Minuten entfernt

20 Minuten mit Zug und Postauto von St.Gallen entfernt, direkt an der Sitter, liegt der Campingplatz St.Gallen-Wittenbach. Momentan erlebe er gerade die «Niederländer-Welle», sagt Platzwart Georg Gilgen. Schweizer, Deutsche und Italiener seien häufige Gäste.

«Viele unternehmen einen Ausflug nach St.Gallen und besuchen die Kathedrale. Wir empfehlen die Aktivitäten je nach Interesse.»

Einen Bedarf nach einem Campingplatz auf Stadtgebiet hat Gilgen bisher nicht festgestellt. «Aber die Leute sind hellauf begeistert von der neuen Buslinie 4 zwischen Wittenbach und St.Gallen.» Für einen Campingplatz brauche es vor allem einen Macher.

Die fehlende Initiative ist wohl der Grund, warum St.Gallen keinen Campingplatz hat – nicht mal während der Sommerferien, wie 2017 geschehen. Damals campten zwei Wochen lang Lehrerinnen und Lehrer aus der ganzen Deutschschweiz auf dem Pausenplatz des Schulhauses Buchental. Das im Rahmen einer Lehrer-Weiterbildung.

Der temporäre Zeltplatz war die Idee von Veranstalter und Kommunikationsunternehmer Roman Bottlang. Und er spann sie weiter: Warum nicht während der Sommerferien einen temporären Campingplatz anbieten? Doch seither ist nichts mehr geschehen, die Idee ist versandet: «Ich hab sie nicht mehr weiter verfolgt», sagt Bottlang. «Es bräuchte jemanden, der das Risiko übernimmt und der Zeit und Lust hat, einen solchen Camping über mehrere Jahre zu betreiben.» Ob ein Camping in St.Gallen ein Bedürfnis ist, weiss Bottlang nicht.

«Aber mit einem temporären Angebot könnte man rausfinden, ob es einen braucht.»

Gerade in den Sommermonaten dürfte ein Campingplatz attraktiver sein als im Winter. «Einen fixen Campingplatz, das ganze Jahr über – ich weiss nicht, wie dieser genutzt würde.» An einen konkreten Platz hat Bottlang bislang noch nicht gedacht. «Ein Schulhaus würde sich aber anbieten, weil es während der Sommerferien kaum genutzt wird und die sanitären Anlagen schon vorhanden sind.» Er habe es vor zwei Jahren natürlich einfach gehabt: «Wir wussten genau, was für Leute und wie viele kommen.

Es fehlen 
passende Grundstücke

Auf Stadtboden besitzt die Ortsbürgergemeinde St.Gallen viele Liegenschaften. Und seit diesem Jahr ist sie mit dem Minihotel in der Falkenburg auch im Hotelgeschäft tätig. «Über einen Campingplatz hat man meines Wissens noch nie diskutiert», sagt Urban Hettich, Leiter Forst und Liegenschaften bei der Ortsbürgergemeinde St.Gallen. Einen Campingplatz würde die Ortsbürgergemeinde laut Hettich sicher nicht selbst betreiben, sondern höchstens das Land im Baurecht zur Verfügung stellen.

«Jedoch sehe ich in unserem Portfolio keine Liegenschaft, die geeignet wäre.»

«Die meisten unserer Grundstücke befinden sich in der Landwirtschaftszone und jene in der Bauzone sind nicht geeignet.» So bleibt es wohl beim temporären Campingplatz im Sittertobel. Abenteuergefühl und Naturerlebnis direkt an der Sitter, genau wie es auch der Campingplatz St.Gallen-Wittenbach bietet.

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