Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Angestellte in der Stadt St.Gallen ziehen als Wohnort die ländliche Idylle der Stadt vor

Mehr als die Hälfte der 2200 städtischen Angestellten lebt nicht in St. Gallen, sondern auswärts. Vor allem Gutverdiener ziehen den Wohnort auf dem Land vor. Steuern dürften dafür nicht der Hauptgrund sein.
Seraina Hess
Nur vier von zehn städtischen Abteilungsleitern wohnen in St. Gallen. (Bild: Benjamin Manser (20. April 2018))

Nur vier von zehn städtischen Abteilungsleitern wohnen in St. Gallen. (Bild: Benjamin Manser (20. April 2018))

Ein Einfamilienhaus im überschaubaren Wohnquartier in der ländlichen Idylle des Dorfes: Für die meisten Mitarbeiter der Stadt St. Gallen scheint das verlockender zu sein als das Leben auf städtischem Boden. Den Wohnsitz wählen sie bereits seit Jahren frei – sofern es sich nicht um gewählte Mitglieder des Stadtrates handelt, die in St. Gallen wohnen müssen. Der Stadtrat ist ausserdem befugt, einzelnen Funktionen den Wohnsitz vorzuschreiben: Für Stadtpolizisten oder Berufsfeuerwehrleute, die Bereitschafts-, Sicherheits- oder Pikettdienst leisten, besteht eine Rayonpflicht. Sie müssen in einer definierten Zeit einsatzbereit sein.

Davon betroffen sind aber die wenigsten städtischen Angestellten, weshalb die Geschäftsprüfungskommission (GPK) der Angelegenheit beim Personalamt auf den Grund gegangen ist. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte der öffentlich-rechtlichen Angestellten, genauer 51,8 Prozent oder 1143 Personen, wohnt ausserhalb St. Gallens. Eingerechnet sind sämtliche städtische Betriebe, ausgeschlossen Lehrpersonen.

Wohnsitz städtischer Mitarbeiter nach Gehalt

in Prozent
ausserhalb
Stadt
020406080B: 58'000 Fr./JahrE: 94'000 Fr./JahrAlle MitarbeitendenLohnklasse

Wer wenig verdient, lebt in der Stadt

Die Aufschlüsselung im Bericht der GPK bringt unter anderem die Verteilung nach Lohnklassen zutage. So sind überdurchschnittlich viele Mitarbeiter mit tiefem Einkommen in der Stadt wohnhaft. Angestellte der Lohnklasse A mit einem Jahreseinkommen von 49 000 Franken (gerundeter Mittelwert) leben zu 71 Prozent in der Stadt, jene der Lohnklasse B (58 000 Franken) sogar zu 74 Prozent. Schon in der nächsten Lohnklasse C (69 000 Franken) nimmt der Anteil Städter drastisch ab: Von 52 Prozent sinkt die Zahl bis zum Tiefpunkt in der Lohnklasse E (94000 Franken), in der nur noch vier von zehn Mitarbeitenden in der Stadt wohnen. Danach steigt der Anteil wieder leicht: In den höchsten Lohnklassen H (148 000 Franken) bis J (190 000 Franken) wohnt exakt die Hälfte der Angestellten in der Stadt.

Fast 3500 Franken extra für alle, die hier leben

Beim Kader ist der Anteil mit Wohnsitz in der Stadt bei den Abteilungsleitern am tiefsten (38 Prozent). Die Bereichsleitungen (60 Prozent) und Dienststellenleitungen (55 Prozent) liegen allerdings über dem Durchschnitt.

Obschon keine Wohnsitzpflicht besteht, versucht die Stadt, ihren Mitarbeitern Anreiz zu geben, nach St. Gallen zu ziehen oder hier wohnen zu bleiben: durch einen finanziellen Zustupf.

Die Wohnsitzzulage beträgt bei einem Vollzeitpensum 3461 Franken pro Jahr, unabhängig davon, ob es sich um einen Hauswart oder einen Amtsleiter handelt. «Die Zulage dürfte aber nur Mitarbeitern mit kleinem Einkommen tatsächlich Anreiz sein, sich in der Stadt niederzulassen», sagt Parlamentarierin Evelyne Angehrn (SP), die der GPK vorsitzt.

Günstiger Wohnraum in der Agglomeration

Aufgrund der Aufschlüsselung der Wohnorte nach Lohnniveau liegt die Vermutung nahe, Gutverdiener würden den tieferen Steuerfuss anderer Gemeinden stärker gewichten als die städtische Wohnsitzzulage. Allerdings gehören gemäss Bericht auch Gemeinden zu den Spitzenreitern, die nicht auffällig steuergünstig sind. Gossau ist Heimat von 70 auswärtigen städtischen Mitarbeitern, dicht gefolgt von Wittenbach (68), Herisau (43), Abtwil (41) und Speicher (28).

Die Gründe, abseits der Stadt zu wohnen, seien vielfältig, sagt Angehrn: «Es mag sicher einzelne Personen geben, die den Steuerfuss berücksichtigen. Ein wichtiger Faktor könnte aber auch der Wohnraum sein.» Arbeitnehmer ab einem gewissen Lohnniveau können und wollen sich zwar Wohneigentum leisten, das begrenzte und eher hochpreisige Angebot in der Stadt steht der Liegenschaftssuche aber im Weg. «Möglicherweise sind auch grössere bezahlbare Familienwohnungen eher in der Agglomeration zu finden als auf städtischem Boden», sagt die GPK-Präsidentin. Nicht zu vergessen seien neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei Stellenantritt bereits ausserhalb der Stadt wohnen und wegen schulpflichtiger Kinder auf den Wohnortwechsel verzichten. Die günstigen Verkehrsanbindungen der städtischen Arbeitsplätze täten ihr Übriges.

Wohnsitzpflicht als Nachteil gegenüber der Privatwirtschaft

Obschon Evelyn Angehrn - wie viele ihrer Parlamentskollegen auch - es gerne sähe, wenn mehr städtische Angestellte in St. Gallen wohnten und hier Steuern zahlten, seien, Massnahmen wie die Wiedereinführung der Wohnsitzpflicht keine Option: «St. Gallen ist auf qualifizierte Arbeitskräfte angewiesen. Einschränkungen würden die Stellung der Stadt als Arbeitgeber gegenüber der Privatwirtschaft schwächen.» Die Stadt müsse sich durch sinnvolle Angebote hervortun – so mit einer bezahlbaren Kinderbetreuung, die Familien keine grossen Einbussen verursacht. Ein Blick auf die Zahlen der angestellten Eltern zeigt Potenzial: 53 Prozent der Mitarbeitenden mit Kindern unter 26 Jahren leben ausserhalb der Stadt.

Die Umzugsbereitschaft der Mitarbeiter sei in der Regel nicht sehr hoch, hält der Bericht der Geschäftsprüfungskommission abschliessend fest – vor allem bei Angestellten, die in Stadtnähe lebten. Dieser Entwicklung will der Stadtrat auch künftig nicht explizit entgegenwirken, sagt Stadtpräsident Thomas Scheitlin. Wie Evelyne Angehrn hält er fest: «Mitarbeitende wohnen in der Stadt, wenn sie passenden Wohnraum finden, wenn wir einen attraktiven Lebensraum bieten mit Freizeit- und Bildungsangeboten.» Die Wohnraumstrategie befinde sich in Arbeit; sie verfolge generell die Ausarbeitung von Massnahmen für den Wohnstandort St. Gallen. Und komme letzten Endes auch den städtischen Mitarbeitern zugute.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.