In der Region Rorschach werden noch über 100 Lehrlinge gesucht

Bald beginnen die Sommerferien. Damit treten auch viele Schulabgänger ihre Lehre an. Bei der Suche nach Lernenden kämpfen die Unternehmen jedoch mit unterschiedlichen Problemen.

Ines Biedenkapp
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Viele der Schulabgänger entscheiden sich heute entweder für einen kaufmännischen Beruf oder die Kanti. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Viele der Schulabgänger entscheiden sich heute entweder für einen kaufmännischen Beruf oder die Kanti. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Noch sind in der Region Rorschach 114 Stellen für das kommende Lehrjahr frei (Stand 20. Juni). Gemäss der Datenbank des kantonalen Amts für Statistik gibt es um Rorschach insgesamt 868 Lehrstellen. Die Zahl kann jedoch variieren, da es keine Stellenmeldepflicht gibt. Dabei haben die hiesigen Firmen mit unterschiedlichen Problemen bei der Lehrstellensuche zu kämpfen.

Im Würth Haus Rorschach werden vor allem Lehrstellen im kaufmännischen Bereich angeboten. «Allerdings ist es in den vergangenen Jahren schwieriger geworden, Lernende zu finden», sagt Nicole Zeller, vom Human Resources Würth Management AG. «Einerseits weil sich weniger Schüler für eine Lehre entscheiden, andererseits können nicht alle Schüler unseren Anforderungen entsprechen.» Bisher habe man aber immer Lernende finden und gewinnen können.

Noch nicht allzu schwierig

Bei Stürmsfs aus Goldach gibt es derzeit sechs Lehrstellen als Kauffrau oder Kaufmann, sowie sechs Lehrstellen im Bereich Logistik. Die Suche nach geeigneten Kandidaten gestaltet sich für das Unternehmen noch nicht allzu schwierig. «Natürlich ist es schwierig, Lernende zu finden», sagt Susanne Loher, Personalverantwortliche bei Stürmsfs.

«Allerdings kommt es da auf verschiedene Faktoren an.»

«Einerseits geht es um die Frage, eignet sich der Bewerber für die angebotene Lehrstelle? Andererseits muss auch eine gewisse Leistung für sich sprechen.»

Besonders viele Bewerbungen bekommt das Unternehmen auf Lehrstellen im Bereich Logistik. «Auf diese erhalten wir Bewerbungen von Realschülern bis hin zu Flüchtlingen», sagt Loher. Bewerbungen auf kaufmännische Lehrstellen seien auch einige vorhanden, aber nicht im gleichen Verhältnis zur Logistik.

Unterstützung in Deutsch

Eine Veränderung zeige sich jedoch zum Teil im zunehmenden Aufwand der Betreuung. «Es gibt Lernende, mit denen gibt es keine Probleme», sagt Loher.

«Einige bringen heutzutage jedoch einen schwierigen familiären Hintergrund in die Lehre mit.»

Vergangenes Jahr wurde erstmals ein Flüchtling in die Ausbildung zum Logistiker aufgenommen. «Er erhält von einem externen Betreuer Unterstützung und gleichzeitig wird die deutsche Sprache gefördert. Bis heute haben wir mit diesem jungen Mann sehr positive Erfahrungen gemacht», sagt Loher.

Pünktlichkeit und Verhalten sind wichtig

Bei Glace Hersteller Froneri werden vier Berufe ausgebildet, gibt das Unternehmen auf Anfrage an. Jährlich werden dort zwei Lebensmitteltechnologinnen und Technologen, sowie zwei Kauffrauen oder Kaufmänner eingestellt. Hinzu kommen Lehrstellen im Bereich Logistik und Automatiker. Gemessen an Bewerbungen, ist die kaufmännische Lehre die beliebteste.

Doch auch für Froneri wird es immer schwieriger, die passenden Auszubildenden zu finden. Einerseits suchen derzeit die geburtenschwachen Jahrgänge eine Stelle, heisst es vonseiten des Unternehmens. Andererseits muss auf die Noten geachtet werden, da die schulische Vorbildung teilweise nicht den Anforderungen der Berufsschule genüge. Um geeignete Kandidaten zu finden, bietet Froneri Schnuppertage an. Dabei kann ein Bewerber einen Einblick in das Unternehmen bekommen. Froneri selbst achtet bei den Bewerbern dann etwa auf Pünktlichkeit, das Verhalten, das Interesse oder auch, ob sich der oder die Kandidatin auf die Schnuppertage vorbereitet hat.

Interesse an Technik schwindet

Beim Hersteller von Präzisions-Werkzeugmaschinen Starrag aus Rorschacherberg werden sechs Berufe ausgebildet. Damit betreut das Unternehmen durchschnittlich 28 Lernende im Jahr. Auch das Unternehmen kennt die Problematik der wachsenden Beliebtheit der Gymnasien.

«Bei der Suche nach Lernenden kommt es jedoch auch immer ein wenig darauf an, was die Firma selbst benötigt», sagt Ausbildungsleiter Marcel Capeder.

«Wir bilden daher vor allem im technischen Bereich aus.»

Ein Problem bei der Suche, wäre vor allen Dingen die Veränderungen im Freizeitverhalten der Jugendlichen. «Wer hat heutzutage noch eine Werkbank zu Hause stehen?», sagt Marcel Capeder. «Wenn etwas kaputt geht, dann kauft man es sich heute neu, anstatt es zu reparieren.» Daher verschwinde auch mehr das Interesse an der Mechanik.

Dabei sieht er auch eine Problematik darin, dass «das gute Mittelmass verschwindet» und bezieht sich auf die schulischen Leistungen der Bewerber. Für Starrag bedeutet es, dass sie somit einen grösseren Aufwand bei der Rekrutierung betreiben müssen, um das Interesse an technischen Berufen zu wecken. Dennoch habe das Unternehmen bisher immer motivierte Lernende gefunden.